Ausland

Der IS bekennt sich zum Anschlag in Jakarta

Aktualisiert am 14.01.2016

In der indonesischen Hauptstadt wurde unter anderem ein Starbucks-Café angegriffen. Der US-Konzern schliesst bis auf weiteres alle Geschäfte vor Ort.

1/22 Es gäbe eine starke Vermutung, dass der Anschlag von einer indonesischen Gruppe verübt wurde, die mit dem IS verbunden ist, sagte ein Polizeisprecher: Auf diesem Bild soll einer der Angreifer zu sehen sein.
Veri Sanovri/Xinhua via AP

   

()

  • Zusammenfassung 13.20  

    Bei einem Terroranschlag im Zentrum der indonesischen Hauptstadt Jakarta sind sieben Menschen ums Leben gekommen. Die fünf Attentäter seien ebenfalls unter den Toten, sagte Polizeisprecher Mohammad Iqbal am Donnerstag.

    Zwei Menschen starben durch das Terrorkommando und mehrere wurden verletzt. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zum Anschlag. Die Polizei teilte mit, es habe sich um Angriffe nach dem Muster der Attentatsserie in Paris mit 130 Toten gehandelt.

    Geiseln im Starbucks genommen

    Zunächst habe sich ein Selbstmordattentäter in einem Starbucks-Café nahe einem Einkaufszentrum im Zentrum Jakartas in die Luft gesprengt, berichtete Polizeisprecher Anton Charliyan. Zwei zunächst draussen wartende Bewaffnete seien dann in das Café gegangen, wo sie einen Niederländer und einen Algerier als Geiseln genommen hätten.

    Ein Indonesier habe versucht, dem Niederländer zu helfen. Beide seien von den Angreifern erschossen worden, der Algerier sei dabei verletzt worden. Anschliessend sei die Polizei gekommen und habe die Angreifer erschossen, teilte Charliyan weiter mit.

    Allerdings gab es zum angeblich getöteten Niederländer widersprüchliche Angaben. Das Aussenministerium in Den Haag sprach nämlich nicht von einem getöteten, sondern von einem schwer verletzten Niederländer. Und laut Jakartas Polizeichef Tito Karnavian handelte es sich bei dem erschossenen Ausländer um einen Kanadier.

    Kurz nach dem Anschlag auf das Starbucks-Café seien zwei Männer auf Motorrädern zu einer Polizeistation gefahren und in diese eingedrungen, wo sie sich dann in die Luft gesprengt hätten. Dabei seien vier Polizisten schwer verletzt worden, berichtete Polizeisprecher Charliyan. Vier Sprengsätze seien gezündet worden, Augenzeugen sprachen von sechs Explosionen.

    Rätselhafte Drohung des IS

    Indonesiens Präsident Joko Widodo sprach von «Terrorakten». Er verurteilte den Anschlag und rief die Öffentlichkeit dazu auf, Ruhe zu bewahren. Nach Angaben der Polizei hatte die Terrormiliz IS vor den Bombenexplosionen in Jakarta eine rätselhafte Drohung ausgesprochen. Indonesien hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten mehrere Anschläge verhindert, die ebenfalls Bezug zum IS gehabt haben sollen.

    Die Polizei schloss zunächst nicht aus, dass Attentäter flüchteten und womöglich in einem Gebäude Geiseln hielten. Eine schwer bewaffnete Anti-Terror-Einheit riegelte die Umgebung und war mit Scharfschützen im Einsatz. Tausende Menschen in den umliegenden Bürohäusern durften die Büros zunächst nicht verlassen. Die Befürchtung der Geiselnahme bestätigte sich aber nicht.

    Bereits mehrere Attentate

    Rund 90 Prozent der 250 Millionen Einwohner Indonesiens sind Muslime. Bei Sprengstoffattentaten muslimischer Extremisten auf der Ferieninsel Bali im Jahr 2002 starben 202 Menschen, darunter zahlreiche Touristen.

    Auch in Jakarta wurden mehrere blutige Anschläge auf Botschaften und Hotels verübt. Aber die Polizei hat die Terrorzellen durch einen kompromisslosen Anti-Terror-Kampf weitgehend «neutralisiert». Allerdings sollen Schätzungen zufolge bis zu 700 Indonesier ausgereist sein, um sich dem IS anzuschliessen. Dutzende ausgebildete Kämpfer sollen mittlerweile wieder zurückgekehrt sein.

  • 12.40  

    Wie verschiedene internationale Medien berichten, hat die dem IS nahestehende Nachrichtenagentur Aamaak ein Bekennerschreiben veröffentlicht. Der Anschlag habe Ausländern und Sicherheitskräften, die diese beschützen sollten, gegolten.

    Laut dem Polizeichef von Jakarta wird der IS-Kämpfer Bahrun Naim, der sich in Syrien aufhalten soll, als Drahtzieher hinter dem Anschlag vermutet.

  • 11.50  

    Der Polizeichef von Jakart erklärt gemäss Reuters, dass definitiv der IS hinter dem Anschlag steckt. Die Attentäter seien alles Indonesier und keine Ausländer gewesen.

  • 10.20  

    Laut der indonesischen Polizei wird eine Gruppe hinter dem Anschlag vermutet, die mit der Terrormiliz Islamischer Staat in Verbindung steht. «Nachdem was wir heute sehen, ist die Gruppe dem Vorbild der Anschläge von Paris gefolgt», sagte Polizeisprecher Anton Charliyan. Die Angreifer standen laut der Polizei in Kontakt mit IS-Vertretern in Syrien. Sie stammten aus Solo in Java. Die Stadt sei als ein Hort radikaler Islamisten bekannt. Dort lebe auch der exreme Prediger Abu Bakr Bashir.

    Der IS ist laut dem australischen Oberstaatsanwalt George Brandis in Indonesien präsent. «Die Terrororganisation hat ihre Ambitionen in dem Land angekündigt», erklärt der Strafverfolger gemäss CNN. Bis zu 700 Indonesier sind in den letzten Jahren nach Syrien gereist, schreibt CNN weiter. Die Mehrheit von ihnen habe sich dem IS angeschlossen. Kämpfer aus dem bevölkerungsreichsten muslimischen Land seien auch in IS-Propagandavideos aufgetreten.

  • 10 Uhr  

    Es gibt weiterhin unterschiedliche Angaben zu den Opferzahlen. Polizeisprecher Muhammad Iqbal sagte zuletzt, mindestens sieben Menschen seien ums Leben gekommen. Darunter seien fünf Angreifer. Dieselben Zahlen nannte der Minister für Sicherheitsfragen, Luhut Pandjaitan. Demnach sind ausserdem fünf Polizisten, ein ausländischer Zivilist und vier Indonesier verletzt worden. Wenig vorher hatte die Polizei noch von sechs Toten gesprochen. Drei Polizisten und drei Zivilisten seien ums Leben gekommen. Dazu kämen vier getötete Angreifer. (AP/sda)

  • 9.36 Uhr  

    Die Polizei in Jakarta gibt Entwarnung. Der Terror sei beendet, es befänden sich keine weiteren Angreifer auf der Flucht. Gerüchte, dass sich Attentäter in Gebäuden verschanzten und womöglich Geiseln festhielten, bestätigten sich nicht. «Alles ist unter Kontrolle. Wir hoffen, die Bevölkerung bleibt ruhig und wachsam gegenüber möglichen Drohungen», sagte der Minister für Sicherheitsfragen, Luhut Pandjaitan, vor Journalisten.

    Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand. Hinter der Gewaltserie werden jedoch islamistische Extremisten vermutet. Heute Vormittag war zunächst eine Explosion vor dem beliebten Einkaufszentrum Sarinah und einer Polizeiwache gemeldet worden. Mehrere Angreifer eröffneten laut Augenzeugenangaben im Stadtkern das Feuer auf die Polizei, mindestens ein Polizist starb bei den mehr als zwei Stunden langen Schusswechseln. Einige Selbstmordattentäter sollen sich zudem in einem Starbucks-Café in die Luft gesprengt haben. (AFP/AP)

  • Stand 9.30 Uhr  

    Bei mehreren Anschlägen in der indonesischen Hauptstadt Jakarta sind neben vier Attentätern mindestens sechs Menschen getötet worden. Bewaffnete hätten ein Starbucks-Café im Zentrum der Millionenmetropole angegriffen, teilte die Polizei mit. Diese gehe von mindestens drei Selbstmordattentätern aus, berichtete der Fernsehsender Metro TV. Mehrere Explosionen und Schüsse waren in der Innenstadt zu hören. Ungewissheit bestand über die Täterschaft. Hinweise auf die IS-Terrormiliz, die dem Land mit der weltweit grössten muslimischen Bevölkerung gedroht hatte, gab es nach Angaben des Geheimdienstes nicht.

    Drei Polizisten und drei Zivilisten seien getötet worden, sagte ein Polizeisprecher. Ein niederländischer Uno-Mitarbeiter ist unter den Verletzten. Er sei schwer verletzt worden, hiess es von Seiten des Aussenministeriums in Den Haag. Medien berichteten, in Jakarta seien insgesamt sechs Sprengsätze gezündet worden, darunter einer vor einem Einkaufszentrum. Um das Gebäude, in dem sich das Starbucks-Café befindet, postierten sich Scharfschützen.

    Hunderte Sicherheitskräfte waren im Einsatz. Die Polizei lieferte sich Schusswechsel mit den Angreifern. Vier von ihnen seien getötet worden, sagte der Polizeisprecher. Die Polizei kämme das Gebäude, in dem sich das Café befinde, von unten nach oben durch.

    Vier Festnahmen

    In einem Kino, das ebenfalls in dem Haus untergebracht ist, hätten sich die Angreifer eine Schiesserei mit den Sicherheitskräften geliefert. Später teilte die Polizei mit, vier mutmassliche Angreifer seien festgenommen worden.

    Der indonesische Präsident Joko Widodo verkürzte eine Reise nach Java, um in die Hauptstadt zurückzukehren. Er rief seine Landsleute auf, nicht über die Täter zu spekulieren. «Wir dürfen keine Angst haben, wir dürfen uns von Terrorakten wie diesem nicht bezwingen lassen», sagte der Präsident im Fernsehen. Jakarta war zuletzt im Juli 2009 Schauplatz schwerer Anschläge. Damals waren Bomben in zwei Hotels hochgegangen. 2002 waren bei einem Attentat auf der indonesischen Ferieninsel Bali 202 Menschen ums Leben gekommen, die meisten von ihnen waren Touristen. (sda)

  • 8.50 Uhr  

    Schiesserei in Jakarta: Sicherheitsleute in Aktion

    (Video: Paul Bowen/Youtube)

  • 8.40 Uhr  

    Ein Uno-Mitarbeiter aus den Niederlanden wurde bei dem Terrorangriff laut einem holländischen Radiosender schwer verletzt.

  • 8.30 Uhr  

    Starbucks gibt bekannt, man schliesse alle Filialen in Jakarta. Eine Niederlassung der US-Kaffeehauskette war Ziel der Angriffe in der indonesischen Hauptstadt. «Dieses Geschäft wie auch alle anderen Starbucks in Jakarta bleiben als Vorsichtsmassnahme bis auf weiteres geschlossen», teilte das Unternehmen an seinem Sitz im amerikanischen Seattle mit. Demnach wurde ein Starbucks-Kunde bei dem Angriff verletzt.

  • 8.05 Uhr  

    Bei dem Terroranschlag in Jakarta sind nach Polizeiangaben sieben Personen getötet worden, darunter vier mutmassliche Angreifer, zwei davon Selbstmordattentäter. Die Polizei kämmte das Gebäude, das von Unbekannten mit Sprengsätzen und Schusswaffen attackiert worden sei, von unten nach oben durch, sagte ein Polizeisprecher.

    Ziel des Anschlags, der sich um 10.30 Uhr Ortszeit ereignet hatte, war ein Starbucks-Cafe. In einem Kino, das ebenfalls in dem Gebäude untergebracht ist, hätten sich die Angreifer eine Schiesserei mit den Sicherheitskräften geliefert.

    Nach Angaben des Geheimdienstes gab es keine Hinweise darauf, dass die IS-Terrormiliz hinter dem Angriff in Jakarta steckt. «Das ist definitiv Terrorismus», sagte der Geheimdienstchef Sutiyoso der Nachrichtenagentur Reuters. Aber auf eine Verwicklung der IS-Terrormiliz, die Indonesien gedroht hatte, deute derzeit nichts hin. Indonesiens Präsident Joko Widodo rief zur Ruhe auf. «Wir werden uns nicht von diesen Terroranschlägen in die Knie zwingen lassen», sagte er im Fernsehen. (sda)

  • Video  

    Schiesserei, dann Explosion vor einem Café in Jakarta


    (Video: Dr. Sandeep Kohli/Twitter)

  • 7.45 Uhr  

    Vier Terroristen getötet

    Bei dem Terrorangriff in Jakarta sind insgesamt mindestens sieben Menschen getötet worden. Dazu zählten vier Angreifer, sagte der Polizeisprecher Muhammad Iqbal. Ob weitere Täter auf der Flucht sind, war zunächst nicht bekannt. (AP)

  • 7.40 Uhr  

    Präsident spricht von Terror

    Indonesiens Präsident Joko Widodo hat die Explosionsserie in Jakarta als Terrorangriff bezeichnet. «Der Staat, die Nation und die Bevölkerung sollten keine Angst vor solchen Terroranschlägen haben», sagte Widodo am Donnerstag im nationalen Fernsehen. Die Situation sei unter Kontrolle. Er rief die Menschen in seinem Land auf, Ruhe zu bewahren. Zuvor hatte er die Sicherheitskräfte seines Landes zur Verfolgung der Täter aufgefordert. (AP)

  • Situation um 7 Uhr  

    Explosionen und Schüsse in Jakarta

    Bei mehreren Bombenexplosionen im Zentrum der indonesischen Hauptstadt Jakarta sind am Donnerstag mindestens drei Menschen getötet worden. Auch Schüsse waren vor einem Starbucks-Café gegenüber von einem Einkaufszentrum zu hören, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

    Die Polizei warnte die Bevölkerung, es könnte noch mehr Bomben geben. Mindestens sechs Explosionen waren in Jakarta zu hören, wie der AFP-Journalist berichtete. Eine Polizeistation sei beschädigt worden. Polizeisprecher Anton Charliyan sprach von Bombenexplosionen: «Das ist eine Bombe», sagte er.

    Explosion vor UNO-Büro

    Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP sah mindestens eine Leiche am Tatort, weitere Zeugen sprachen auf Twitter von drei gefundenen Toten. Ein regionaler UNO-Vertreter in Jakarta, Jeremy Douglas, berichtete ebenfalls auf Twitter von insgesamt sieben Detonationen, eine davon vor dem UNO-Büro in der Stadt.



    Im Anschluss waren Schüsse zu hören. Wer sie abgab, war zunächst unklar. Ein grosses Aufgebot der Polizei sperrte die Gegend ab, Journalisten wurden nicht zum Tatort durchgelassen.

    Augenzeugen berichteten, eine Explosion sei durch einen Selbstmordattentäter verursacht worden. Später sprachen Anwohner von zwei weiteren Detonationen, von denen sich eine offenbar in einer Filiale eines Starbucks-Cafés zugetragen habe. Eine offizielle Bestätigung gab es dazu zunächst aber nicht.

    Detonation vor Einkaufszentrum

    Eine grosse Detonation ereignete sich vor einem Einkaufszentrum und einer Polizeiwache. In der Gegend befinden sich auch viele Luxushotels, Bürogebäude und Botschaften, darunter jene Frankreichs.

    Zunächst war unklar, wer hinter dem Anschlag stecken könnte. Erst vor wenigen Wochen waren in Indonesien nach einer Drohung gegen den Flughafen von Jakarta die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden.

    Das Land, in dem zahlenmässig die meisten Muslime weltweit leben, war in den Jahren 2000 bis 2009 Ziel mehrerer schwerer Bombenanschläge. Allein bei einem Attentat auf der Urlaubsinsel Bali wurden im Jahr 2002 insgesamt 202 Menschen getötet. Seither gehen die Behörden hart gegen Extremisten vor. In den vergangenen Jahren hatten diese ihre Anschläge vor allem gegen innere «Feinde des Islam», vor allem die Polizei, gerichtet. Seit 2009 hatte es keine Anschläge mehr gegen Ausländer gegeben. (chk/AFP/AP)

Erstellt: 14.01.2016, 05:22 Uhr

Werbung