Der «Nonsense» geht weiter

Donald Trump hält an den Abhörvorwürfen gegen seinen Vorgänger Barack Obama fest.

Für Trump umfasst Abhören «eine Vielzahl von Dingen»: Der US-Präsident am vergangenen Mittwoch vor dem Weissen Haus. Foto: Olivier Douliery (Keystone)

Für Trump umfasst Abhören «eine Vielzahl von Dingen»: Der US-Präsident am vergangenen Mittwoch vor dem Weissen Haus. Foto: Olivier Douliery (Keystone)

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An den Pressekonferenzen im Weissen Haus war in jüngster Zeit oft von Anführungszeichen die Rede. Sean Spicer, der Sprecher von Donald Trump, sagte, der Präsident halte an den «Abhörvorwürfen» gegen seinen Vorgänger Barack Obama fest.

Präsident Trump hatte Anfang März auf dem Kurznachrichtenkanal Twitter verkündet, Obama habe seine Telefone im Trump Tower «abgehört». Trump verglich das Vorgehen mit Watergate und nannte seinen Vorgänger einen «kranken Typen».

Pressesprecher Spicer erklärt Trumps Tweet. Video: Reuters

Aber «Abhören», so Spicer diese Woche, bedeute eben nicht Abhören. Es sei eine Metapher für allgemeine Überwachung, der Präsident habe das Wort deshalb in Anführungszeichen gesetzt.

«Die Worte Spicers gehören ignoriert.»Sprecher des britischen GCHQ

Amerikanische Journalisten haben in den vergangenen Tagen wiederholt nach Belegen für die schwerwiegenden Vorwürfe gefragt. Spicer konnte keine Belege vorlegen, wies aber darauf hin, man solle den Präsidenten nicht wörtlich nehmen. «Es besteht kein Zweifel, dass Überwachungstechniken zur Anwendung kamen.»

Der Sprecher des Präsidenten zitierte den Sender Fox News, wonach weder die NSA noch die CIA oder das FBI an der Überwachung Trumps beteiligt gewesen waren, «sondern der britische Abhördienst GCHQ». Ein Sprecher von GCHQ wiederum liess umgehend verkünden, der Bericht auf Fox News sei kompletter «Nonsense». Die Anschuldigung, Obama habe die Briten beauftragt, Trump zu überwachsen, sei lächerlich. «Die Worte Spicers gehören ignoriert.»

Weder Anzeichen noch Belege

Der republikanische Vorsitzende des US-Geheimdienstausschusses, Richard Burr, und sein Stellvertreter von den Demokraten, Mark Warner, teilten in einer gemeinsamen Erklärung mit, dass das Gremium auf Basis der vorliegenden Erkenntnisse keine Hinweise auf Überwachung des Trump Tower gefunden habe. Selbst der republikanische Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, Paul Ryan, winkte ab und sagte, es gebe keine Anzeichen dafür.

Gleicher Meinung ist auch der frühere Geheimdienstdirektor James Clapper, der ein Abhören «in welcher Form auch immer» entschieden verneint hatte. FBI-Direktor James Comey hatte das Justizministerium aufgefordert, sich von den Vorwürfen zu distanzieren. «Es gibt bisher keinen einzigen Beleg für Trumps Anschuldigungen.»

«Einige sehr interessante Dinge»

Donald Trump aber bleibt dabei. In einem Interview auf Fox News Mitte Woche behauptete er etwas schwammig, dass in den nächsten vierzehn Tagen «einige sehr interessante Dinge» an die Oberfläche kommen würden. Auch er wies darauf hin, dass das Wort «Abhören» eine Vielzahl von Dingen umfasse.

Obamas vorläufig letzte Worte zur Sache. Video: Reuters

Nur der Angeschuldigte Barack Obama hielt sich mit Äusserungen zurück. Er wies vor Tagen sämtliche Vorwürfe von sich und äusserte sich seitdem nicht mehr dazu. Der ehemalige Präsident sei mit dem Aufbau seiner Stiftung beschäftigt, liess ein Sprecher verkünden, und gönne sich die eine oder andere Runde Golf.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.03.2017, 18:10 Uhr

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