Ausland
Tote bei Anschlägen auf Luxushotels in Jakarta
Mehr als 40 wurden bei den Anschlägen im Ritz Carlton und im JW Marriott-Hotel in der Millionenmetropole Jakarta teils schwer verletzt. Unter den Toten waren vier Ausländer, darunter der aus Neuseeland stammende Chef des Zementkonzerns Holcim in Indonesien, jedoch keine Schweizer.
«Zur Stunde liegen keine Informationen vor, wonach sich unter den Toten oder Verletzten Schweizer Bürger befinden», sagte Jean- Philippe Jutzi, Sprecher des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Freitagnachmittag der Nachrichtenagentur SDA.
Das EDA verurteilte die Bombenanschläge aufs Schärfste und sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus. Auch Australien, die USA und die EU sowie die Islam-Konferenz (OIC) verurteilten die Anschläge. «Akte wie diese sinnlose Bombardierung widersprechen den edlen und friedlichen Werten des Islam», erklärte OIC- Generalsekretär Ekmeleddin Ihsanoglu.
Der erst vor zwei Wochen mit grosser Mehrheit im Amt bestätigte Präsident Susilo Bambang Yudhoyono verurteilte die Anschläge ebenfalls. «Das war die Tat einer Terror-Organisation», sagte er. «Die, die dafür verantwortlich sind, werden verfolgt, verhaftet und verurteilt werden.»
Zunächst keine Bekenner
Die Sprengsätze detonierten zur Frühstückszeit im Abstand von wenigen Minuten im Ritz Carlton und im JW Marriott-Hotel im Geschäftsviertel Jakartas. Ermittler hätten die Leichen der beiden Täter gefunden, sagte der Polizeichef.
Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand. Aus Kreisen der Terrorabwehr verlautete aber, die Attentate zeigten die Handschrift von Noordin Top und der von ihm geführten Splittergruppe von Jemaah Islamiyah (JI).
Der gebürtige Malaysier gilt als der meistgesuchte Mann Indonesiens und einer der gefürchtetsten Terroristen Südostasiens. Er soll der Drahtzieher der Anschläge auf Bali im Jahr 2002 mit mehr als 200 Toten gewesen sein.
Aus dem Marriott-Hotel wurden sechs Leichen geborgen, aus dem Ritz Carlton zwei. Ein Opfer starb später im Spital. Die Hotels befinden sich im noblen Geschäftsviertel Kuningan und werden vor allem von Ausländern besucht. Auch viele, die in Jakarta leben, nutzen die Hotels zu Geschäftstreffen, weil sie bislang als besonders sicher galten.
Hotelgast
Offenbar war einer der Attentäter Hotelgast. Die Polizei entdeckte in einem Zimmer im 18. Stock die vermeintliche Kommandozentrale der Attentäter. Dort entschärften sie einen nicht detonierten Sprengsatz.
Die Bomben explodierten am Morgen um kurz vor 8 Uhr Ortszeit. Augenzeugen berichteten von Szenen des Grauens. «Es sah in der Lobby wie im Krieg aus», sagte der Politologe Ikrar Nusa Bakti, der mit seiner Tochter im Marriott-Hotel war. Blutüberströmte Menschen seien in Panik auf die Strasse gerannt.
Beim Ritz Carlton war die Fassade zerfetzt. Aus der Wand ragten abgerissene Rohre und Gardinen wehten im Wind. Der Sprengsatz explodierte nach ersten Ermittlungen in einem Restaurant.
Sicherheitskameras hatten einen Mann mit Baseball-Mütze gefilmt, der unmittelbar vor der Detonation mit Koffer und Rucksack in das Restaurant gegangen war.
»Im Ritz-Carlton-Hotel war die Leiche (des Täters) intakt, während im Marriott-Hotel der Kopf der Leiche abgerissen war», sagte Polizeichef Bambang Hendarso Danuri. Die Männer könnten aber identifiziert werden. Die beiden Hotels sind unterirdisch durch einen Tunnel verbunden. (bru/mbr/sda/ap)
Erstellt: 17.07.2009, 17:23 Uhr
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