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Ayatollah verbietet Trauer für Protest-Ikone Neda
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Die iranische Opposition will heute Donnerstag eine Trauerfeier für die Opfer der Proteste nach der Wiederwahl von Präsident Mahmoud Ahmadinejad veranstalten. Dazu aufgerufen hat der unterlegene Präsidentschaftskandidat Mir Hussein Moussavi. Nach der Wahl waren mindestens 20 Demonstranten getötet worden. Die Trauerfeier soll in Teheran stattfinden. Erinnert werden soll unter anderem auch an Neda Agha Soltan, die nach ihrem Tod zu einem Symbol der Protestbewegung wurde.
Geplant sind keine politische Reden, es geht nur um Trauer. Laut Medienberichten sollen auf dem Mossalla-Gelände in Teheran, einem zentralen Gebetsort, in aller Stille Koran-Verse verlesen werden. Und dies entspricht der Tradition: Schiitische Gläubige gedenken eines Toten am dritten, am siebenten sowie am 40. Tag nach dessen Tod. Mit der geplanten Trauerfeier zu Ehren der 26-jährigen Neda und den anderen Toten der Anti-Ahmadinejad-Demonstrationen im letzten Monat kommt die Opposition dem Regime in die Quere.
Moussavi: Ayotallah bricht Verfassung
Ausgerechnet der geistliche Führer Ayatollah Ali Khamenei verweigert das religiöse Recht, mit Trauerfeiern der Toten zu gedenken, «was einigermassen absurd ist, da sich der Ayatollah durch nichts anderes als die Religion definiert und legitimiert», wie ein Kommentator der deutschen Zeitung «Die Welt» bemerkt.
Das widersprüchliche Verhalten des Ayatollahs nutzt Oppositionsführer Mir Hussein Moussavi für verbale Sticheleien gegen das Regime. Er hat die Genehmigung der Trauerfeier als Testfall für Verfassungstreue der Regierung bezeichnet. Damit suggerierte er, der mächtigste Mann der Islamischen Republik habe die Verfassung gebrochen. Das Trauerverbot für den heutigen Tag zeigt, so die Einschätzung von Beobachtern vor Ort, wie nervös das Regime in Teheran geworden ist. Das Regime beharrt auf seiner harten Linie, versucht aber auch, die Opposition zu besänftigen.
Vorwürfe über Folter in Gefängnissen
In einer Goodwill-Aktion haben die iranischen Machthaber in dieser Woche etwa 140 gefangene Demonstranten freigelassen. Auf Anordnung von Staatspräsident Mahmoud Ahmadinejad sollen die restlichen Häftlinge der Opposition in den nächsten zehn Tagen entlassen werden. Mit der Freilassung von Gefangenen kommen aber Tatsachen ans Tageslicht, die gegen das Regime sprechen.
In den letzten Tagen sind Vorwürfe über Folter laut geworden. So seien zu einem Zeitpunkt etwa 200 Häftlinge in einen dunklen Raum gesperrt und eine halbe Stunde lang mit Schlagstöcken traktiert worden sein, berichtete ein Entlassener auf einer Website der Opposition. Er nannte die Namen von sechs Mitgefangenen, die dabei vermutlich ums Leben kamen. (vin)
Erstellt: 30.07.2009, 08:59 Uhr
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