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Waffen tragen erlaubt – Bier trinken verboten

Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 10.06.2009 5 Kommentare

Im US-Bundesstaat Tennessee darf man neuerdings bewaffnet eine Bar aufsuchen. Alkohol darf dann nicht getrunken werden. Wer beides kontrollieren soll, ist unklar.

Erstmal eine neue Knarre und dann vielleicht ins Pub: In den USA existieren einige kuriose Gesetze.

Erstmal eine neue Knarre und dann vielleicht ins Pub: In den USA existieren einige kuriose Gesetze.
Bild: Keystone

Es gibt jede Menge Trends und Dinge, die der Rest der Welt an Amerika bewundert und nachahmt. Neben dem Modernistischen und Hippen aber existiert eine andere Version amerikanischer Realität, so vorsintflutlich nämlich, dass sich nicht nur Aussenstehende, sondern auch viele Amerikaner an den Kopf greifen: Wie bitte, bei uns?

Nirgendwo wird dieser altertümliche Zug sichtbarer als auf dem weiten Feld persönlicher Bewaffnung. Dass die Amerikaner Hunderte Millionen von Schusswaffen horten, ist ebenso bekannt wie der erstaunliche Anstieg des Waffenverkaufs nach der Wahl Obamas, des ersten afroamerikanischen Präsidenten. Und trotz aller Klagen über das tägliche Mündungsfeuer – danach geht man so eilig wie verbissen zur Tagesordnung über – erfolgt auch in diesen Tagen eine planmässige Ausweitung der amerikanischen Kampfzone.

Kein Bier an der Bar

So wies etwa am vergangenen Freitag das Abgeordnetenhaus des Hillbilly-Staats Tennessee ein Veto von Gouverneur Phil Bredesen zurück und erlaubte das Tragen von Schusswaffen in den Bars des Staats. «Schusswaffen und Bars sind keine gute Mischung», schrieb Bredesen in seinem Einspruch, worauf der Sponsor des Gesetzes, ein Republikaner namens Curry Todd, dem Gouverneur empfahl, seinen Schrieb als Toilettenpapier zu gebrauchen.

Das neue Gesetz – eine geniale Idee! – verbietet dem Waffenträger zwar das Trinken von Alkohol, auch steht es Barbesitzern offen, Waffen in ihren Lokalen zu verbieten, wer aber wollte in einer Bar an einem Samstagabend schon darauf achten, ob Gäste mit verdeckten Knarren Bier und Whiskey konsumieren? Fortan wird es also in Tennessee Situationen geben, in denen mit Alkohol vollgesogene Kneipenbesucher nicht einmal nach Hause eilen und sich dort mit Ballermann und Munition rüsten müssen, wenn sie nach einem heftigen Wortwechsel jemandem eine Ladung blaue Bohnen verpassen wollen. Künftig reicht in jeder Bar der Griff an den Hosenbund, wo kaltes Metall schlummert.

Mit der Knarre in die Kirche

Die Ausweitung der amerikanischen Kampfzone wird besonders eifrig im amerikanischen Süden betrieben, einem wohlbekannten Spielplatz für allerlei neanderthalerische Aktivitäten. Übernächstes Wochenende etwa lädt die New Bethel Church in Louisville im Staat Kentucky «verantwortungsbewusste Schusswaffenbesitzer» zum Kirchgang mit Waffe ein. Daran neu ist eigentlich nur, dass damit offiziell gestattet wird, Knarren in ein Gotteshaus zu bringen. Inoffiziell wird bekanntlich immer wieder mal jemand in einer amerikanischen Kirche niedergestreckt.

Um dagegenhalten zu können, legte die Abgeordnete Beverly Pyle dem Staatsparlament des Südstaats Arkansas sogar einen Gesetzesantrag vor, wonach das Tragen von Schusswaffen in Kirchen erlaubt sein soll. Man müsse sich dieses Problems annehmen, «bevor etwas in unserem Staat passiert», sagte die Abgeordnete. Soweit es die Ausweitung der Kampfzone betrifft, gibt es offenbar keine Tabus mehr. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.06.2009, 06:48 Uhr

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5 Kommentare

Hans Schmid

10.06.2009, 10:00 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Dies ist nicht der erste Artikel von Herr Kilian, in dem seine Waffenphobie zum Ausdruck kommt. Vielleicht sollte er mal etwas dagegen tun oder in ein vermeintlich sichereres Land ziehen. Antworten


Res Zaugg

10.06.2009, 09:22 Uhr
Melden

Wenn die Kiinder nach dem Einkauf helfen die Lebensmittel ins Auto zu tragen, muss darauf acht gegeben werden, dass diese nicht zufällig ein Sixpack in den Armen halten. Das kann bis zu USD 2000 kosten. Oder, Einchecken in Hotel in LA, mit Kindern. Der einzige Weg an die Rezeption geht durch die Spielhalle. Diese ist aber für Kinder verboten. Die Amis ticken nun mal anders. But who cares?! Antworten



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