Ausland
Lieber nochmals im Irak, als in Afghanistan
Artikel zum Thema
«Bevor wir nach Afghanistan verlegt wurden, hat man uns in afghanischer Sprache und Kultur trainiert. Als Irakkriegs-Veteran dachte ich, das wäre gut so. Aber ich lag falsch. Ich brauchte gar nichts davon», sagt Michael McCann, Unteroffizier der US-Armee, in einem Bericht der Nachrichtenagentur AP. McCann ist derzeit in Afghanistans zentral-östlicher Provinz Logar stationiert. Im Irak sei er auf den Strassen auf gebildete Leute gestossen. Das Land verfüge über eine Infrastruktur mit Schulen und Spitälern. Nicht so in Afghanistan. Dort würden sie auf Menschen treffen, mit denen sie nicht kommunizieren könnten. Sie seien oft ungebildet, manche von ihnen hätten kaum je einen Radio gesehen, geschweige denn in ein TV-Gerät geschaut.
Im harten Abnützungskampf am Hindukusch wird McCann vermutlich schon bald Unterstützung erhalten. Die meisten Beobachter und Experten erwarten, dass US-Präsident Barack Obama morgen Dienstag die Entsendung von weiteren über 30'000 Soldaten nach Afghanistan bekannt geben wird.
200 Jahre Unterschied
«Der Unterschied zwischen einem Dorf und einer Stadt in diesem Land beträgt 200 Jahre», sagt Daniel Weiermann, ein US-Offizier zur Lage seiner Kämpfer in Afghanistan. Weiermann war drei Jahre im Irak stationiert und wurde nun schon zum zweiten Mal nach Afghanistan verlegt. In gewissen Teilen des Landes beginne man von vorn. Es sei, wie wenn man in den USA indianisch stämmige Menschen nach New York bringen würde.
Aber nicht nur kulturelle Unterschiede stellen die US-Armee vor grosse Herausforderungen. Auch mit der Geographie des Landes kommen die Soldaten nur schlecht zurecht. «Man kann Bagdad mit Soldaten stürmen. Aber wenn man in den Bergen Afghanistans etwas erreichen will, brauchte es massiv viel mehr Kämpfer», so McCann. Zudem sei eine immenser logistischer Aufwand erforderlich. Und nicht nur das. Auch Gelände und Wetter bringen die Soldaten an den Anschlag. Sie müssen 3000 Meter hohe Berge besteigen, um gleich wieder 2000 Meter ins nächste Tal abzusteigen. Und das alles bei oft widrigen Wetterverhältnissen.
Lieber auf den Mond
Für die USA sei es offenbar schwieriger in Afghanistan eine Strasse zu bauen, als einen Mensch auf den Mond zu bringen, meint Oberst David B. Haight zur unmöglichen Lage in Afghanistan. Haight wurde drei Mal in den Irak geschickt, nun führt auch er Truppen in Afghanistan. Immerhin einen Vorteil sieht Haight beim Kampf in Afghanistan gegenüber demjenigen im Irak. Im Zweistromland sei es ein Krieg gewesen, der ununterbrochen angedauert habe. Haight bringt es auf die Formel «24/7 Mal 365 Tage». In Afghanistan würden die Angreifer im Winter Pause machen. Und im Hinterland wäre es manchmal tagelang ruhig.
Sowohl Haight und Weiermann, als auch McCann glauben, dass der Weg für einen Sieg in Afghanistan viel länger und härter wird als im Irak. Mit dieser Einschätzung liegen sie auf der Linie Washingtons und der obersten amerikanischen Militärführung. Ob es überhaupt zu einem Sieg kommen kann, bezweifeln viele Experten und Beobachter. Selbst mit einer mehrere zehntausend Mann umfassenden Truppenaufstockung bleibt der US-Kampf am Hindukusch beschwerlich und ein Erfolg wird sich noch länger nicht abzeichnen. (cpm)
Erstellt: 30.11.2009, 10:17 Uhr
Ausland
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!




