Ausland
In Pakistan protestieren Muslime gegen die Schweiz
Die Schweizer Flagge brennt: Pakistanische Muslime demonstrieren in Islamabad.
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«Nieder mit der Schweiz!», riefen am Freitag ein paar Dutzend Demonstranten auf dem Raja Bazar in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad – gefolgt von den Schlachtrufen «Nieder mit den USA!» und «Lang lebe der Islam!».
Zusammen mit ähnlichen Protesten in Peshawar und Rawalpindi mobilisierten die Organisatoren der Gruppe Jamiat Ahl-e Sunnat Wal Jamaat gerade mal ein paar Hundert Gefolgsleute. Sie trugen Plakate mit der Aufschrift «Inakzeptables Verbot von Moscheeminaretten in der Schweiz» und verlangten, dass Pakistaner ihr Geld von Schweizer Banken abziehen sollen. Wie es bei solchen Demonstrationen am Indus zum Ritual gehört, wurde in Islamabad ausserdem eine Schweizer Fahne verbrannt.
Furcht vor den Taliban
Es hat lange gedauert, bis Jamiat Ahl-e Sunnat Wal Jamaat sich zu dem Protest aufraffte. Zur landesweit tätigen Organisation gehören überwiegend sunnitische Muslime der gemässigten Barelvi-Strömung, die sich auf Sufi-Traditionen stützen. Jamiat Ahl-e Sunnat Wal Jamaat trat in der Vergangenheit öffentlich gegen die Taliban auf – und verlor mehrere Führer bei Anschlägen der Extremisten. Die Gruppe hatte zuvor ein Seminar zu dem Thema veranstaltet.
Die geringe Zahl von Demonstranten, die überwiegend aus religiösen Seminaren der Organisation stammte, beruht zum Teil auf der Furcht vor weiteren Anschlägen. In Pakistan kommt es immer wieder zu Attacken bei öffentlichen Veranstaltungen. Angesichts der gespannten Lage – im vergangenen Jahr fielen Terrorattacken in Pakistan rund 3000 Menschen zum Opfer – haben die Führer der Organisation nun beschlossen, die Minarettaffäre für ihre Zwecke zu nutzen – frei nach dem Motto: Wir besetzen das Thema, damit die Taliban es nicht nutzen können.
Neue Demos angekündigt
Aber nicht nur gemässigte muslimische Gruppierungen Pakistans protestieren gegen das Minarettverbot der Schweiz. Bereits ein paar Tage vor der Flaggenverbrennung waren Mitglieder der Progressiven Christlichen Bewegung (CPM) vor dem Nationalen Presseklub von Islamabad aufgezogen.
Ihre Vorsitzende Naila Dayal bezeichnete die Abstimmung als «krasse Verletzung von Menschenrechten» und verlangte den konsequenten Schutz von Minderheiten. Christen stellen in der nahezu hundertprozentigen islamischen Nation eine winzige Gruppe dar, sie werden regelmässig diskriminiert und sind oft das Ziel brutaler Attacken. An dem Protestzug nahm auch Abu Bakr Sidique teil, der pakistanische Chef des Weltrats islamischer Zivilisation und Kultur.
Keine Titelschlacht der Medien
Der Presse des Landes waren die kleinen Proteste lediglich ein paar Zeilen wert. Doch das schreckt die gemässigte Jamiat Ahl-e Sunnat Wal Jamaat bislang nicht ab. Sie will die Demonstrationen auch in der kommenden Woche fortsetzen. Für Freitag ist eine weitere Demonstration neben Islamabads Roter Moschee geplant. Das Gelände der talibanfreundlichen Moschee war 2007 nach schweren Kämpfen vom Militär des Landes gestürmt worden. Inzwischen wurde die Moschee wieder aufgebaut.
Noch immer gilt die Moschee als Hort radikaler Tendenzen. Und Jamiat Ahl-e Sunnat Wal Jamaat hofft mit ihrer Demonstration vor der Lal Masjid offenbar, ein paar der fundamentalistischen Besucher dieses Gotteshauses anzuziehen. Dort will dann auch die Organisation Tehreek-e-Tahafuz-e-Khatam-e-Nabuwat teilnehmen. Diese hat sich bislang auf Proteste gegen die islamkritischen dänischen Karikaturen spezialisiert.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 19.01.2010, 04:00 Uhr










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