Ausland

Der neoliberale Macher und der amerikanische Visionär

Von Christoph Neidhart, Guangzhou. Aktualisiert am 19.11.2009

In Seoul treffen mit Lee Myung-bak und Barack Obama zwei unterschiedliche Temperamente aufeinander.

Zwei Welten: Die Freundschaft der beiden Länder wird mit viel Symbolik zelebriert.

Zwei Welten: Die Freundschaft der beiden Länder wird mit viel Symbolik zelebriert.
Bild: Keystone

US-Präsident Barack Obama landete am Mittwochabend in Seoul. Es ist die letzte Station seiner Ostasienreise. In Südkorea empfängt ihn mit Lee Myung-bak ein Staatschef, der sich George W. Bush zurückwünschen dürfte. Wie schon zuvor in Tokio und in Peking wird auch in Seoul mit aufwendiger Symbolik Freundschaft zelebriert. Dagegen werden die eigentlichen Probleme vertagt.

Südkorea war nach dem Koreakrieg (1950-1953) ein korrupter Vasall der USA und eine üble Rechtsdiktatur. Noch 1960 finanzierte Washington drei Viertel seines Staatsbudgets; Experten glaubten damals, das Agrarland ohne Rohstoffe habe keine Chance, sich zu industrialisieren und zu modernisieren. Dass Seoul es trotzdem geschafft hat und über Jahre die am schnellsten wachsende Wirtschaft der Welt war, verdankte das Land nicht nur dem koreanischen Fleiss, sondern auch einem Leninismus von rechts, der die Gesellschaft auf Wachstumskurs drillte. Und dem freien Zugang zum US-Markt.

Der Aufstand der Studenten

Vor den Olympischen Spielen 1988 in Seoul erzwangen die Studenten die Demokratie. 1997 wählten die Südkoreaner mit Kim Dae-jung einen ehemaligen Dissidenten zum Präsidenten. Seither ist das Verhältnis vor allem jüngerer Südkoreaner zur Schutzmacht Amerika getrübt. Und sehr komplex, weil Washington auch Schutzherr der Diktatoren war. Kim Dae-jung und sein Nachfolger Roh Moo-hyun sahen sich als Visionäre, sie bemühten sich um jene Emanzipation von den USA, die Japan heute versucht. Und sie suchten den Ausgleich mit dem kommunistischen Nordkorea. Allerdings zählten sie dabei auf den Schutz durch US-Truppen vor dem unberechenbaren Nachbarn, mit dem noch immer kein Friedensvertrag besteht.

Lee Myung-bak ist der Vertreter einer Partei, die aus der Elite der Militärdiktatur hervorging. Er trat mit dem Versprechen an, die «Exzesse» der liberalen Jahre rückgängig zu machen. Der Ex- Bauunternehmer klopft gern neoliberale Sprüche und schert sich mitunter nicht gross um demokratische Spielregeln. In Seoul nennen sie ihn auch den Bulldozer. Visionen sind ihm fremd.

Nun besucht ihn mit Obama ein Präsident, der sich als Visionär versteht, im Blauen Haus, dem Präsidentensitz in Seoul, aus dem Lee, wie er glaubt, die Visionäre verdrängt hat. Weil sie nur träumten. Die wichtigsten Themen der beiden Politiker sind Nordkorea und das Freihandelsabkommen, welches Südkorea und die USA 2007 unterzeichneten, das der US-Kongress aber noch immer nicht ratifiziert hat.

Seoul hilft in Afghanistan

Gleichsam als Willkommensgeschenk an den US-Präsidenten kündigte Seoul an, es werde sein Afghanistan-Engagement verstärken und erneut Truppen schicken. Wie Obama sich dafür revanchieren kann, ist unklar. Die beiden Staatschefs werden Nordkorea wohl auffordern, an die 6-Nationen-Gespräche zur Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel zurückzukehren. Obama dürfte den Plan Südkoreas unterstützen, wonach Seoul dem Norden massive Unterstützung für die Sanierung seiner Wirtschaft verspricht, falls dieser seine Atomwaffen vollständig, nachhaltig und überprüfbar liquidiert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.11.2009, 09:50 Uhr

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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

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