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Proteste vor deutschem Militärlager geraten ausser Kontrolle

Aktualisiert am 18.05.2011 22 Kommentare

Nachdem ein Nato-Angriff vier zivile Opfer gefordert hatte, kam es vor einem Lager der deutschen Bundeswehr in Afghanistan zu heftigen Protesten. Elf Demonstranten wurden getötet, zwei deutsche Soldaten verletzt.

1/4 Afghanen tragen die zivilen Opfer eines nächtlichen NATO-Angriffs im Norden des Landes zu Grabe. (18. Mai 2011)
Bild: Keystone

   

(Video: Reuters )

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An einem Bundeswehrstützpunkt in Nordafghanistan sind bei mehreren Zusammenstössen zwischen Demonstranten und der Polizei nach amtlichen Angaben elf Menschen getötet worden. Vier davon starben vermutlich unmittelbar vor der Niederlassung des Regionalen Beratungsteams (PAT) der Bundeswehr in der Provinzhauptstadt Talokan, wie das Verteidigungsministerium am Mittwoch mitteilte. Zwei deutsche Soldaten und vier afghanische Wachleute wurden verletzt, als aus der aufgebrachten Menge Handgranaten und Brandsätze in das Lager geworfen wurden.

Die Demonstranten waren mit den Leichen von vier bei einem nächtlichen NATO-Einsatz getöteten Personen - zwei Männer und zwei Frauen - in die Hauptstadt der Provinz Tachar gezogen. Sie warfen der afghanischen Regierung und der NATO vor, Zivilpersonen getötet zu haben. Die NATO erklärte dagegen, es handele sich um Aufständische. Auch die Frauen seien bewaffnet gewesen und hätten versucht, auf die Einsatzkräfte zu schiessen.

Deutsche Regierung will Aufklärung

Zunächst versuchte die afghanische Polizei nach amtlicher Darstellung, die Demonstration mit Warnschüssen aufzulösen. Die Demonstranten zogen in die Innenstadt, kamen dann aber wieder zurück. «Im Rahmen der Eskalation wurden dann auch Schusswaffen eingesetzt», erklärte der Sprecher des Verteidigungsministerium, Christian Dienst. Von wem, war zunächst unklar. Vermutlich wurden vier Demonstranten getötet und zehn verletzt. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) liess sich laufend über die Lage unterrichten und sagte die Aufklärung der Vorfälle zu.

Zu Ausschreitungen kam es aber nicht nur am Bundeswehrposten, sondern auch in der Innenstadt von Talokan. Afghanische Behörden sprachen von insgesamt elf Toten und 50 Verletzten bei den Zusammenstössen, darunter einige Polizisten. Die rund 1.500 Demonstranten riefen Schmährufe gegen die USA und Präsident Hamid Karzai. «Tod Karzai! Tod den USA!» hiess es. Die Proteste wurden gewalttätig, als einige Demonstranten begannen, Läden zu plündern und Steine zu werfen.

Karzai kritisiert NATO-Einsatz

Gouverneur Abdul Dschabar Takwa erklärte, er sei über den NATO-Angriff nicht informiert worden, der den Ausschreitungen vorangegangen war. Dem widersprach die NATO. Der Gouverneur sei vor dem Angriff unterrichtet worden. Dies sei übliche Praxis in Tachar vor derartigen Razzien, erklärt Major Michael Johnson. Sie hätten sich gegen die Islamische Bewegung Usbekistans, eine in Nordafghanistan starke Gruppe Aufständischer, gerichtet. Der afghanische Präsident Hamid Karzai stellte sich hinter die Provinzregierung. Trotz seiner wiederholter Warnungen vor Einsätzen, die mit afghanischen Sicherheitskräften nicht koordiniert seien, gingen diese offenbar weiter, kritisierte er.

Die Aussenstelle der Bundeswehr gehört zum Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) Kundus in der Provinz Tachar. Seit 1. Juni 2006 hat Deutschland im Rahmen der Afghanistan-Schutztruppe ISAF die Führung des Regionalkommandos Nord mit seinen neun Provinzen.

Im Osten Afghanistans wurden bei einem Anschlag auf einen Polizeibus mindestens elf Menschen getötet. Der Anschlag wurde nach Angaben der Behörden auf einer Strasse in der Stadt Dschalalabad verübt. Nach Angaben eines Arztes wurden 20 Menschen verwundet. (rub/ami/dapd)

Erstellt: 18.05.2011, 14:14 Uhr

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22 Kommentare

Friedrich Lorenz

18.05.2011, 14:35 Uhr
Melden 16 Empfehlung

"Das Feuer wurde auf Demonstranten eröffnet".
Ich dachte, das macht jetzt nur noch der Assad so in Syrien ?
Jetzt sogar die Deutschen. Wird Berlin nun auch sanktioniert ?
Antworten


Rafiq A. Tschannen

18.05.2011, 17:04 Uhr
Melden 12 Empfehlung

Je frueher die 'boys' nach Hause gehen, desto besser. Nutzlose Geldverschwendung, nutzlose Leben-Verschwendung. Antworten



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