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Über Venezuela kreist der Pleitegeier
Von Sandro Benini, Mexico City. Aktualisiert am 07.03.2011 54 Kommentare
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Eigentlich müsste es Venezuela blendend gehen: Das südamerikanische Land gehört zu den zehn grössten Erdölnationen der Welt. Es profitiert dank der hohen Rohstoffpreise seit Jahren von einem wahren Geldsegen. Und doch schreibt das englische Forschungsinstitut Capital Economics, es wachse das Risiko, dass Venezuela im Jahre 2012 seine Schulden nicht mehr bezahlen und so neben Griechenland und Irland zu einem neuen Brandherd auf dem globalen Finanzmarkt werden könnte.
Die Binnenverschuldung ist in den letzten zehn Jahren um mehr als 1000 Prozent gewachsen, während die Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland um 70 Prozent gestiegen sind. Bis Ende 2011 könnte Venezuelas Gesamtverschuldung 77 Prozent des Bruttoinlandproduktes betragen.
Chávez’ Verschuldungspolitik
Besorgniserregend ist weniger der Wert an sich, liegt er doch etwa gleich hoch wie in Deutschland oder Frankreich. Gravierend ist vielmehr dessen rasantes Wachstum. Zwar hat die Entwicklung bereits Ende der 70er Jahre eingesetzt, doch geradezu explodiert ist die Verschuldung erst seit dem Amtsantritt des sozialistischen Präsidenten Hugo Chávez im Jahre 1999. Verantwortlich dafür sind die teuren Sozialprogramme, die Aufblähung der Bürokratie sowie die Hilfe, die Chávez anderen links regierten Nationen wie Kuba, Nicaragua oder Bolivien zukommen lässt.
Laut der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (Cepal) hat die massive Umverteilungspolitik zwar dazu beigetragen, den Anteil der in absoluter Armut lebenden Bevölkerung auf 10 Prozent zu senken, halb so viel wie noch 1999. Dies täuscht aber nicht darüber hinweg, dass Venezuela auch bezüglich anderen ökonomischen Grunddaten deutlich schlechter dasteht als das übrige Lateinamerika.
Während die Volkswirtschaften der Region 2010 um durchschnittlich 6 Prozent gewachsen sind, erlitt Venezuela einen Schwund um 2 Prozent. Dieses Jahr wird ein Anstieg des Bruttoinlandprodukts um 1,4 Prozent erwartet, die übrigen lateinamerikanischen Länder dürften mehr als 4 Prozent wachsen.
30 Prozent Inflation
Verheerend ist die Inflation, die mit 30 Prozent höher liegt als irgendwo sonst in Lateinamerika. Ein entscheidender Grund für Venezuelas Krebsgang liegt in der von Hugo Chávez immer rabiater betriebenen Verstaatlichungspolitik, die fast alle ökonomischen Schlüsselsektoren erfasst hat – von der Produktion von Zement und Nahrungsmitteln bis hin zu Banken, Energie und Landwirtschaft.
Die Auswirkungen auf Investitionen und Produktivität sind katastrophal: Nachdem der Staat die Kontrolle über den Erdölkonzern PDVSA übernommen hatte, der 90 Prozent der öffentlichen Deviseneinnahmen erwirtschaftet, sanken die Förderquoten kontinuierlich – von täglich 3,3 Millionen Fass 1998 bis zu den heutigen 2,25 Millionen. Die ausländischen Direktinvestitionen in das südamerikanische Land sind versiegt. Während der letzten beiden Jahre kam es sogar zu einem Kapitalabfluss.
Die revolutionären Umwälzungen in der arabischen Welt verschaffen Chávez zwar etwas Luft, weil seiner Regierung die steigenden Erdölpreise zugutekommen. Dass es ihm gelingt, die Verschuldung einzudämmen, ist aber unwahrscheinlich. 2012 finden in Venezuela Präsidentschaftswahlen statt, bei denen er wieder kandidiert. Um seine Popularität zu steigern, wird er wohl noch mehr Geld ausgeben.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 07.03.2011, 08:14 Uhr
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54 Kommentare
Es gibt nur 2 Sorten von Chavistas:Aus finanziellem Interesse oder wegen fehlender Bildung!Eine gebildete Bevölkerung würde nie für Chavez stimmen.Die nötigen Stimmen bekommt man einfacher:mit "1 Kilo Reis und einem Hühnchen" und einigen kubanischen "Ärzten".
Ohne Zweifel,Schuld am ganzen Chaos haben die Vorgängerregierungen.Man hatte vieles verpasst!Venezuela benötigt dringend einen Neuanfang!
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