«Wohl erzogen, freundlich und begabt»

Aktualisiert am 01.01.2010

Der Flugzeug-Attentäter von Detroit, Umar Faruk Abdulmutallab, wandelte sich von einem gläubigen Studenten zum radikalen Islamisten – innerhalb weniger Jahre. Erst SMS-Nachrichten an seinen Vater schürten einen Verdacht.

1/17 Will sich selber verteidigen: Polizeifoto von Umar Farouk Abdulmutallab.
Bild: Reuters

   

Ein früherer Schulfreund schilderte laut einem Bericht auf der Webseite des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel», wie Umar Faruk Abdulmutallab sich von einem gläubigen Muslim zu einem gewaltbereiten Fanatiker veränderte. Gemeinsam mit dem jungen Nigerianer hatte Kwesi Brako die englische Boarding School in Togo besucht. Zu dieser Zeit, so sagte Brake laut dem Bericht gebenüber dem amerikanischen Sender CNN, habe er sich unauffällig gekleidet – in Jeans und T-Shirts, so wie viele andere Jugendliche auch.

Später sah Brako seinen Mitschüler beim Studium in London wieder. Dank der finanziellen Unterstützung seiner Eltern wohnte Abdulmutallab ab dem Jahr 2005 im wohlhabenden Viertel Bloomsbury und studierte am University College das Fach Maschinenbau. Im Juni 2006 war er dort Präsident der «Islamic Society». Zu jener Zeit nahm Brako deutliche Veränderungen wahr. «Er begann, traditionelle muslimische Kleidung zu tragen, mit Hosen, die unten an den Fussgelenken aufgerollt waren», zitierte CNN, «sogar im Winter trug er Sandalen.»

Keine klaren Hinweise für die Zeitgenossen

Am University College war Abdulmutallab wegen seines Engagements für seine Glaubensgenossen zwar bekannt, gab aber offenbar keinen Anlass zur Sorge. Die Hochschule beschreibt ihn als «wohlerzogen, freundlich und begabt». Und auch ein Kommilitone namens Fabrizio Cavallo Marincola konnte keinerlei Anzeichen einer Radikalisierung erkennen. Bis zum Studienabschluss im Mai 2008, so sagte der 22-Jährige gegenüber der Zeitung «Washington Post» habe Abdulmuttallab weder Sympathien für das Terrornetzwerk al-Qaida erkennen lassen noch sonstige Hinweise auf eine Bereitschaft zur Gewalt.

Kwesi Brako berichtete allerdings, dass Abdulmutallab einmal die Taliban in einer Diskussion verteidigt habe. «Er versuchte, das Gesicht seiner Religon zu wahren», zitierte der «Spiegel» Brako in seinem Bericht. Und dass der junge Nigerianer ein Glaubenseiferer war, war für seinen Mitschüler seit langem offensichtlich. Schon an der Highschool in Togo habe er fünfmal am Tag gebetet und niemals gegen Regeln verstossen, so wie andere Jungen in diesem Alter. «Wir nannten ihn Papst, weil er so religiös war», sagte Brako.

Beunruhigende SMS-Nachrichten an den Vater

Eine dunkle Vorahnung beschlich erst Abdulmuttalabs Vater, Alhaji Umaru Mutallab. Sein Sohn schickte ihm vielsagende SMS-Nachrichten, wie die britische Zeitung «Mirror» am Freitag berichtete. «Ich habe eine neue Religion gefunden, den echten Islam», zitierte die Zeitung daraus.

Der Vater versuchte laut mehreren Presseberichten, seinen Sohn umzustimmen. Offenbar vergeblich, denn der antwortete ihm: «Du solltest mich einfach vergessen, ich komme nie wieder!» Und bat: «Vergib mir, falls ich etwas Falsches tue. Ich bin nicht länger dein Kind.» (raa)

Erstellt: 01.01.2010, 23:56 Uhr

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