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Jetzt entsenden die USA ihr «Mutterschiff»
Von Martin Sturzenegger. Aktualisiert am 13.07.2012 38 Kommentare
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Heute wurde bekannt, dass die USA ihre Präsenz am Persischen Golf weiter verstärken. Mit der USS Ponce ankert neu ein Transportschiff vor der Küste Bahrains, wie offizielle US-Armee-Quellen gegenüber der «Los Angeles Times» bestätigen.
Gemäss US-Medienberichten ist das Schiff bereits vergangene Woche im Krisengebiet eingetroffen. Die Hauptaufgabe der Ponce soll sein, die Strasse von Hormuz von den zahlreichen Minen zu reiningen, die zurzeit am Meeresboden liegen. Dafür bietet das Boot mit Baujahr 1966 reichlich Platz für Minensuchboote, Helikopter und Kampftaucher, wie die «New York Times» berichtet.
Viel Platz und Sprit
Die Ponce als Basisstation für eine Aufräumaktion: So lautet zumindest die offizielle Begründung. Wie nun verschiedene Blätter mutmassen, verfolgen die USA mit dem Kriegsschiff noch weitreichendere Ziele, als das Reinigen der wichtigsten Handelseroute zwischen Ost und West. Wenn der Dauerkonflikt zwischen den USA mit dem Iran eskalieren würde, könnte die Ponce innert kürzester Zeit vom Transport- in ein veritables Kriegsschiff umfunktioniert werden. Im Januar wurde bereits einmal von offizieller Seite her angekündigt, dass das Boot in eine «Operationsplattform» umgerüstet würde. Eine Meldung, die später von John C. Harvey, dem aktuellen Befehlshaber der United States Fleet Forces Command, dementiert wurde. Doch die Präsenz am Persischen Golf nährt den Verdacht, dass der Wandel vom veralteten Transportschiff zur schwimmenden Basisstation mit multifunktionalem Charakter bereits vollzogen wurde.
Zurzeit sei das Schiff zwar noch unbemannt, doch biete es genügend Platz, um darauf die verschiedensten Spezial- und Eingreiftruppen zu beherbergen. Dazu müssten lediglich ein paar mobile Wohneinheiten aufgestellt werden, schreibt die «NY Times». Daneben bietet das Schiff immer noch Raum für Kampfhelikopter, die für einen Einsatz an Land benötigt würden. Die Ponce wäre in einem solchen Fall nichts anderes, als eine mobile Kriegsplattform, die den USA höchste Flexibilität garantieren würden: «Ein Mutterschiff», schreibt die «Washington Post», das mit seinen immensen Tankreserven auch andere Schiffe mit Diesel versorgen könnte.
«Das Auffahren einer Armada»
Auch Strategieexperte Albert A. Stahel ist vom Zweck der Ponce als mobile Kriegsplattform überzeugt: «Ich vermute, dass das Schiff bereits Spezialeinheiten beherbergt». Diese Mobilmachung setze die Truppenverstärkung der letzten Monate fort, sagt Stahel gegenüber baz.ch/Newsnet und verweist auf die Angriffslandungsschiffe und Flugzeugträger, die in letzter Zeit in die Region verlegt wurden. «Was wir hier erleben, ist das Auffahren einer Armada». Mit dieser Verstärkung verfolgen die USA ihre geopolitischen Interesse im persischen Raum, so Stahel.
Die Ponce ist das älteste Schiff der US-Marine. Schon länger wurde dem Schiff keine Funktion mehr zugesprochen. In diesem Jahr sollte es gar abgewrackt werden. Nun haben die US-Streikräfte offensichtlich das Potenzial des Schiffes erkannt und verfolgen das Konzept einer schwimmenden Multifunktionsplattform. Eine Idee, die nicht neu ist: So wurde gemäss «Spiegel online» bereits im Afghanistan Krieg ein Flugzeugträger der US-Marine leergeräumt, um den Spezialeinheiten eine schwimmende Zentrale zur Verfügung zu stellen.
Mit der Entsendung der Ponce an den Persischen Golf setzen die USA ein deutliches Zeichen: «Der Drohfinger gegen den Iran wird ausgefahren», sagt Stahel. Oder wie es ein Vertreter des US-Verteidigungsdepartements gegenüber der «NY Times» etwas direkter ausdrückt: «Der Iran soll nicht einmal daran denken, unsere Handelboote anzugreifen. Falls dies passiert, werden ihre Boote schnell auf dem Boden des Persischen Golfes versenkt.»
USA rüsten auf, Iran antwortet mit Militärmanöver
Die aktuellen Ereignisse knüpfen nahtlos an die Entwicklung an, die letztmals anfangs Juli vorangetrieben wurde. Damals wurde bekannt, dass die USA ihre Truppenpräsenz in der Region deutlich erhöht haben. Als unmittelbare Reaktion feuerte der Iran bei einem Militärmanöver dutzende Raketen ab, die bis nach Israel reichen könnten.
Die US-Marine verlegte Minenräumboote und zusätzliche Kampfflugzeuge in den Persischen Golf. Damit solle die Entschlossenheit der USA bekräftigt werden, Israel vor einem Angriff zu schützen und die für Öltransporte genutzte Meerenge von Hormuz freizuhalten.
Politiker wollen das Nadelöhr schliessen
Der Iran hatte vor wenigen Monaten mit einer kompletten Blockade der Strasse von Hormus gedroht, sollte der Westen weitere Sanktionen im Atomstreit verhängen. Zum 1. Juli trat ein Ölembargo der Europäischen Union gegen den Iran in Kraft. Als Reaktion wollen Parlamentarier in Teheran nun iranischen Medienberichten zufolge ein Gesetz auf den Weg bringen, das Öltransporte in Richtung Europa durch die Strasse von Hormus verbietet.
Die Meerenge ist mit einer Breite von gerade einmal 50 Kilometern an der schmalsten Stelle das Nadelöhr des Ölhandels. Durch den strategisch wichtigen Wasserweg zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman laufen rund 35 Prozent des per Schiff abgewickelten Ölhandels weltweit. Zahlreiche Golfstaaten sind vom Ölexport über diese Seestrasse abhängig. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.07.2012, 19:42 Uhr
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