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Mehr Soldaten, mehr Tote: Die Realität des Afghanistan-Kriegs
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Nachdem bekannt durchgesickert ist, dass US-Präsident Barack Obama rund 30'000 neue Soldaten nach Afghanistan schicken will, fordert er von den europäischen Nato-Mitgliedern die Entsendung von bis zu 10'000 zusätzlichen Soldaten. Die Europäer sollen nach dem Willen der US-Regierung 5000 bis 10'000 Soldaten an den Hindukusch entsenden, wie ein ranghoher Beamter in Brüssel am Dienstag unter Berufung auf ein noch unveröffentlichtes Nato-Dokument sagte. Frankreich etwa soll 1500 Soldaten zusätzlich stellen. Ein zweiter Diplomat bestätigte der AP die Angaben.
«40'000 zusätzliche Soldaten sind auch 40'000 potenzielle Angriffsziele.» Chozinski leitet das Militärspital in Bagram, Ort des US-Luftwaffenstützpunktes in Afghanistan. Dort offenbart sich das tägliche Grauen des Kriegs.
Wenn US-Präsident Barack Obama am Dienstagabend (Ortszeit/ Mittwoch 2 Uhr MEZ) seine neue Strategie für den Militäreinsatz am Hindukusch vorstellt, bedeutet das nicht nur die blosse Aufstockung der Truppen. Es bedeutet vor allem mehr Tote, mehr Verstümmelte und mehr zivile Opfer.
In diesem Jahr starben bislang 485 ausländische Soldaten beim Nato-Einsatz in Afghanistan, darunter 299 US-Soldaten. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 295 ausländische Soldaten getötet.
Nach Medienberichten will Obama nun die derzeit 68'000 US- Soldaten in Afghanistan um 30'000 bis 35'000 weitere verstärken. Damit dürfte sich die tägliche Arbeit und Belastung der Mediziner und US-Piloten vor Ort drastisch verschärfen.
Befürchtet wird vor allem die Zunahme sogenannter improvisierter Sprengsätze (IED), die mit Abstand häufigste Todesursache der Nato- Einsatzkräfte. Die meist am Strassenrand deponierten Bomben sind billig, leicht herzustellen, werden nur selten entdeckt und zudem noch ferngezündet.
Tot oder schwer verletzt
Überleben Soldaten oder Zivilisten die Detonation, tragen sie meist schwerste Verletzungen davon. Den meisten werden Gliedmassen weggefetzt, sie verlieren ihr Augenlicht oder innere Organe.
Die US-Krankenschwester Laila Coles erlebt kaum mehr einen Einsatz ohne IED-Opfer. «Fast jeder von ihnen verliert dabei einen Arm oder ein Bein», sagt sie. Das jüngste Opfer, das sie gesehen hat, war ein 14-jähriger afghanischer Junge, der offenbar verletzt wurde, als er den Sprengsatz anbringen wollte.
Die Taliban sind dafür bekannt, Afghanen bis zu 200 Dollar für das gefährliche Deponieren einer Bombe zu zahlen - mehr als ein durchschnittliches Jahreseinkommen in Afghanistan.
Das US-Militär macht keine Angaben über die Zahl der Opfer improvisierter Sprengsätze am Wegesrand oder auf Feldern. Jedoch: Die meisten der im Spital in Bagram behandelten Menschen sind IED- Opfer.
In den vergangenen drei Monaten habe die Zahl solcher Behandlungen einen neuen Höchststand erreicht, sagt Chozinski. «Wir wissen einfach nicht, wie wir mit all den Verletzten durch diese Sprengsätze umgehen sollen.»
Luftraum ist sicherer
Weil es wegen der steigenden Zahl der Angriffe mit Sprengsätzen am Strassenrand und der unübersichtlichen Lage am Boden immer gefährlicher wird, sind die Soldaten gezwungen, auf den Luftraum auszuweichen. Dieser sei mittlerweile das sicherste Terrain, sagt US-Pilot Oberst Schulstad.
Inzwischen absolviert er täglich mindestens drei Hin- und Rückflüge, transportiert Tote und Verwundete, bringt von Verpflegung und Wasser über Waffen bis zu Munition alles zu den Stützpunkten, was für den Einsatz benötigt wird.
Allein in den letzten zwölf Monaten flog die US-Luftwaffe täglich rund tausend Menschen durch Afghanistan, sowohl Soldaten als auch Zivilisten. Dies wiederum sprengt die Kosten für den militärischen Einsatz.
Mitte November lagen die Ausgaben für die Versorgung aus der Luft für dieses Jahr bei knapp 780 Millionen Dollar - 2007 waren es rund 388 Millionen. (sam/sda)
Erstellt: 01.12.2009, 19:17 Uhr
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