Japan kehrt zur Atomenergie zurück

Im Mai hatte das Land sein letztes AKW für Wartungsarbeiten vom Netz genommen. Nun will die Regierung zwei Reaktoren des Werks Oi wieder hochfahren. Doch die Sicherheit des Werks ist ein grosser Streitpunkt.

Laut der Regierung bildet das AKW den Rückgrat der Industrieregion Kansai: Das Kraftwerk Oi.

Laut der Regierung bildet das AKW den Rückgrat der Industrieregion Kansai: Das Kraftwerk Oi. Bild: Keystone

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Erstmals seit der Atomkatastrophe in Fukushima vor über einem Jahr sollen in Japan wieder Atomkraftwerke hochgefahren werden. Das gab Regierungschef Yoshihiko Noda vor den Medien bekannt. Dies sei erforderlich, um die Wirtschaft und die Existenzgrundlage der Bevölkerung zu schützen, sagte er in Tokio. «Es ist mein Urteil, dass die Reaktoren 3 und 4 des Atomkraftwerks Oi zum Wohle der Menschen wieder ans Netz gehen sollten», sagte der Ministerpräsident.

Das AKW Oi versorgt die Industrieregion Kansai mit der Grossstadt Osaka mit Strom. Die Reaktoren waren wegen Wartungsarbeiten heruntergefahren worden. Die Regierung werde geeignete Massnahmen ergreifen, um die Sicherheit der beiden Reaktoren zu gewährleisten, versicherte Noda. Sie sei in der Lage, eine Katastrophe wie in Fukushima zu verhindern.

Seit Anfang Mai sind alle 50 einsatzfähigen Reaktoren in Japan abgeschaltet. Stattdessen erzeugt Japan seinen Strom mit Thermalkraftwerken. Die Gemeinden um AKWs und Provinzregierungen lehnten ein Wiederanfahren der Reaktoren bisher ab.

Proteste der AKW-Gegner

Atomkraftgegner protestierten vor dem Regierungssitz in Tokio gegen den Entscheid Nodas. «Dies zeigt, wie tief die Regierung in der Tasche der Atomindustrie steckt», sagte Junichi Sato, Chef von Greenpeace Japan. Es gehe um die Gesundheit und Sicherheit von Millionen Menschen.

Nicht die Politiker, sondern Experten sollten über die Sicherheit entscheiden, forderte Sato. Experten hielten die Oi-Reaktoren für nicht sicher, da nötige technische Verbesserungen nicht vorgenommen worden seien.

Noda befürchtet Stillstand

Noda umwarb die Bevölkerung für den Neustart der Reaktoren. Wenn die Atomkraftwerke, die bis zur Katastrophe in Fukushima mit rund 30 Prozent zur Stromversorgung Japans beitrugen, abgeschaltet blieben, dann «wird die japanische Gesellschaft einem Stillstand ausgesetzt sein». Im Sommer werde im Westen des Landes eine Unterdeckung des Energiebedarfs von 15 Prozent erwartet.

Ohne Atomenergie müssten zudem mehr fossile Brennstoffe gekauft werden. Das dürfte die Strompreise in die Höhe treiben, sagte der Regierungschef.

Grünes Licht kommende Woche

Osakas Bürgermeister Toru Hashimoto, der bisher heftigen Widerstand geleistet hatte, erklärte sich zu einem Kompromiss bereit. Er forderte, die Reaktoren in Oi sollten nur im Sommer, wenn die Klimaanlagen auf Hochtouren laufen, Strom produzieren und dann wieder vom Netz genommen werden. Noda hält ein vorübergehendes Wiederanfahren für nicht ausreichend.

Das letzte Wort hat der Gouverneur der Provinz Fukui, Issei Nishikawa. Er dürfte nächste Woche ein Anfahren der Reaktoren absegnen.

Das Kraftwerk Fukushima war bei einem Erdbeben der Stärke 9,0 und einem Tsunami am 11. März 2011 schwer beschädigt worden. Da in den folgenden Wochen grosse Mengen Radioaktivität freigesetzt wurden, mussten 80'000 Menschen die Gegend um das AKW verlassen. Bei der Naturkatastrophe kamen über 20'000 Menschen ums Leben. (kpn/sda)

Erstellt: 08.06.2012, 16:56 Uhr

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