Ausland
Taliban-Problem: Obamas Geduld ist am Ende
«Sehr besorgt»: Barack Obama über das Taliban-Problem. (Bild: Keystone)
«Der Präsident ist angesichts der Sicherheitslage sehr besorgt», sagte sein Sprecher, Robert Gibbs.
Für Mittwoch standen in Washington intensive Gespräche auf der Tagesordnung: Der afghanische Präsident Hamid Karsai und sein pakistanischer Kollege Asif Ali Zardari sollten zunächst in separaten Gesprächen auf US-Aussenministerin Hillary Clinton treffen, bevor sie sich gemeinsam mit der Ministerin beraten würden. Die gleiche Pendeldiplomatie stand ihnen am Abend im Weissen Haus bevor, wo Präsident Obama in Einzelgesprächen und dann in einem gemeinsamen Treffen auf ein entschlosseneres Vorgehen gegen die Taliban dringen wollte, wie Vertreter der Regierung vorab erklärten.
Besonders die jüngste Entwicklung in Pakistan beunruhigt die USA. Washington will daher von Islamabad ein klares Bekenntnis zur Bekämpfung der Taliban im Nordwesten Pakistans, sowie eine Zusage für ein härteres Vorgehen in den weitgehend rechtlosen Stammesgebieten an der afghanischen Grenze, die den Extremisten als Rückzugsgebiet dienen. Zudem sollte laut Regierungsmitarbeitern die Sicherheit der pakistanischen Atombomben besprochen werden.
Holbrooke fordert «grösstmöglichen Druck» auf Pakistan
Mit der Pendeldiplomatie, die die Präsidenten beider Länder einbindet, macht die Regierung Obama deutlich, dass sie die Bedrohung durch die Taliban und andere Extremisten als Problem ansieht, das nicht allein in einem der beiden Länder gelöst werden kann. Der Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, sagte am Dienstag vor dem Kongress: «Wir müssen grösstmöglichen Druck auf unsere Freunde in Pakistan ausüben, damit sie sich unserem Kampf gegen die Taliban und deren Verbündete anschliessen. Wir können in Afghanistan ohne die Unterstützung und Beteiligung Pakistan keinen Erfolg haben.»
Währen sich die beiden Präsidenten in Washington aufhielten, rissen die schlechten Nachrichten aus der Heimat nicht ab. Im Nordwesten Pakistans steht der Waffenstillstand zwischen militanten Taliban und den Streitkräften vor dem Kollaps. Seit Dienstag wurde um die Kontrolle der Stadt Mingora im Swat-Tal gekämpft. Nach Angaben eines AP-Reporters war bis zum Mittwochmorgen Gefechtslärm zu hören. Aus der Stadt sind in den vergangenen Tagen in Erwartung einer Regierungsoffensive tausende Zivilpersonen geflohen.
Dutzende Zivilpersonen getötet
Das Rote Kreuz bestätigte unterdessen den Tod von mehreren Dutzend Zivilpersonen bei einem US-Luftangriff im Westen Afghanistans. Mitarbeiter der Hilfsorganisation sahen in zwei Dörfern in der Provinz Farah «jeweils Dutzende Leichen», darunter auch Frauen und Kinder, sagte eine Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Afghanistan, Jessica Barry. Karsai verurteilte den Vorfall und ordnete eine Untersuchung an. Er werde das Thema bei seinem ersten Treffen mit Obama in Washington zur Sprache bringen.
Ein gemeinsames Untersuchungsteam afghanischer und amerikanischer Vertreter brach unterdessen in den Bezirk Bala Baluk auf, wo sich am Montag schwere Kämpfe zwischen Taliban und US-geführten internationalen Truppen zugetragen hatten. (sam/ap)
Erstellt: 06.05.2009, 13:52 Uhr
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