Verschleppter Schweizer Andreas Notter: Entführer kamen auf Motorrad

Aktualisiert am 15.01.2009

Im Süden der Philippinen sind drei IKRK-Mitarbeiter entführt worden, darunter ein 38-jähriger Schweizer. Vermutet wird, dass die Terrorgruppe Abu Sayyaf hinter der Entführung steht.

Im Süden der Philippinen entführt: Der Schweizer IKRK-Mitarbeiter Andreas Notter.

Im Süden der Philippinen entführt: Der Schweizer IKRK-Mitarbeiter Andreas Notter.

Der Überfall ereignete sich heute Donnerstag, um 11.30 Uhr Ortszeit. Die Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) waren nach dem Besuch eines lokalen Gefängnisses auf dem Weg zum Flughafen der südlichen Insel Jolo. Ihr Fahrzeug wurde einige hundert Meter vom Gefängnis entfernt von bewaffneten Männern auf Motorrädern gestoppt. Die Entführer liessen den Fahrer und zwei einheimische Mitarbeiter frei,und türmten daraufhin mit dem Auto und den drei ausländischen IKRK-Mitarbeitern.

Bei den Verschleppten handelt es sich um den 38-jährigen Schweizer Andreas Notter, der das IKRK-Büro in Zamboanga im Südwesten der Philippinen leitet; den 62-jährigen Italiener Eugenio Vagni und den 37-jährigen Filipino Mary Jean Lacaba. Zu den Aufgaben der IKRK-Mitarbeiter gehören Gefängnisvisiten und die Zusammenarbeit mit dem örtlichen Roten Kreuz.

Gefängnisausbruch am Vortag

Der Gouverneur von Jolo, Sakur Tan, sagte, bei den Entführern habe es sich um drei bis fünf bewaffnete Männer gehandelt. Sie würden aber von weiteren Komplizen unterstützt. Bewohner des Dorfes, in dem das verlassene Rot-Kreuz-Auto aufgefunden worden war, hätten beobachtet, wie die Entführten gefesselt worden seien. Die IKRK-Delegation war nach Angaben Tans am gleichen Tag in Jolo eingetroffen, um die Lage nach einem Gefängnisausbruch vom Vortag zu beurteilen, bei dem zwölf Insassen entkamen und einer getötet wurde.

IKRK-Sprecher Marcal Izard in Genf sagte, das IKRK wisse bisher nicht, wer dahinterstecke und warum es passiert sei. «Unklar ist, ob eine politisch oder rein kriminell motivierte Gruppe am Werk ist», so Izard auf Anfrage von baz.ch/Newsnet. Das IKRK hat nach Bekanntwerden des Vorfalls sofort einen Krisenstab einberufen. Dieser habe umgehend die Familien über den Vorfall unterrichtet.

Erstmals IKRK-Mitarbeiter auf Philippinien entführt

Man sei nun mit den zuständigen Behörden vor Ort in Kontakt, um das Problem möglichst rasch zu lösen. «Auch versuchen wir, eine Verbindung zu den Entführern herzustellen», so Izard. Das IKRK arbeitet seit 1982 auf den Philippinen mit aktuell 77 Mitarbeitern. Laut Izard ist es das erste Mal seit Jahren, dass IKRK-Mitarbeitern im Land entführt wurden.

Gemäss einer Sprecherin der philippinischen Armee handelt es sich bei den Entführern wahrscheinlich um Angehörige der islamisch-fundamentalistischen Organisation Abu Sayyaf. Laut den Sicherheitsverantwortlichen versuchen die Militanten zunehmend Lösegelder zu erpressen, weil ihnen die Mittel ausgehen. Die Zahl der Entführungen im Süden des Landes mit Beteiligung von Abu Sayyaf und anderen muslimischen Rebellen war im vergangenen Jahr stark angestiegen. (dvp)

Erstellt: 15.01.2009, 12:49 Uhr

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