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Kim Jong-un entlässt einflussreichen Armeechef

Aktualisiert am 16.07.2012 17 Kommentare

Staatschef Kim Jong-un setzt ein Signal: Völlig überraschend wird der Militärchef Ri Yong-ho seines Amtes enthoben. Derweil werden neue Details zum Privatleben des Diktators bekannt: Möglicherweise ist er bereits verheiratet.

«Er wurde geschasst»: Kim Jong-un mit Ri Yong-ho (links) während einer Militärparade. (15. April 2012)

«Er wurde geschasst»: Kim Jong-un mit Ri Yong-ho (links) während einer Militärparade. (15. April 2012)
Bild: Keystone

Der eng mit der nordkoreanischen Herrscherfamilie verbundene Spitzenmilitär Ri Yong-Ho ist seiner politischen Ämter entbunden worden. (Video: Reuters )

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Kim Jong-un im Kindergarten

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Das nordkoreanische Staatsfernsehen strahlte Bilder eines Besuchs Kims in einem Kindergarten aus. Wieder war er in Begleitung der unbekannten jungen Frau.

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Kim Jong-un und Ri Sol-ju

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Die Welt spekulierte über die Identität der Frau, welche an der Seite des nordkoreanischen Machthabers auftrat. Nun ist das Rätsel gelöst.

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Nordkoreas Führung nach Kim Jong-il

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Der einflussreiche nordkoreanische Militärchef Ri Yong-ho ist überraschend von allen Posten entbunden worden. Die amtliche Nachrichtenagentur KCNA nannte gesundheitliche Gründe für die Entscheidung. Beobachter vermuten indes, dass Staatschef Kim Jong-un sich von dem engen Vertrauten seines verstorbenen Vaters und Vorgängers Kim Jong-il trennte, um seiner Politik seinen eigenen Stempel aufzudrücken.

Der Beschluss über die Amtsenthebung Ris sei bei einer Sitzung des Politbüros der Arbeiterpartei getroffen worden, meldete KCNA. Ri war Chef des Generalstabs und Vize-Marschall der Koreanischen Volksarmee. Es war zunächst nicht klar, wer die Nachfolge Ris antritt. Auch wurden keine Details zu Ris Gesundheitszustand bekannt.

Der 69-Jährige machte bei jüngsten Auftritten allerdings einen durchaus gesunden Eindruck, was Spekulationen anfachte, wonach Kim Yong-un Ri loswerden und den Top-Posten mit einem engeren Vertrauten besetzen wollte. Beobachtern zufolge dürften in den nächsten Wochen weitere Köpfe rollen und dürfte Kim ältere Mitglieder der Führungsriege aus der Ära seines Vaters nach und nach gegen jüngere Vertreter auswechseln.

«Er wurde völlig übergangen»

In Nordkorea vollziehe sich ein Generationswechsel, sagte Hong Hyun-ik, Analyst bei der privaten südkoreanischen Denkfabrik, dem Sejong Institut. Auch Daniel Pinkston, ein nordkoreanischer Analyst bei der Internationalen Krisengruppe (ICG), zweifelt an der Begründung, dass Ri wegen gesundheitlicher Probleme seiner Ämter enthoben worden sei. «Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es keine gesundheitlichen Probleme gab, sondern er geschasst wurde», sagte Pinkston. Damit habe Kim ein starkes Signal ausgesendet an jeden, der mit dem Gedanken spiele, ihn herauszufordern. Ri habe Kim allerdings niemals offen die Stirn geboten. Doch es habe zu Denken gegeben, dass Ri bei einem Parteikongress im September 2010 mehrfach befördert worden sei, bei dem jüngsten im April aber völlig übergangen worden sei.

In den Wochen und Monaten nach der Machtübernahme Kims begleitete Ri diesen häufig auf Reisen. Die Entlassung eines ranghohen Militärvertreters ist ein bedeutender Schritt in Nordkorea, wo unter Kim Jong-il die Politik «Die Armee zuerst» lautete.

Der robust wirkende Ri, der seit 2009 Generalstabschef war und 2010 zum Vizemarschall befördert wurde, zeigte keinerlei Anzeichen von Krankheit, als er im April bei einem Treffen zum 80. Jahrestag der Gründung der Armee eine Rede hielt. Staatlichen Medienberichten zufolge hatte er Kim Jong-un noch vergangene Woche zu öffentlichen Auftritten begleitet.

Neues Nordkorea?

Diese hatten in den letzten Tagen vermehrt zu Spekulationen über einen möglichen Kurswechsel des Machthabers geführt. Vergangene Woche hatte sich Kim Jong-un in Pyongyang eine Bühnen-Show mit Disney-Figuren angeschaut. Dabei war er erstmals von einer jungen Dame begleitet worden. Der offene Konsum westlicher Kultur und der scheinbar lockere Auftritt bewog den Nordkorea-Experten Koh Yu-hwan von der Dongguk Universität in Seoul gegenüber der «New York Times» gar von einem «Glasnost» in Nordkorea zu sprechen. Kim gehöre zu einer neuen Generation von Mitgliedern der Kommunistischen Partei, welche Zeit im Ausland verbracht hätten. Es sei durchaus möglich, dass sie das Land einer wirtschaftlichen Reform à la China unterziehen könnten.

Skeptischer zeigt sich hingegen Lee Yung-yoon von der Tufts Universität in Boston. Gegenüber der Zeitung meinte er, es sei naiv, von Kim Jong-uns Schulbildung in der Schweiz und seinem Interesse an Disney-Figuren darauf zu schliessen, dass sich Nordkorea nun verändern werde. «Wenn die Berührung mit europäischer Weltoffenheit Heilmittel für Totalitarismus wäre, muss man sich wundern, wie Pol Pot dieser Transformation entgehen konnte», sagte Lee angesichts Pol Pots blutiger Herrschaft über Kambodscha. Immerhin habe dieser in den 1920er-Jahren vier Jahre in Paris verbracht.

«Sehr wahrscheinlich» verheiratet

Am Sonntag tauchte die Unbekannte erneut an seiner Seite auf (siehe Bildstrecke). Das nordkoreanische Staatsfernsehen strahlte Bilder eines Besuchs Kims in einem Kindergarten aus, zu dem ihn eine junge Frau begleitete. Dabei soll es sich um dieselbe Frau handeln, die in jüngster Zeit schon mehrmals mit ihm gesichtet wurde. Sie trägt ein gepunktetes gelbes Kleid mit einem weissen Jäckchen und lauscht, wie Kim in der Betreuungseinrichtung einige Kinder umarmt und mit ihnen plaudert. Wann die Bilder aufgezeichnet wurden, ist unklar.

Es war es das dritte Mal, dass die junge Frau an der Seite des vermutlich noch nicht einmal 30 Jahre alten Machthabers des stalinistisch geführten Landes auftauchte. Gerüchten zufolge könnte es sich bei ihr um eine jüngere Schwester Kims oder seine Geliebte handeln. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete unter Berufung auf Regierungskreise in Seoul hingegen, es sei «sehr wahrscheinlich», dass sie die Ehefrau von Kim sei. Darauf deuteten ihr Auftreten an seiner Seite und ihre Platzierung bei Tischordnungen hin. Über den jungen Machthaber ist kaum etwas bekannt - auch nicht, ob er bereits verheiratet ist. (kle/dapd)

Erstellt: 16.07.2012, 09:40 Uhr

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17 Kommentare

Renzo Giambonini

16.07.2012, 09:02 Uhr
Melden 30 Empfehlung 0

Es ist gut möglich, dass Kim Jong-un einen gemässigteren Kurs einschlagen will. Der junge Mann - in der Schweiz geschult - hat vielleicht erkannt, dass eine Neuausrichtung seinem Volk, aber auch ihm nur Vorteile bringen wird. Entsprechend muss er sich seiner krieglüsternen Generäle entledigen. Ich denke, ein erster Schritt hat er nun bereits vollzogen - weitere Schritte werden folgen....... Antworten


Peter Kaegi

16.07.2012, 08:42 Uhr
Melden 25 Empfehlung 0

Vielleicht der erste Schritt zur Normalisierung mit dem Süden. Hat die Prägungsphase in der Schweiz doch Früchte getragen. Antworten



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