Ausland

Die grösste Propagandashow der Geschichte

Von Henrik Bork, Peking. Aktualisiert am 01.10.2009

China feiert seinen Geburtstag mit einer massiven Militärparade. Die Bevölkerung ist von den Feierlichkeiten zum grössten Teil ausgeschlossen.

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30'000 Zuschauer und viele Panzer: Der Parade zusehen darf nur ein ausgewähltes Publikum.
Bild: Keystone

   

Das Zentrum Pekings ist am Mittwoch vorübergehend geschlossen worden. Einsatzkräfte mit aufgepflanzten Bajonetten und ein Flugverbot für Brieftauben gehörten zu den Massnahmen, mit denen Chinas Führung eine für Donnerstag geplante Militärparade sichern wollte. Die chinesische Hauptstadt glich einer Stadt im Belagerungszustand. Sicherheitskräfte mit automatischen Gewehren im Anschlag bewachten nahezu jede Strassenkreuzung. Einige von ihnen trugen schwarze Gesichtsmasken. Der Hausarrest für Dissidenten wurde verschärft und eine Schliessung des Pekinger Flughafens für mehrere Stunden und insgesamt 180 Flüge am Donnerstagmorgen angekündigt.

Ab zehn Uhr am Donnerstag sollen 5000 handverlesene Soldaten der Volksbefreiungsarmee an Staats- und Parteichef Hu Jintao vorbeimarschieren. Zum sechzigsten Gründungstag der Volksrepublik China, an dem Mao Zedong vom Tor des Himmlischen Friedens das «neue China» ausrief, gönnt sich das Regime eine der grössten Propaganda-Shows seiner Geschichte. Ein Teil der Feierlichkeiten wird erneut von dem regierungsnahen Regisseur Zhang Yimou inszeniert, der schon die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele im vergangenen Jahr in ein Massenspektakel nach nordkoreanischem Muster verwandelt hatte.

Smog als Spielverderber

Weil 100 000 Menschen zum Teil seit Monaten das Exerzieren und Jubeln üben mussten, sind trotz grosser Geheimniskrämerei bereits einige Details im Voraus bekannt geworden. Panzer waren bereits übungsweise durch die Strassen von Peking gerollt. Mehrere Militärjets sind gesichtet worden, die für eine Airshow über dem Platz des Himmlischen Friedens übten. Während der 66-minütigen Militärparade, der ersten seit zehn Jahren, sollen insgesamt 150 Flugzeuge zu sehen sein, sofern der am Mittwoch dick über Peking hängende Smog nicht ein sicheres Überfliegen der Staats- und Parteiführung sabotieren sollte. Parteichef Hu Jintao will eine Rede halten.

108 modernste Raketen sollen das gewachsene Selbstvertrauen der chinesischen Volksbefreiungsarmee demonstrieren, darunter die theoretisch zu einem Nuklearschlag auf Washington fähige «Ostwind 31» und die «Ostwind 21», mit der amerikanische Kriegsschiffe vor Taiwan ausser Gefecht gesetzt werden könnten. Die Vorführung ist jedoch nicht bloss als Signal an das Ausland gedacht, sondern soll auch die patriotischen Gefühle der chinesischen Bevölkerung verstärken, auch darin ähnlich dem chinesischen Ansatz bei den Olympischen Spielen. Zumindest bei einigen Bürgern kam das im Vorfeld gut an. «Unsere Militärparaden sollten in Zukunft noch grösser sein», sagte der 65-jährige Cui Jin. Ohne eine «schlagkräftige Volksbefreiungsarmee» könne China seinen Frieden nicht verteidigen, meinte er.

Andere Pekinger, vor allem jüngere, kommentierten das Ereignis allerdings eher zynisch. «Warum können wir so was nicht nach Nordkorea outsourcen? Das wäre doch ökonomischer», schrieb ein Blogger im Internet. Ausser den sorgfältig ausgewählten und seit Monaten gedrillten Paradeteilnehmern und 30 000 ebenfalls handverlesenen Zuschauern ist die Bevölkerung von dem Ereignis ohnehin ausgeschlossen worden. Die Bürger sind angehalten, daheim zu bleiben und die Parade am Fernseher zu verfolgen. Wer entlang der Avenue des Himmlischen Friedens wohnt, darf nicht auf den Balkon. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.10.2009, 11:09 Uhr

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