Ausland
Deutsche Panzer ziehen in den Krieg
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 23.07.2009
Bereit zum Einsatz: Ein deutscher Soldat in Mazar-i-Sharif. (Bild: Reuters)
Kein deutscher Offizieller nimmt bisher das Wort Krieg in den Mund. Eine «Detailoperation» führe die Bundeswehr durch, eine «Kampfsituation», sagte der deutsche Verteidigungsminister Franz-Josef Jung am Mittwoch in Berlin. Sein General Wolfgang Schneiderhan spricht von einer «Eskalation», nötig geworden durch die zunehmende Guerilla-Taktik der Taliban in der Region Kundus.
Doch was die Bundeswehr im staubigen Norden Afghanistans tut, das hat eine neue Dimension: 300 deutsche Soldaten ziehen an der Seite der afghanischen Armee in den Krieg, unterstützt von Schützenpanzern und Kampfjets. Es ist die bislang grösste deutsche Offensive am Hindukusch.
Die deutschen Panzer verfügen über eine «starke Feuerkraft», wie «Spiegel online» schreibt. Dreimal schossen sie in den letzten drei Tagen Mörsergranaten auf die Rückzugsorte der Taliban. Am Sonntag griff die Bundeswehr gemäss Berichten aus dem deutschen Verteidigungsministerium aus der Luft an: Fünf Taliban wurden durch Raketen oder Schüsse aus den Bordkanonen der Kampfjets getötet.
Dorf für Dorf
Die Operation bei Kundus hat am Sonntag begonnen, und sie findet, wie Jung und seine Befehlshaber nicht müde werden zu wiederholen, unter afghanischer Führung statt. 900 einheimische Soldaten und Polizisten sind laut «Süddeutscher Zeitung» und «Zeit» an der Offensive beteiligt; «Spiegel online» spricht von 1200 Mann.
Das Ziel der binationalen Grossoffensive: Die Region soll vor den Präsidentschaftswahlen von den Taliban «gereinigt» werden, wie der afghanische Oberbefehlshaber Murad Ali Murad gegenüber «Spiegel online» sagte. Man gehe von Dorf zu Dorf um nach Aufständischen zu suchen, und man höre erst auf, wenn sie verschwunden seien.
Asymmetrischer Krieg
Der deutsche General Schneiderhan drückt sich nüchterner aus: «Es war an der Zeit, diese Eskalation vorzunehmen und Abschreckungseffekte bei den Taliban zu erzielen», sagte er an Jungs Pressekonferenz. «Es muss jetzt klargemacht werden, dass wir willens und in der Lage sind, (...) die Wahllokale in der Provinz zu sichern.»
Der Feldzug sei nötig geworden, so machten die Armee-Oberen in Berlin klar, weil die Aufständischen ihre Kampftechnik weiterentwickelt hätten. Sie setzen statt Sprengstoffanschlägen vermehrt richtige Gefechte ein – also das, was in der Fachliteratur als asymmetrischer Krieg bezeichnet wird. In den Worten Schneiderhans: «Wir wissen nicht genau, wer der Gegner ist, wir wissen nicht, wo er sich aufhält, und wir wissen nicht, was er vorhat.»
Ein schmaler Grat
Die deutsche Bundeswehr, zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs unter grosser Skepsis gegründet, bewegt sich mit dem Kundus-Einsatz auf einem schmalen Grat. Erst ein Mal zuvor in der modernen deutschen Geschichte kam sie einem Verstoss gegen das verfassungsrechtliche Verbot von Angriffskriegen so nah wie jetzt: Als sie ihre Luftwaffe im Frühling 1999 gegen Serbien in den Kampf schickte. Die Politik klassifizierte den Nato-Einsatz als humanitäre Intervention und somit als verfassungsrechtlich zulässig; die Einschätzung ist bis heute umstritten.
Entsprechend heftig sind die Reaktionen in Deutschland auf die Grossoperation in Afghanistan. Selbst wenn Minister Jung abwiegelt, «eine der wichtigsten Aufgaben der Bundeswehr» in Afghanistan bleibe die Ausbildung der lokalen Sicherheitskräfte, selbst wenn General Schneiderhan beschwichtigt, die eingesetzte Ausrüstung sei «schon länger verfügbar», selbst wenn immer wieder gesagt wird, man wolle die Sicherheit im Land baldmöglichst den Einheimischen überlassen – so bleibt doch Unruhe zurück im Land.
«Mit Mardern und Mörsern»
«Mit Mardern und Mörsern», titelt denn auch die «Süddeutsche», und weist damit auf das flaue Gefühl hin, das im Ausland eingesetzte deutsche Panzer und Granaten in der Heimat hinterlassen. Auch die «Zeit» spielt mit dem Grauen, das militärich-technische Begriffe bei vielen Deutschen auslösen: «Sichern, schiessen, abschrecken», titelt sie.
Ob die Bürger den Einsatz gutheissen, zeigt sich spätestens am 27. September. Einen guten Monat nach den afghanischen Wahlen vom 20. August. Dann nämlich wählt Deutschland seinen Bundestag und seine Regierung – und die Deutschen werden sich daran erinnern, dass sowohl die jetzige Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch Franz-Josef Jung der CDU angehören. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 23.07.2009, 19:52 Uhr
Ausland
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!




