Ausland
Waffenstillstand in einem der ältesten Kriege der Welt
Neue Hoffnung: General Saw Jawni unterschreibt den Vertrag. (12. Januar 2012) (Bild: Reuters )
Volk der Karen
Die Karen sind die zweitgrösste Bevölkerungsgruppe im Vielvölkerstaat Burma. Sie machen offiziell gut 3,8 der knapp 60 Millionen Einwohner aus; laut Karen National Union gibt es sieben Millionen Karen. Sie leben überwiegend im «Karenstaat» an der Grenze zu Thailand. Die Bewohner des tropisch-heissen Berglandes sind überwiegend Bauern. Sie pflanzen vor allem Reis, Gemüse und Baumwolle an. Die KNU schätzt, dass rund 40 Prozent der Karen Christen sind, die meisten anderen Buddhisten. Ein Jahr vor der Unabhängigkeit von Grossbritannien einigten sich Burmas Minderheiten 1947 auf weitgehende Autonomierechte. Die Vereinbarungen wurden aber nie eingehalten. Die 1947 gegründete Karen National Union (KNU) fordert seit Jahrzehnten mehr kulturelle und politische Rechte für ihr Volk – auch mit Waffengewalt. Rivalitäten der Minderheiten untereinander und separatistische Strömungen dienten Burmas Militär 1962 als Vorwand für einen Putsch.
Brutaler Krieg
Die Karen National Liberation Army (KNLA) als bewaffneter Arm der KNU soll rund 12'000 Mann unter Waffen haben. Ihre Gefechte mit Burmas Armee eskalierten in den vergangenen Jahren zeitweise zu einem von der Weltöffentlichkeit kaum beachteten Bürgerkrieg in der unwegsamen Dschungelregion an der Grenze. Militärs sollen Hunderte Karen-Dörfer niedergebrannt haben. Mit Zwangsumsiedlungen und Vertreibungen versuchte das Regime, den Rebellen die Basis zu entziehen. Rund 200'000 Karen flohen vor Kämpfen und Unterdrückung ins benachbarte Thailand. Bis zu 150'000 von ihnen leben dort heute in neun grossen Flüchtlingslagern entlang der Grenze. (SDA)
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In einem der längsten ethnischen Konflikte der Welt sollen die Waffen ruhen: Die burmesische Regierung und die Rebellen der Karen unterzeichneten in der Hauptstadt der östlichen Region Karen, Pa-An, einen Waffenstillstand.
«Ein Waffenstillstandsabkommen wurde unterzeichnet», teilte der Leiter der Regierungsdelegation, Aung Min, nach den Verhandlungen in Pa-An mit. Die Gespräche gingen auf Bemühungen der neuen, nominell zivilen Regierung Burmas zurück, den mehr als 60 Jahre andauernden Guerillakrieg in den östlichen Dschungelgebieten des südostasiatischen Landes zu beenden und damit die internationale Isolation Burmas zu überwinden. Neben westlichen Regierungen hat auch die von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi geführte burmesische Opposition ein Ende des Konflikts gefordert.
Kämpfe seit 1948
«Solange es keine ethnische Harmonie gibt, wird es sehr schwierig für uns, eine starke Demokratie aufzubauen», sagte Suu Kyi in einem Interview der Nachrichtenagentur AP in der vergangenen Woche. US-Aussenministerin Hillary Clinton hatte während ihres Burma-Besuchs die Forderung nach einem Ende des Karen-Konflikts bekräftigt.
Die Karen kämpfen seit der Unabhängigkeit Burmas von Grossbritannien 1948 in den im Osten gelegenen Urwäldern. Sie sind die einzige grosse Volksgruppe im Land, die niemals ein Friedensabkommen mit der Regierung abgeschlossen hat.
Viele Abkommen scheiterten später
Seit Jahrzehnten streitet die Regierung in Burma mit jenen Volksgruppen, die nach grösserer Autonomie streben. Eine Militärjunta, die 1988 die Macht übernahm, unterzeichnete mit den meisten von ihnen Waffenstillstandsabkommen. Allerdings wurden einige dieser Vereinbarungen auf eine harte Probe gestellt, als die Zentralregierung Versuche unternahm, ihre Macht zu festigen. Es folgten neue Kämpfe.
In den staatlichen Medien wurde unterdessen eine Amnestie für 651 Gefangene verkündet. Die Häftlinge würden vom (morgigen Freitag) nach einem Gnadenerlass des Präsidenten freigelassen, um an Gesprächen zur politischen Zukunft Burmas teilnehmen zu können, meldete der staatliche Rundfunk am Donnerstag.
Es wurde nicht mitgeteilt, ob und wie viele politische Gefangene von der Amnestie betroffen sind. Zuletzt wurden 13'000 Häftlinge begnadigt, darunter aber nur wenige der rund 2000 politischen Gefangenen. Auch die Freilassung politischer Gefangener ist eine zentrale Forderung des Westens an die neue Regierung Burmas. (rub/dapd)
Erstellt: 12.01.2012, 11:54 Uhr
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