«Das Gefängnis ist die beste Schule für Kriminalität»

Die französische Zeitung «Le Monde» hat bereits vor 7 Jahren mit Amedy Coulibaly gesprochen. Der Supermarkt-Attentäter kam damals gerade aus der Haft – und erzählte den Journalisten von seiner Zeit dort.

Sammelte nach eigenen Angaben jede Menge Erfahrung im Gefängnis: Amedy Coulibaly auf dem Fahndungsfoto der Polizei. (9. Januar 2015)

Sammelte nach eigenen Angaben jede Menge Erfahrung im Gefängnis: Amedy Coulibaly auf dem Fahndungsfoto der Polizei. (9. Januar 2015) Bild: AP Photo/Prefecture de Police de Paris

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Die Geschichte sorgte bereits 2008 in Frankreich für Schlagzeilen – und gewinnt nach den Anschlägen in Paris nun wieder an Aktualität: Die Zeitung «Le Monde» veröffentlichte damals Aufnahmen von den Haftbedingungen in einem französischen Gefängnis. Mehrere Insassen hatten die Bilder damals gefilmt und den Medien zugespielt. «Wir haben uns gedacht, wir müssen zeigen, wie es dort drinnen zugeht», sagte einer der Inhaftierten gegenüber der Zeitung.

Bei einem Blick in die Archive haben die Journalisten nun offenbar bemerkt, mit wem sie damals sprachen: Es war Amedy Coulibaly – der Mann, der vergangene Woche in Paris eine Polizistin erschoss und dann vier Kunden eines jüdischen Supermarktes tötete. Und dann nach einer mehrstündigen Geiselnahme durch eine Kugel der Sicherheitskräfte ums Leben kam.

«Ich bin kein Held»

Seine Undercover-Videos zeigen tatsächlich erschreckende Zustände: Die Gefängniswände weisen grüne Schimmelflecken auf, die Zellen sind schlecht oder gar nicht beheizt. Krankheiten würden grundsätzlich lediglich mit Schmerzmitteln behandelt, klagte der damals 26-jährige Coulibaly.

Um Reformen im französischen Haftsystem voranzutreiben, habe er «Le Monde» die Aufnahmen zugespielt, erklärte er. Die Journalisten vermuteten jedoch andere Motive: Er habe die Videos verkaufen wollen, glauben sie. «Ich bin kein Held. Wir gehen Risiken ein, wir müssen uns absichern, zumindest unsere Anwälte bezahlen», sagte damals sogar Coulibaly selbst. Ob tatsächlich Geld floss, ist nicht überliefert. Die Authentizität der Videos wurde jedoch von mehreren unabhängigen Organisationen bestätigt, wie «Le Monde» schreibt. Später strahlte auch das französische Fernsehen die Bilder aus.

«Jahre Erfahrung sammeln»

Coulibaly verbrachte mehrere Jahre hinter Gitter, immer wieder wurde er wegen unterschiedlicher Delikte verurteilt. Kurz vor dem Interview mit «Le Monde» wurde er nach einer Verurteilung wegen Drogenhandel entlassen – zwei Jahre später musste er wieder in Haft, weil er die Flucht eines berüchtigten Islamisten mitgeplant hatte. Dort lernte er offenbar auch Chérif Kouachi kennen. Den Mann, der vor einer Woche zusammen mit seinem Bruder Said die Redaktion des Satiremagazins «Charlie Hebdo» stürmte und 12 Menschen ermordete.

Das Gefängnis sei die «verdammt noch mal beste Schule für Kriminalität», sagte Coulibaly schon 2008 im Interview. Man treffe auf einem kurzen Spaziergang Korsen, Basken, Muslime, Räuber, kleine und grosse Drogenhändler, Mörder. «Man kann dort Jahre an Erfahrung sammeln.» (ajk)

Erstellt: 14.01.2015, 10:45 Uhr

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