Ausland

Sprengsatz explodiert vor Moschee – viele Tote

Aktualisiert am 06.12.2011 5 Kommentare

Unmittelbar nach der Afghanistan-Konferenz hat ein Attentäter in Kabul mindestens 59 Menschen getötet. Im Norden explodierte eine weitere Bombe. Eine pakistanische Terrorgruppe sich zu den Anschlägen bekannt.

Grosse Zerstörung: Leute bringen sich vor der Explosion in Sicherheit.

Grosse Zerstörung: Leute bringen sich vor der Explosion in Sicherheit.
Bild: AFP

Anschlag auf schiitische Pilger in Kabul. (Video: Reuters )

Das muslimische Aschura-Fest

Aschura ist ein hoher Feiertag der Muslime schiitischer Glaubensrichtung. Sie gedenken an diesem Tag des Todes von Imam Hussein, Enkel des Propheten Mohammed.
Hussein starb im Jahr 680 in einer Schlacht bei Kerbela (heute Irak), wo seine Grabmoschee steht. Für die Schiiten symbolisiert Hussein die Verfolgung in einer ihrem Glauben feindlich gesinnten Welt.
Das Aschura-Fest findet am zehnten Tag des islamischen Trauermonats Muharram statt. Die Gläubigen empfinden dabei unter Klagen und Weinen die Leiden Husseins nach, zum Teil mit blutigen Selbstgeisselungen.
Frauen hüllen sich am Trauertag in dunkle Gewänder und verzichten auf Schmuck.
SDA

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Eine pakistanische Terrororganisation hat sich zu dem Selbstmordattentat auf schiitische Gläubige in Kabul mit mindestens 59 Toten bekannt. Das sagte ein Sprecher der Organisation Lashkar e-Jhangvi al- Alami heute der Nachrichtenagentur dpa im pakistanischen Peshawar. Ein Attentäter hatte sich zuvor während des schiitischen Aschura-Festes in Kabul in die Luft gesprengt.

Auch zu einem zweiten Anschlag in Masar-i-Scharif mit vier Toten bekannte sich die pakistanische Organisation. Ihr werden Kontakte zu al-Qaida und den Taliban nachgesagt.

Die sunnitische Terrorgruppe Lashkar e-Jhangvi al-Alami wurde in der Vergangenheit für Dutzende Anschläge auf Schiiten in Pakistan verantwortlich gemacht. Übergriffe auf das Nachbarland Afghanistan waren bislang nicht bekannt.

Mehr als 130 Verletzte

Der Angriff in Kabul galt dem Abu-Fasl-Schrein in der Altstadt, wo sich zahlreiche Gläubige an einem der höchsten Feiertage der schiitischen Muslime versammelt hatten. Der Anschlag wurde nur rund 500 Meter vom Präsidentenpalast entfernt verübt.

Ein Augenzeuge berichtete: «Rund um den Schrein lagen überall Körperteile, auch Kinder waren unter den Toten.» Insgesamt wurden bei den beiden Attentaten mehr als 130 verletzt. Die Taliban wiesen jede Verantwortung zurück.

Taliban verurteilen Anschläge

Angriffe gegen die schiitische Minderheit waren in Afghanistan anders als im Nachbarland Pakistan oder im Irak bislang äusserst selten. Die afghanischen Behörden hatten von Anfang an sunnitische Extremisten hinter den Taten vermutet. Die Taliban rekrutieren sich vorwiegend aus sunnitischen Muslimen.

Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid nannte die Anschläge aber unmenschlich und unislamisch. Der schiitische Geistliche Seyed Taqdusi sagte: «Schiiten und Sunniten leben in Afghanistan friedlich zusammen.» Er sah die Drahtzieher des Kabuler Anschlags in Pakistan.

Mit dem Aschura-Fest gedenken schiitische Muslime ihres Märtyrers Hussein, eines Enkels des Propheten Mohammed. Hussein starb 680 in einer Schlacht bei Kerbela (heute Irak). Er steht für die Schiiten für die Verfolgung in einer ihrem Glauben feindlich gesinnten Welt. Jeder Fünfte der knapp 30 Millionen Afghanen ist Schiite.

Anschlag in Masar-i-Scharif

Kurz nach dem Anschlag in Kabul explodierte im Zentrum von Masar- i-Scharif eine weitere Bombe. Der an einem Fahrrad befestigte Sprengsatz war nach Polizeiangaben in der Nähe einer schiitischen Moschee im Stadtzentrum detoniert. Auch in Masar-i-Scharif hatten Schiiten Aschura gefeiert.

Die internationale Schutztruppe Isaf verurteilte die Anschläge auf schiitische Muslime in Afghanistan scharf.

(mrs/kle/AFP)

Erstellt: 06.12.2011, 19:55 Uhr

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5 Kommentare

Giada Berini

06.12.2011, 11:28 Uhr
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Da sieht man mal, wohin unsere "demokratischen" und rein "humanitären" Interventionen hinführen - blutige Selbstmordattentate, Bürgerkriege, jahrzentelanges Elend. Zu einer solch' verlogenen Politik fehlen einem die Worte... Antworten


Rolf Wittwer

06.12.2011, 19:10 Uhr
Melden 7 Empfehlung

Der Anschlag richtet sich auch gegen die Tatsache, dass Karzai sich z.Zt. in Europa und dessen Gastronomie verwöhnen lässt. In Kabul-Country ist er der Herrscher. Ausserhalb herrscht totales Chaos, es ist ein blutiger Kampf um Macht über Drogen und Menschen.
Es ist kaum Zufall, dass all dies genau während Aschura geschieht.
Wehe wenn in Europa dieselben Zustände einkehren werden!
Dann Gnade Gott!
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