Ausland

Jetzt überschwemmt China die Welt mit News

Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 06.07.2010

Spielzeug, Kleider und seit neustem auch Nachrichten: Das Reich der Mitte erobert die Welt nun auch medial. Peter Achten hat den englischsprachigen 24-Stunden-Newssender aus Peking schon gesehen. Und ist beeindruckt.

Ein neuer Fernsehkanal geht auf Sendung: Chinesische Journalisten filmen die ersten Minuten von CNC World.

Ein neuer Fernsehkanal geht auf Sendung: Chinesische Journalisten filmen die ersten Minuten von CNC World.
Bild: Keystone

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Zur Person

Peter Achten, geboren 1939 in Basel, lebt und arbeitet in Peking. Er ist seit 1967 journalistisch tätig. Er arbeitete für das Schweizer Fernsehen war als Korrespondent für Schweizer Radio DRS unterwegs. Von 1997 bis 1999 war er Chief Representative für Ringier in Vietnam. Spektakulär waren seine Radio-Reportagen über den blutig niedergeschlagenen Volksaufstand im Frühjahr 1989 auf dem Tiananmen-Platz in Peking und den Tsunami in Banda Acah 2004.

BBC World sendet seit 1991 Berichte aus aller Welt. Und das durch die britische Brille. CNN bringt seit 30 Jahren die amerikanische Sicht der Welt in die Stuben von Alaska bis Australien. Seit 2006 kennen wir auch die arabische Welt besser. Damals, im November vor vier Jahren, hatte al-Jazeera eine englische Version lanciert. Die Franzosen machen das mit France 24, allerdings in einer leicht angepassten Version. Weil Französisch nicht die Sprache ist, die alle verstehen, gibt es Versionen in Englisch und Arabisch.

Zu diesen englischsprachigen Newssendern – es sind nicht die einzigen, aber die wichtigsten – gesellt sich nun auch ein chinesischer Sender. Mit CNC World hat das Reich der Mitte den Kampf um Anteile im internationalen Nachrichtenmarkt aufgenommen. Seit dem 1. Juli verbreiten die Chinesen ihre Sicht der Dinge in alle Welt. Nachrichten, Reportagen, Wetterberichte und Sondersendungen, rund um die Uhr und in Englisch. «CNC wird einen internationalen Blick auf die Welt aus chinesischer Perspektive präsentieren», sagte Senderchef Li Congjun bei der Vorstellung.

«Geld spielt keine Rolle»

Peter Achten, seit Jahren als freier Asien-Korrespondent mit Wohnort Peking und früher bei SRG und Ringier tätig, hat die ersten Sendungen gesehen. Und er zeigt sich gegenüber baz.ch/Newsnet beeindruckt. «Aufmachung, Moderation und die ganze Berichterstattung kommen sehr professionell daher», so der Journalist. Und er weiss auch, warum das so ist: «Die sind unheimlich gut bestückt, Geld spielt dabei überhaupt keine Rolle.» Und auch das Korrespondentennetz sei schon gespannt: «Es gibt bereits einen chinesischsprachigen Nachrichtensender, der rund um die Uhr sendet. Und die haben Auslandkorrespondenten auf der ganzen Welt, auch in der Schweiz.»

Peking hat ein ureigenes Interesse daran, den Menschen in aller Welt das Geschehen aus seiner Perspektive zu erklären. Die Regierung fühlt sich oft missverstanden und gibt nun Gegensteuer. «Es geht darum, Chinas Standpunkte zu vertreten und Imagepflege zu betreiben. Das soll dazu beitragen, die Diplomatie und die Politik Pekings weltweit zu unterstützen», so Achten. Die chinesische Regierung hat in den vergangenen Jahren mehrere Milliarden Dollar in die staatlichen Medien investiert. Das soll nun Früchte tragen. 30 Prozent der Sendezeit von CNC World soll Inlandthemen gewidmet werden, der Rest gehört internationalen Themen.

Cablecom hat noch keinen Antrag auf Aufschaltung

Noch ist CNC World weder in Amerika noch in Europa empfangbar. Das ist aber nur eine Frage der Zeit. Bis gegen Ende dieses Jahres wird eine weltweite Abdeckung angestrebt. Zu haben ist das Videosignal dann über Kabel, Satellitenschüssel und im Internet.

Bei Kabelnetzbetreiber Cablecom hat man noch keine Kenntnis vom neuen Angebot. «Die Sender stellen bei uns einen Antrag und dann wird das geprüft. Von CNC World ist aber noch nichts gekommen», so ein Cablecom-Sprecher auf Anfrage.

Trotz dem positiven ersten Eindruck zeigt sich Achten, der junge Chinesen in Journalismus unterrichtet, auch skeptisch. «Interessant wird es dann, wenn China über heikle innenpolitische Themen berichten muss.» Klar ist, was er damit meint. Die Konflikte mit den Tibetern, den Uiguren und sonstigen missliebigen Randgruppen. Dann wird sich zeigen, ob nicht nur die Aufmachung des neuen Senders professionell ist. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.07.2010, 19:45 Uhr

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