Trump ist mehr als Techtelmechtel

Donald Trump ist nicht der Untergang der amerikanischen Politik, sondern eine Erfrischung.

Seit nun Trump gewählt wurde, schlägt vor allem die linksliberale Presse auf ihn ein.

Seit nun Trump gewählt wurde, schlägt vor allem die linksliberale Presse auf ihn ein.

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Sogar bei der Inauguration von Donald Trump war Obama noch ein Gentleman, und je mehr Trump sprach, desto mehr schienen alle Obama zu bewundern; nicht nur für die Worte die er fand, wenn er redete, sondern auch für seinen Stil.

Aber wenn wir einen kritischeren und auch uneleganten Blick zurückwerfen, stellen wir fest, dass Obamas Zustimmungsrate während seiner Präsidentschaft im Durchschnitt bei 48 Prozent lag. Das ist nicht unbedingt überragend, das ist eher Mittelfeld. Seine Abschiedsrede war denn – kritisch betrachtet – eher arrogant und unecht. Er wollte ­Washington zeigen, was er alles erreicht hat und sich in die Liga der Gründerpräsidenten einreihen. Seine Erfolge spulte er runter wie ein gut geöltes Zahnrad: Wachsende Wirtschaft, die Reichen zahlen mehr Steuern, Osama bin Laden ist tot, mehr Menschen denn je haben eine Krankenkasse, Fortschritte im Klimawandel etc. Für die Misserfolge, wie etwa die Nichtschliessung von Guantánamo Bay, fand er natürlich keine Worte.

Seit nun Trump gewählt worden ist, schlägt vor allem die linksliberale Presse, jene, die Obama stets streichelte, auf ihn ein. Sie spricht bereits von einer «Impeachment» (Abberufung), auch wegen seiner angeblichen Sexaffäre in Russland. Nun darf nicht vergessen werden, dass die Abberufung eines Präsidenten sehr ­kompliziert ist und 67 von 100 Senatoren damit einverstanden sein müssten. Dabei müssten ­mindestens 15 republikanische Senatoren gegen Trump stimmen. Das wäre ­natürlich die Erfüllung eines Traumes jedes ­linksliberalen Journalisten oder Politikers; nur wird dabei vergessen, dass die Schlafzimmer­geschichten von Trump den Wähler in den USA nicht interessieren, sondern höchstens ­amüsieren. Was ihn interessiert, ist, ob er seine Wahlversprechen einlöst.

Ebenso wenig wie Obama nicht mit George Washington, sollte Trump nicht mit Nixon gleichgestellt ­werden.

Stellen wir uns einmal vor, Trump würde ­weitsichtiger regieren, als ihm, etwa von der New York Post, nahegelegt wird. Dann könnte das ­wirtschaftliche Wachstum besser sein als ­erwartet, vor allem, wenn Trump und der Kongress eine Steuerreform und die Deregulierung vorantreiben. Zusätzlich könnte und sollte ein Handelskrieg mit China vermieden werden. ­Weiter könnte auch ein Frieden im Mittleren Osten schneller Realität werden, wenn Trump sich mit Putin versteht und mit ihm einen seiner legendären Deals macht. Er wird auch, das war und ist eine seiner ersten Prioritäten, neue Jobs kreieren und die marode Infrastruktur des Landes instand stellen.

Sollten alle diese Punkte jetzt relativ zügig umgesetzt werden, wird man aus liberalen und linken Kreisen zwar immer noch auf den Niedergang von Trump hinarbeiten, wie damals bei Nixon, aber die Luft dürfte immer dünner werden. Man darf nicht vergessen, dass die Watergate- Affäre von Nixon in den 1970er-Jahren war. Das war eine andere Zeit, es ging um illegale ­Parteispenden, und Trumps «Wettergate» ist mit Nixons «Watergate» nicht vergleichbar. Ebenso wenig wie Obama nicht mit George Washington, sollte Trump nicht mit Nixon gleichgestellt ­werden. Und dann dürfte irgendwann die ­tendenziöse Berichterstattung und konstante ­Kritik in Zusammenhang mit Trump einem Courant normal Platz machen. Ich bin immer noch hoffnungsvoll optimistisch, dass Trump nicht der Untergang der amerikanischen Politik sein wird, sondern eine Erfrischung. Warten wir die ersten 100 Tage ab, vielleicht sogar ein ganzes Jahr, und urteilen dann. (Basler Zeitung)

Erstellt: 26.01.2017, 11:32 Uhr

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