Ausland

Sein Volk ertrinkt und Zardari reist durch Europa

Aktualisiert am 10.08.2010

In Pakistan wächst die Kritik an Präsident Asif Ali Zardari. Dieser kehrte erst heute von einer mehrtägigen Europareise in sein Land zurück, das unter den schwersten Überschwemmungen seiner Geschichte leidet.

1/45 Noch immer sind zahlreiche Felder in Pakistan überflutet, und bald beginnt der Winter. Hier Shah Jamal, 5. September 2010.
Bild: Keystone

   

Asif Ali Zardari wolle sich nun «aus erster Hand ein Bild über die Zerstörung» in den betroffenen Gebieten machen, sagte ein Regierungsvertreter. Zunächst habe sich der Präsident bei einem Treffen mit Behördenvertretern in der südpakistanischen Wirtschaftsmetropole Karachi über die Lage informiert.

Während sich Zardari in Frankreich und Grossbritannien aufhielt, hatte die Flutkatastrophe mit bis zu 1800 Toten immer schlimmere Ausmasse angenommen. Nach Angaben der Regierung sind inzwischen fast 14 Millionen Menschen von den Überflutungen betroffen.

Abstecher nach Syrien

Doch der Präsident führte seine Reise nicht nur wie geplant zu Ende, sondern machte am Schluss noch einen zunächst nicht vorgesehenen Abstecher nach Syrien. Die Opposition und viele Menschen in der Bevölkerung kritisieren Zardari wegen seiner «Gleichgültigkeit über das Leid seines Volkes» heftig.

Politische Analysten nannten Zardaris Abwesenheit während der Flut seinen schwersten politischen Fehler überhaupt. Seine Beliebtheitswerte sind jüngsten Umfragen zufolge im Keller. Im britischen Birmingham hatte ein Pakistaner den Präsidenten mit Schuhen beworfen, was in der muslimischen Welt als Zeichen höchster Geringschätzung gilt.

Weitere Stadt evakuiert

Wegen drohender Überflutungen ordneten die Behörden unterdessen die Evakuierung der Stadt Muzaffargarh in der zentralpakistanischen Provinz Punjab an. Mehr als 450'000 Einwohner und über 300'000 weitere Menschen, die wegen Überflutungen in umliegenden Dörfern in Muzaffargarh Zuflucht gesucht hatten, verliessen die Stadt.

«Es war wie ein Weltuntergang», sagte der örtliche Journalist Mohammad Ali. «Nachdem die Regierung die Menschen am Montag dazu aufrief, die Stadt zu verlassen, rannte jeder um sein Leben.» Nur einige Männer seien zurückgeblieben, um Häuser zu bewachen.

In der am schlimmsten betroffenen Provinz Khyber-Pakhtunkhwa liessen die Regenfälle am Dienstag etwas nach. Helikopter, die wegen des schlechten Wetters zwei Tage lang am Boden bleiben mussten, konnten die Rettungsarbeiten fortsetzen.

Spendenaufruf der UNO

Für die UNO wird die Flutkatastrophe in Pakistan zu einem der schwierigsten Noteinsätze aller Zeiten: Mindestens sechs Millionen brauchen zum Überleben dringend Soforthilfe wie Trinkwasser, Nahrung oder medizinische Versorgung.

Auf diese Gruppe werde die UNO ihre Hilfe konzentrieren, sagte die Sprecherin des UNO-Büros für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA), Elisabeth Byrs. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte zuvor betont, dass Pakistan auch mittel- und langfristig werde Hilfe brauchen. «Das wird eine grosse und langwierige Aufgabe», sagte er.

Die UNO will am Mittwoch zusammen mit pakistanischen Vertretern in New York einen internationalen Aufruf für Spenden und Unterstützung veröffentlichen. «Wir werden einen Spendenaufruf über mehrere hundert Millionen Dollar herausgeben», sagte Ban. Bislang wurden weltweit rund 38 Millionen Dollar bereitgestellt, weitere 90 Millionen Dollar wurden zugesagt.

Auch die Glückskette und ihre acht Schweizer Partnerhilfswerke lancierten einen neuen Spendenaufruf, weil sich die Lage in dem Katastrophengebiet innerhalb zweier Wochen derart verschärfte. (bru/sda)

Erstellt: 10.08.2010, 16:51 Uhr

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