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Iran: Demonstranten systematisch vergewaltigt?

Aktualisiert am 10.08.2009

Laut Aussagen eines hohen iranischen Oppositionsführers werden in den iranischen Gefängnissen viele Demonstranten mit Vergewaltigungen mürbe gemacht.

Fordert eine Untersuchung der Missbrauchsvorwürfe: Reformkandidat Mehdi Karroubi.

Fordert eine Untersuchung der Missbrauchsvorwürfe: Reformkandidat Mehdi Karroubi. (Bild: Keystone)

Vielen sei dabei grosser körperlicher und seelischer Schaden zugefügt worden, erklärte der bei der umstrittenen Präsidentenwahl unterlegene Reformkandidat Mehdi Karroubi auf seiner Website. Dies sei ihm von früheren Kommandeuren der Streitkräfte und ranghohen Beamten zugetragen worden.

Die Missbrauchsvorwürfe müssten umgehend untersucht werden, forderte Karroubi. Sollten sie sich bewahrheiten, wären sie eine für das herrschende islamische System», schrieb Karroubi nach eigenen Angaben in einem auf Sonntag datierten Brief an den einflussreichen Ex-Präsidenten Ali Akbar Haschemi Rafsanjani. Jener solle die Vorwürfe auch dem geistlichen Staatsoberhaupt Ayatollah Ali Khamenei vortragen. Rafsanjani leitet unter anderem den Expertenrat, dessen 86 Mitglieder formal für die Überwachung der Arbeit Khameneis zuständig sind.

Schwere Körperverletzung

«Gefangene haben erklärt, dass einige weibliche Häftlinge so schwer vergewaltigt wurden, dass ihre Genitalien verletzt wurden. Andere haben grausam junge Männer vergewaltigt, so dass jene ernsthafte Verletzungen, Depressionen und psychische Schäden erlitten», schrieb Karroubi. Der Reformer unterlag bei der Präsidentschaftswahl vom 12. Juni laut offiziellem Ergebnis Amtsinhaber Mahmoud Ahmadinejad - genauso wie Oppositionsführer Mir Hossein Moussavi, der auf den zweiten Platz gekommen war.

Karroubi richtete seinen Brief an Rafsanjani und nicht an Ahmadinejad, da er dessen Legitimität nicht anerkennt. Die Opposition wirft den Behörden Wahlbetrug vor. Nach der Wahl hatten im ganzen Land Hunderttausende protestiert.

Gefängnisleiter und drei Wachleute festgenommen

Damit halten die Vorwürfe schweren Missbrauchs von Häftlingen, die bei den Protesten nach der Wahl festgenommen worden waren, weiter an. Der iranische Polizeichef General Ismail Ahmadi Moghaddam hatte am Sonntag erstmals die Misshandlung von inhaftierten Demonstranten eingeräumt. Er bestritt aber, dass Gefangene zu Tode gefoltert worden seien. Todesfälle unter den Häftlingen seien auf eine Viruserkrankung zurückzuführen, sagte er.

Im Gefängnis Kahrisak sollen nach Angaben der Opposition zahlreiche inhaftierte Demonstranten gefoltert worden sein. Ein Entlassener berichtete kürzlich von sechs Mitgefangenen, die dabei ums Leben gekommen seien. Kahrisak wurde Ende Juli auf Khameneis Anordnung hin geschlossen, der Gefängnisleiter und drei Wachleute wurden festgenommen. (mbr/ap)

Erstellt: 10.08.2009, 16:33 Uhr

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