Chaos-PK: «Ich gebe Ihnen keine Frage. Sie sind Fake-News»

CNN, BuzzFeed, «New York Times»: Trump nahm sie gestern alle in die Mangel – und sie gaben später bissig zurück.

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«Ein Haufen Müll»: Bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Wahlsieg hat der designierte US-Präsident Donald Trump aufgebracht gegen einige Medienunternehmen ausgeteilt. Diese reagieren scharfzüngig.

Nach der Berichterstattung über unbestätigte Informationen über Donald Trumps Finanzen und Privatleben hat der künftige Präsident heftige Medienkritik geübt. Das Nachrichtenportal BuzzFeed sei ein «gescheiterter Haufen Müll», sagte er am Mittwoch bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Sieg der US-Wahl im November. Auch der renommierte Fernsehsender CNN musste einstecken - dessen Reporter sich aber lautstark wehrten.

«Seien Sie nicht unhöflich»

Es glich einem Gekreische sondergleichen: Trump in der Diskussion mit CNN-Reporter Jim Acosta. In einem scharfen Schlagabtausch rief der Journalist dem künftigen Präsidenten am Mittwoch zu, er attackiere das Nachrichtenunternehmen. «Können Sie uns eine Chance geben, Fragen zu stellen?», fragte er. «Seien Sie nicht unhöflich», antwortete Trump. «Ich gebe Ihnen keine Frage. Sie sind Fake-News.»

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Hintergrund des hitzigen Wortgefechts war die Veröffentlichung eines jüngsten Berichts, der unter anderem die nicht überprüften Behauptungen enthält, Trumps enge Vertraute hätten im Hinblick auf die Hackerangriffe auf die US-Demokraten mit Russland kooperiert. Zudem heisst es darin, Trump habe Prostituierte in Moskau für unübliche Sexualpraktiken angeheuert. Die US-Geheimdienste hatten Trump vergangene Woche über diese Informationen unterrichtet, klassifizieren sie selbst aber als unglaubwürdig.

«Das amerikanische Volk hat genug davon»

CNN berichtete daraufhin von der Tatsache, dass Trump unterrichtet worden war. Ebenso tat dies die Nachrichtenagentur AP. Das Nachrichtenportal BuzzFeed hingegen ging einen Schritt weiter und veröffentlichte den entsprechenden, weiterhin ungeprüften Bericht - mit der Begründung, die US-Bürger sollten sich ein eigenes Bild machen.

Bildstrecke – Trump und die Russen-Papiere:

CNN-Reporter Jake Tapper kritisierte, Trump werfe seinen Arbeitgeber und BuzzFeed in einen Topf. Dieser hingegen sah in BuzzFeed nicht nur einen «Haufen Müll», sondern drohte dem Portal auch mit Konsequenzen. Scharf verurteilt wurde die Veröffentlichung zudem von Trump-Vize Mike Pence. Manche Medien versuchten offenbar, die US-Wahl als unrechtmässig hinzustellen und die künftige Regierung zu diskreditieren. «Das amerikanische Volk hat genug davon», sagte er.

BuzzFeed-Chef mockiert sich

Der Geschäftsführer von BuzzFeed, Jonah Peretti, reagierte am Mittwoch hingegen eher amüsiert und gelassen. «Die 'New York Times', CNN und die 'Washington Post' wurden bereits angegriffen. So geschah es auch mit (Schauspielerin) Meryl Streep und den Broadway-Schauspielern von «Hamilton» - aber wir würden uns nie mit so talentierten Leuten vergleichen.»

Ort des angeblichen Geschehens: Das Ritz Carlton in Moskau.

Anders lautete die Antwort des Netzwerks CNN. In einer Mitteilung hiess es, da die Mitglieder des Trump-Übergangsteams die Berichterstattung des Fernsehsenders so lautstark kritisiert hätten, werde darum gebeten, dass sie daran das konkret Fehlerhafte ausmachen sollten. «Ich denke, es ist Ihre Politik, dass sie alle Reporter über einen Kamm scheren wollen», sagte Moderator Anderson Cooper in einem Interview mit Trump-Beraterin Kellyanne Conway. «Das scheint unfair und unaufrichtig.» Sie erwiderte, das Team bekomme keinen Respekt. Nur 16 Prozent der US-Bevölkerung seien mit der Berichterstattung der Medien einverstanden. «Das kommt nicht von ungefähr», sagte sie.

Auch darüber hinaus hat die Veröffentlichung von BuzzFeed eine Debatte über ethischen Journalismus in den USA ausgelöst. Die wenigsten renommierten Medien hatten die Details des Berichts zwar herausgegeben, da sie sich nicht bestätigen liessen. Doch die Herausgabe durch das Portal BuzzFeed sorgte für eine immense Verbreitung in den sozialen Netzwerken.

Eine Medienethikerin des für Journalismus renommierten Poynter Instituts verglich das Vorgehen von BuzzFeed mit Organisationen wie Wikileaks, auf deren Seite lediglich Dokumente hochgeladen und veröffentlicht würden. «Die Aufgabe von Berichterstattung ist tatsächlich der Bericht», kritisierte Kelly McBride. BuzzFeed hätte nichts darüber veröffentlicht, wie es die Vorwürfe verifizieren oder widerlegen würde oder ob es überhaupt weiter vorgehen wolle. «Ich ringe mit der Frage, ob das Journalismus ist. Ich denke, es ist etwas anderes.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.01.2017, 07:05 Uhr

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