Der erste Schritt zu einer Union in Ostasien
Japan, China und Südkorea machen an diesem Samstag Geschichte. Erstmals treffen sich ihre Regierungschefs zu einem Dreiergipfel. Bei den Gesprächen im westjapanischen Fukuoka wollen die Premierminister von Japan, Taro Aso, und China, Wen Jiabao, und Südkoreas Präsident Lee Myung-bak die Zusammenarbeit vertiefen und institutionalisieren.
Mit dem Gipfeltreffen machen die drei den ersten Schritt zu jener Annäherung, die dereinst in eine ostasiatische Union münden könnte. Zwar sagt das japanische Aussenministerium explizit, die EU sei für Ostasien kein Modell, die Region dazu zu heterogen. Aber das sagt man in Tokio auch, um die Skeptiker nicht zu verschrecken. Nicht zuletzt jene in Washington: So heisst es in Tokio, die USA, Japans enger Bündnispartner, würden von dieser Annäherung ebenfalls profitieren.
Der Weg zum Ausgleich ist weit. Bisher können sich die drei nordostasiatischen Staaten nicht einmal auf ihre Territorien einigen. Sowohl mit Südkorea wie auch mit China (und Taiwan und Russland) streitet Japan über karge Inseln im Meer. Noch Anfang dieser Woche drangen chinesische Schiffe in von Japan beanspruchte Gewässer, Tokio protestierte in Peking. Dass der Vorfall die Vorbereitung zum Gipfel nicht beeinträchtigte, zeigt die Entschlossenheit, mit der Tokio, Seoul und Peking den Ausgleich suchen. Nicht zuletzt wegen der Wirtschaftskrise, die nun auch Nordostasien erreicht hat.
Sicherheitsnetz für Ostasiatische Währungen
Sie wird das zentrale Thema sein. Dabei gehe es der Region besser als andern Weltteilen, wie man im japanischen Aussenministerium betont. Anders als bei der Asienkrise 1997 sei Ostasien diesmal auf den Abschwung vorbereitet gewesen: Mit der sogenannten Chiang-Mai-Initiative, die im Westen verkannt oder ignoriert wird, hat die Region sich ein Sicherheitsnetz für seine Währungen geknüpft.
Vorgeschlagen von der japanischen Zentralbank, regte die im Mai 2000 gestartete Initiative ein Netz bilateraler Swap-Abkommen der Staaten Ostasiens an, mit denen sie sich gegenseitig Not-Kredite gewähren. Damit können sie ihre Währungen und also die Wirtschaften in einer Krise stützen. Beim Gipfel sollen die Obergrenzen dieser Kreditlinien massiv angehoben werden.
Die japanische Zentralbank erdachte die Chiang-Mai-Initiative, nachdem die USA ihren Vorschlag, Ostasiens regionale Währungen mit einem asiatischen Währungsfonds gegen den westlichen Radikalkapitalismus abzuschirmen, torpediert hatten. Tokio hatte damit freilich von Anfang an im Sinn, die Idee eines asiatischen Währungsfonds durch die Hintertür einzubringen. Die drei Regierungschefs nehmen diesen Faden wieder auf.
Vereinbart wurde dieser Dreiergipfel eigentlich schon 1999, als sich Japans Premier Keizo Obuchi, Chinas Premier Zhu Rong-ji und Südkoreas Präsident Kim Dae-jung am Rande des Asean-Gipfels trafen. Aber Junichiro Koizumi, Japans Premier ab April 2001, liess die Pläne platzen. Er hatte kein Interesse am Ausgleich mit den Nachbarn. Erst seine Nachfolger Shinzo Abe und besonders Yasuo Fukuda haben die politische Annäherung wieder aufgegriffen. Taro Aso, Japans Premier seit September, gab sich früher zwar als Hardliner, aber auch als Pragmatiker. Innenpolitisch stark unter Druck, bietet sich ihm vielleicht die einzige Chance, Geschichte zu machen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 12.12.2008, 22:19 Uhr
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