Zeuge fotografierte Entführung von Studenten in Mexiko

Im Fall der 43 ermordeten Studenten gibt es eine neue Spur. Zwei hohe Beamte sollen zudem Bescheid gewusst haben.

Angehörige der vermissten Studenten an einer Pressekonferenz nach einem Treffen mit dem Ermittler in Mexiko-Stadt. (14. April 2016)

Angehörige der vermissten Studenten an einer Pressekonferenz nach einem Treffen mit dem Ermittler in Mexiko-Stadt. (14. April 2016) Bild: Yuri Cortez/AFP

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Mehr als anderthalb Jahre nach dem Verschwinden von 43 Studenten in Mexiko hat die Nationale Menschenrechtskommission erstmals eine Verwicklung von zwei Bundespolizisten in den Fall öffentlich gemacht. Die Menschenrechtskommission beruft sich auf einen Augenzeugen.

Die Kommission teilte mit, der Augenzeuge habe die beiden Bundespolizisten im Süd-mexikanischen Iguala gesehen, wo Polizisten auf die Reifen eines der fünf Busse der Lehramtsstudenten geschossen hätten.

Zum «Boss» gebracht

Daraufhin seien die 15 bis 20 Studenten aus dem Bus geholt und in mehrere Einsatzwagen der örtlichen Polizei und der Polizei der Stadt Huitzuco gezerrt worden. Die Polizisten aus Huitzuco waren bisher in diesem Zusammenhang noch nicht erwähnt worden. Laut dem Augenzeugen seien dann die beiden Bundespolizisten dazu gekommen und hätten gefragt, was los sei.

Einer der Polizisten aus Iguala soll gesagt haben, die Studenten würden nach Huitzuco gebracht, wo der «Boss», vermutlich eines Drogenkartells, entscheide, was mit ihnen zu tun sei. Die Bundespolizisten hätten daraufhin gesagt «Ah, ok, das ist gut» und hätten die Polizisten mit den Studenten wegfahren lassen.

Soldat soll Fotos gemacht haben

Einer der Bundespolizisten sei namentlich bekannt, teilte die Kommission mit. Zudem habe ein Soldat auf einem Motorrad Fotos des Geschehens gemacht und sei dann weggefahren. Die Generalstaatsanwaltschaft kündigte an, die neuen Spuren zu verfolgen. Der Augenzeuge und seine Familie würden beschützt.

Den bisherigen offiziellen Angaben zufolge hatten Polizisten aus Iguala und dem benachbarten Cocula die Studenten verschleppt und sie der Drogenbande Guerreros Unidos übergeben. Diese habe die Studenten getötet, die Opfer auf einer Müllkippe verbrannt und ihre Überreste in einen Fluss geworfen. Von den Angehörigen beauftragte Wissenschaftler fanden dafür aber keine Beweise. (ij/sda)

Erstellt: 15.04.2016, 09:22 Uhr

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