Schmutz-Dossier

Die linken Verlierer der US-Präsidentschaftswahlen sollten aufhören zu schäumen, zu weinen und zu drohen. Sie benehmen sich wie Kleinkinder, denen man den ­Schnuller weggenommen hat.

Ob man ihn verabscheut oder liebt, Trump wurde klar und nach allen gültigen Regeln gewählt.

Ob man ihn verabscheut oder liebt, Trump wurde klar und nach allen gültigen Regeln gewählt. Bild: Keystone

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Noch immer weigern sich etliche Zeitgenossen, die Wahl des New Yorker Immobilienlöwen Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA zu akzeptieren. Putins Hacker, «Fake News»-­Produzenten rechtspopulistischer Medien, der hinterhältige FBI-Chef Comey hätten das Abstimmungsverhalten auf illegitime Art beeinflusst – alle anderen werden für die Niederlage Hillary Clintons verantwortlich gemacht, nur nicht die unpopuläre Kandidatin selber und die gescheiterte Politik ihrer Partei.

Kürzlich keimte bei den Verlierern für einen Moment die Hoffnung auf, Trump doch noch verhindern zu können. Das Online Magazin BuzzFeed publizierte ein Dokument, das den künftigen ­Präsidenten aufs Äusserste kompromittierte. Er soll 2013 in Moskau Prostituierte dafür bezahlt haben, dass sie auf das Bett in jener Luxussuite urinierten, in dem zuvor das Ehepaar Obama genächtigt hatte. Die Anschuldigungen beriefen sich ausschliesslich auf anonyme, unüberprüfbare Quellen und waren widersprüchlich, grotesk und hanebüchen.

Erfüllt Trump seine Versprechen nicht, wird er wieder nach Hause geschickt.

Als auch noch der Autor des Berichts bekannt wurde, ein ehemaliger Spion des britischen Geheimdienstes MI6, der sein Geld damit verdient, für reiche Auftraggeber Schmutz-­Dossiers von politischen Gegnern zu verfassen, verschwand die Freude der Trump-Hasser ­wieder. Das Elaborat hatte den letzten Rest an möglicher Glaubwürdigkeit verloren. Der einzige Grund ­seiner Existenz war offensichtlich ein zynisches politisches Kalkül: Egal wie falsch, hässlich und absurd die Anschuldigungen sind, etwas bleibt immer hängen.

Die linken Wahlverlierer sollten aufhören zu schäumen, zu weinen und zu drohen. Sie benehmen sich wie Kleinkinder, denen man den ­Schnuller weggenommen hat. Ob man ihn verabscheut oder liebt, Trump wurde klar und nach allen gültigen Regeln gewählt. Seine Republikaner haben die Mehrheit in beiden Kammern und stellen die Mehrheit der Gouverneure im Land. Wer Gesetz und Demokratie respektiert, akzeptiert diese Tatsache. Alle zwei Jahre sind Parlamentswahlen, alle vier wird ein neuer Präsident gewählt. Erfüllt Trump seine Versprechen nicht, wird er zuerst ausgebremst und dann wieder nach Hause geschickt. So funktioniert Demokratie. (Basler Zeitung)

Erstellt: 17.01.2017, 10:12 Uhr

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