Ausland

Trump hört nicht auf zu siegen

Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 25.02.2016

Donald Trump gewinnt in Nevada erneut – und die Republikaner stehen am Rande einer politischen Katastrophe.

«Ich gewinne, gewinne, gewinne»: Donald Trump erklärt seinen Sieg an der Vorwahl in Nevada (23. Februar 2016).

«Ich gewinne, gewinne, gewinne»: Donald Trump erklärt seinen Sieg an der Vorwahl in Nevada (23. Februar 2016).
Bild: Jim Young/Reuters

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Er siegte neuerlich gestern Abend – und wie: Bei den republikanischen Parteiversammlungen im westlichen US-Staat Nevada hängte Donald Trump den Rest des Kandidatenfelds klar ab. Er gewann, und er gewann so überzeugend, dass sich die Republikanische Partei mit dem Gedanken vertraut machen muss, mit Trump in den Präsidentschaftswahlkampf ziehen zu müssen.

Politische Kommentatoren vor allem im republikanischen Lager haben wiederholt den Einwand erhoben, der New Yorker Milliardär sei nicht wirklich zu fürchten, da er bislang nur ein Drittel der republikanischen Vorwählerschaft auf seine Seite habe ziehen können. Nevada widerlegte diese Behauptung, denn über 40 Prozent der Wähler entschieden sich anscheinend für Trump. Gegenüber Demoskopen gaben sie wieder einmal an, vom Establishment in Washington genug zu haben, sie wollen Veränderung um beinahe jeden Preis.

1/6 Setzt seinen Triumphzug fort: Donald Trump in Las Vegas. (22. Februar 2016)
Bild: Mike Nelson/Keystone

   

Und Trump mobilisiert sie: Wie schon in den bisherigen Vorwahlstaaten zogen Rekordmengen von Wählern zu den Parteiversammlungen in Nevada, angelockt nicht vom zweitplazierten Senator Marco Rubio oder vom drittplazierten Ted Cruz, sondern von Trump. Es muss den Vertretern des republikanischen Establishments und ihrem Lieblingskandidaten Marco Rubio zudem zu denken geben, dass Donald Trump in völlig diversen Regionen gesiegt hat: In Neuengland, im amerikanischen Süden und jetzt im Westen. Und den Demokraten sollte zu denken geben, dass weder Hillary Clinton noch Bernie Sanders bei ihren Vorwahlen ähnliche Wählermassen anziehen wie Trump.

Angst vor dem «Superdienstag»

Wenn nicht ein Wunder geschieht, wird der New Yorker Immobilien-Mogul in weniger als einer Woche, wenn am «Superdienstag» in zwölf Staaten gewählt wird, noch mehr Siege einfahren – und sich wahrscheinlich auf dem Weg zur Nominierung als republikanischer Päsidentschaftskandidat befinden. Er wird Delegierte sammeln, die beim republikanischen Parteitag in Cleveland im Juli ihren Helden hochleben lassen und ihn womöglich mit einer klaren Mehrheit der Stimmen bereits im ersten Wahlgang zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten salben könnten.

Was oder wer könnte Trump aufhalten? Marco Rubio? Der Wunschkandidat der Washingtoner Bonzen hat bislang keine einzige Vorwahl gewonnen, der texanische Senator Ted Cruz hat zwar in Iowa gesiegt, seither aber nicht mehr viel erreicht. Verzweiflung und Wunschdenken machen sich breit: Die Zeitung «Boston Globe» fordert parteilose Wähler in Massachusetts, wo am «Superdienstag» ebenfalls gewählt wird, dazu auf, sich in Scharen zur republikanischen Vorwahl aufzumachen und gegen Trump zu stimmen.

Und die «Washington Post» ermahnt das republikanische Establishment, sich endlich in voller Lautstärke gegen Trump auszusprechen, andernfalls drohe der Partei ein «Schandfleck». Damit aber wird unterschlagen, dass viele der radikalen Themen, die Donald Trump besetzt hat, seit Jahren in der Republikanischen Partei grassieren. Trump wagt nur auszusprechen, was gang und gäbe war in einer Partei, die sich nun am Rande einer politischen Katastrophe bewegt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.02.2016, 07:55 Uhr

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