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50'000 Menschen sitzen auf kleinem Flecken in der Todesfalle

Von Christine Möllhoff, Delhi. Aktualisiert am 12.05.2009 30 Kommentare

In Sri Lanka drohen Massaker unvorstellbaren Ausmasses: Der Endkampf zwischen der sri-lankischen Armee und den tamilischen Rebellen nimmt immer brutalere Formen an.


Konnten rechtzeitig entkommen: Flüchtlinge werden von der Armee aufgegriffen.

Konnten rechtzeitig entkommen: Flüchtlinge werden von der Armee aufgegriffen. (Bild: Keystone)

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Spital angegriffen

Bei einem Artillerieangriff auf das einzige noch funktionierende Krankenhaus im Bürgerkriegsgebiet in Sri Lanka sind am Dienstag mindestens 49 Menschen getötet worden. Mehr als 50 weitere seien verwundet worden, darunter bereits teils schwer verletzte Kranke, sagte ein Beamter der Gesundheitsverwaltung. Die Zahl der Todesopfer werde vermutlich noch steigen. Die tamilischen Rebellen machten die Streitkräfte für den Angriff verantwortlich.

Die Zahl der Toten in Sri Lanka steigt massiv. In nur zwei Nächten sollen in der «No-Fire-Zone», die schon lange keine mehr ist, bei schwerem Artillerie- und Mörserbeschuss bis zu 1000 Zivilisten getötet worden sein. Diese Schätzzahl nannte der für die Regierung arbeitende Arzt Shanmugarajah. Er sagte laut dem britischen Sender BBC, der Beschuss scheine von Regierungsseite gekommen zu sein.

Die LTTE warfen dem Militär vor, die offiziell entmilitarisierte Zone bombardiert zu haben. Sie liess Fotos von verstümmelten Leichen verbreiten. Das Militär erklärte dagegen, die LTTE hätten die eigenen Landsleute mit Mörsern beschossen, um eine Tragödie herbeizuführen und eine internationale Intervention zu erzwingen. Überprüfbar sind die Angaben nicht. Unabhängigen Beobachtern ist der Zutritt zur Kampfzone verwehrt. Augenzeugen, die in den Vorwochen aus der Kampfzone fliehen konnten, hatten berichtet, dass sowohl Soldaten als auch Tamilen-Rebellen die Sicherheitszone beschiessen.

Zwischen den Fronten

Das Blutbad nährt die Angst vor einem noch viel schlimmeren Massaker. In der Kampfzone sitzen 50’000 Tamilen, die die LTTE als menschliche Schutzschilde festhalten, faktisch in einer Todesfalle . Die LTTE sollen den nur fünf Quadratkilometer grossen Streifen mit Dämmen, Minen und Gräben gesichert haben, um die Zivilisten am Fliehen zu hindern und den Vormarsch der Soldaten zu stoppen. Bisher haben die LTTE keinerlei Hinweise gegeben, dass sie die Zivilisten gehen lassen wollen. Und die Regierung hat alle Rufe nach einer Waffenruhe barsch zurückgewiesen.

Der Kampf könnte sich nun einem blutigen Showdown nähern. Beobachter fürchten, dass das Militär bald in aller Härte zuschlagen wird. In Indien gehen morgen die Parlamentswahlen zu Ende. Die LTTE werfen Delhi vor, Colombo unter Druck zu setzen, den Krieg nach dem letzten Wahltag, aber noch vor Bildung der neuen Regierung zu beenden. Das ist nicht ganz abwegig. Der Bürgerkrieg in Sri Lanka ist ein Riesenthema in Indien, weil dort Millionen Tamilen leben. Käme es zu einem Blutbad, würde sich der Zorn der indischen Tamilen auch gegen die eigene Regierung richten. Die LTTE haben Indien bereits mit Racheanschlägen gedroht.

Sexuelle Übergriffe in den Lagern

Sorge bereitet auch das Schicksal jener 120’000 Flüchtlinge, die bisher aus der Kampfzone fliehen konnten. Diese hat die singhalesische Regierung von Präsident Mahinda Rajapakse in völlig überfüllte Notlager gesteckt. Der britische Sender Channel 4 hatte über Wasser- und Lebensmittelmangel sowie sexuelle Übergriffe in den Lagern berichtet.

Es mehren sich Berichte, dass Colombo die Tamilen über Monate oder sogar Jahre in Lager stecken will. Seit dem Regierungsantritt von Rajapakse Ende 2005 werden die Menschenrechte mit Füssen getreten. Menschenrechtsorganisationen appellierten an Japan, sich einzuschalten. Tokio müsse sich sowohl für die LTTE-Geiseln als auch für die Flüchtlinge in den Lagern einsetzen. Japan ist der grösste Geldgeber Sri Lankas. (Der Bund)

Erstellt: 12.05.2009, 09:31 Uhr

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30 Kommentare

Werner Peter

12.05.2009, 09:08 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Das ist die grosse Tragödie, nicht die Angstmache der Schweine Grippe. Es sieht so aus als ob keine Regierung wirklich daran interessiert ist in Sri Lanka für die betroffenen Menschen einzustehen. Es ist genau das selbe Drama wie im Gaza in Januar. Es ist ein systematischer Genozid von Minderheiten der da vor sich geht. Es wird Zeit, dass wir an den Spielen der Politik nicht mehr teilnehmen Antworten


Ronnie König

12.05.2009, 11:13 Uhr
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@Urs Keller: Sie glauben also, dass 200Tigers 50 000 Leute als Schutzschild missbrauchen? Wissen Sie überhaupt wie das organisiert werden soll? Die Tamilen beschützen ihr kleines Verteidigungshäufchen, weil sie von der singhalesischen Armee dazu gezwungen werden! Sie können nicht flüchten! Sie müssten durch Mienenfelder gehen! Und die Frauen werden anschliessend vergewaltigt! Antworten



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