Ausland
Der Fluch des blauen Diamanten
Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 09.03.2010
Sorgt seit 20 Jahren für Streit: Ein blauer Diament. (Symbolbild)
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Dass die beiden Länder Thailand und Saudiarabien einmal eng miteinander verbandelt waren, würde man heute nicht mehr denken. Im Gegenteil, das Verhältnis ist kühl, die Kontakte auf einen Handelsdelegierten reduziert. Noch vor 1990 war das ganz anders. Bis zu einer Viertelmillion Thais arbeiteten in der Ölindustrie des reichen Wüstenstaates. Und dann kam dies.
Kriangkrai Techamong, ein junger Thailänder, arbeitete Ende der 80er-Jahre als Bediensteter im Königspalast. Bei der Arbeit im Zimmer einer Frau aus der Herrscherfamilie konnte er offenbar nicht widerstehen. Er liess Schmuckstücke und Edelsteine verschwinden. Darunter einen hochkarätigen, äusserst seltenen blauen Diamanten. Einer Schilderung zufolge knackte er den Safe und stopfte seine Beute in Staubsaugersäcke. In der Folge gelang es ihm offenbar den Millionen-Fang nach Thailand zu bringen.
Ermordete Diplomaten, entführter Geschäftsmann
Im Wüstenstaat dauerte es zwar nicht lange, bis der Raub aufflog. Techamong aber war schon zu Hause in Thailand angekommen. Die Sicherheitsbehörden beider Länder tauschten Informationen aus, der Räuber wurde wenig später verhaftet. Einen Teil seiner Beute hatte er schon verkauft. Das aber wusste damals noch keiner, zumindest keiner von denen, die mit der Aufklärung des Falls beauftragt wurden.
Das Drama spitzte sich erst richtig zu, als noch in den gleichen Tagen drei saudische Diplomaten in Thailand ermordet wurden. Das Tatgeschehen glich einer Exekution. Wieder zwei Tage später wurde in Thailand ein saudischer Geschäftsmann entführt. Er ward bis heute nicht mehr gesehen.
Gedemütigte Saudis
Den thailändischen Behörden wurde klar, dass die Lage ernst war, sehr ernst. Sie machten vorwärts und reisten mit dem wiedergefundenen Diebesgut nach Saudiarabien. Was sie den gedemütigten Saudis aber vorlegten, entpuppte sich teilweise als Fälschungen, zudem fehlte das wichtigste Stück, der blaue Diamant. Spätestens jetzt hatte die Affäre zwischen den beiden Ländern ihren Namen.
Seitdem ist nun also das Verhältnis unterkühlt. Im Juni 1990 stoppte die saudische Regierung die Vergabe von Arbeitsvisa an willige Arbeiter für seine Ölindustrie. Die Zahl thailändischer Ölbohrer, sank zwischen 1990 und 2006 von 250'000 auf 10'000. Jetzt gibt es erstmals Hoffnung, der verhärtete Streit könnte sich entschärfen.
«Die Forensiker halten uns für dumm»
Das aber nicht, ohne dass in in der Zwischenzeit nochmals Menschen ihr Leben lassen mussten. In den frühen 90er-Jahre geriet ein thailändischer Juwelier in den Verdacht, im Hintergrund des Bediensteten Kriangkrai Techamong die Fäden gesponnen zu haben. Das kostete 1994 seiner Frau und seinem 14-jährigen Sohn das Leben. Die Untersuchungsbehörde der Regierung liess verlauten, dass es sich um einen Autounfall handelte. Diesem Sachverhalt höhnte aber der thailändische Handelsdelegierte, wie er der «Washington Post» damals erklärte. «Die Forensiker halten uns für dumm. Das war niemals ein Autounfall.»
Später geriet auch der ursprünglich mit den Ermittlungen betraute thailändische Polizeioffizier in den Kreis der Verdächtigen. Er wurde verhaftet und zum Tode verurteilt. Bis heute bestreitet er seine Schuld. Die Strafe wurde in lebenslänglich umgewandelt. Medienberichten zufolge soll er im Gefängnis mit anderen eine Band gegründet haben. Sie hätten eine thailändische Version von Elvis’ «Jailhouse Rock» aufgenommen. Offenbar immer noch nicht zufrieden mit den Bemühungen der thailändischen Behörden zeigten die Saudis den Asiaten weiterhin die kalte Schulter.
Inszenierte Festnahmen?
Nun kam neue Bewegung in die Sache. Im Januar wurden fünf Polizisten festgenommen, denen vorgeworfen wird, in die Affäre verwickelt zu sein. Der Vorwurf lautet auf Mord. Ob der Weg allerdings über die jüngsten Festnahmen führt, scheint zweifelhaft. In Medienkommentaren wird der Regierung vorgeworfen, die Festnahmen seien nur inszeniert, um die Krise zu lösen.
In Thailand gilt inzwischen die Regel: Wer irgendetwas zu tun hatte mit dem blauen Diamanten, auf dem liege ein Fluch. Und auch der saudiarabische Handelsvertreter glaubt inzwischen, dass da Hexerei dahintersteckt. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.03.2010, 07:39 Uhr











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