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Wiederaufbau auf amerikanisch: Honigfabrik statt Schule

Über 50 Milliarden Dollar haben die USA in den Wiederaufbau des Irak gesteckt. Doch viele der Projekte sind Totalausfälle. Bauruinen wohin das Auge reicht. Beispiel: Ein 40 Millionen teures Gefängnis, das leer steht.

1/3 Beispiel 1, Kinderspital
In Basra kann diese 165 Millionen Dollar teure Kinderklinik ihren Betrieb nicht aufnehmen. Grund: Probleme mit der Elektrizität.
Bild: Keystone

   

«Unsere Kampfphase ist zu Ende»

Das Ende des Kampfeinsatzes im Irak ist nach den Worten von US-Präsident Barack Obama kein Grund zum Feiern. «Unsere Kampfphase ist zu Ende», sagte Obama vor US-Soldaten am Stützpunkt Fort Bliss in Texas.

Aber «es gibt noch viel zu tun, bis der Irak ein echter Partner wird», fügte er hinzu. Seine Rede am Dienstagabend, in der er das offizielle Ende des US-Kampfeinsatzes im Irak verkünden werde, sei daher «keine Siegesparade und keine Glückwunschansprache», sagte Obama vor 170 Soldaten.

Ähnlich wie Obama hatte sich am Dienstag auch US- Verteidigungsminister Robert Gates geäussert, der ebenfalls von «Siegesparaden oder Selbstgratulationen» abriet.

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Das Ergebnis einer Prüfung zahlreicher Projekte durch ein amerikanisches Kontrollgremium ist vernichtend. Insgesamt wurden über zehn Prozent - fünf Milliarden Dollar Steuergeld - verschwendet. Und in Anbetracht von rund 300 Einzelprüfberichten, die für den Generalinspektor für den irakischen Wiederaufbau angefertigt wurden, ist diese Summe wahrscheinlich noch untertrieben.

Einige Projekte sind Totalausfälle, während bei anderen die Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen. Nördlich von Bagdad steht ein Gefängnis leer, das für 40 Millionen Dollar errichtet wurde. Im Süden des Landes kann eine 165 Millionen Dollar teure Kinderklinik ihren Betrieb nicht aufnehmen. Und obwohl in Falludscha mit 100 Millionen Dollar das Dreifache des ursprünglich geplanten Betrags für eine Kläranlage ausgegeben wurde, laufen die Abwässer noch immer durch die Strassen.

Der für die Golfregion zuständige Kommandeur des Pionierkorps des US-Heeres, Oberst Jon Christensen, berichtete von über 4800 Projekten, die seit dem Einmarsch der Amerikaner 2003 fertiggestellt worden seien und 233 weiteren, die nun schnellstmöglich zu Ende gebracht würden. 595 Projekte hätten, meist wegen Sicherheitsbedenken, aufgegeben werden müssen. Christensen räumt ein, dass Fehler gemacht worden seien. Aber «es gibt Grenzen dessen, was wir leisten können», sagte er. Letztlich komme es darauf an, was die Iraker daraus machten.

Bauruinen verwittern

Und die sind nicht immer glücklich mit den amerikanischen Wohltaten. Zahlreiche Projekte waren nicht mit denjenigen abgesprochen, die sie nachher nutzen sollten. «Anfangs haben wir nicht so eng mit den Leuten zusammengearbeitet, dass wir mitbekamen, was ihre Bedürfnisse waren», sagte Christensen. Mittlerweile sei die Zusammenarbeit sehr eng.

Schaimaa Mohammed Amin, die Vorsitzende des Wiederaufbau- und Entwicklungskomitees der Provinz Dijala, weiss von einem Beispiel aus ihrer Region zu berichten: So wurde eine Honigfabrik gebaut und in Betrieb genommen, obwohl eine Schule und Infrastrukturprojekte viel nötiger gewesen wären. Ablehnen konnten die Iraker solche und andere in ihren Augen ungeeignete Bauten kaum. «Wir wurden fast gezwungen sie anzunehmen», sagte Amin. Am Ende müssen sie für die Fertigstellung von Gebäuden zahlen, die sie gar nicht wollten.

Manchmal weigern sich Ministerien aber auch, Baustellen zu übernehmen. Dann werden die mit Steuergeld errichteten Bauruinen sich selbst überlassen. Sie verwittern langsam, bis sie der Wüstensand wegträgt. (bru/dapd (Kim Gamel )/)

Erstellt: 31.08.2010, 22:14 Uhr

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16 Kommentare

Martin Schneeberger

06.09.2010, 16:10 Uhr
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Bitte nicht der Idee verfallen, dass die Amis auch nur 1 $ selber bezahlen, die Aufträge, die sie sich selber erteilt haben und die sie selber ausführen, werden mit den Öllieferungen verrechnet, knallhart und bis auf den letzten überteuerten Cent. Bezahlt wird alles durch die Irakische Bevölkerung. Antworten


Ruth Falk

06.09.2010, 15:15 Uhr
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Ob die abgezockten Steuerzahler in USA endlich mal aufstehen gegen die Finanzhaie? Dort gibt es doch weissgott genug arme Leute, die von Lebensmittelbons existieren müssen, es kann doch nicht sein, dass ein ganzes Volk nur aus gehirngewaschenen Dummköpfen besteht. Und man ist kein "Kommunist", wenn man sich gegen die Ausbeutung wehrt, nur einer der mitdenkt. RF Antworten


Eduard Meier

04.09.2010, 18:02 Uhr
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Wann werden wir endlich lernen, dass man mit Geld keine Entwicklungshilfe machen kann. Auch in Europa gibt es solche Beispiele:. Die 80 Mia, welche die EU Rumänien für die Intergration der Rom bezahlt hat, sind bei denen nie angekommen. Ein asiatisches Sprichwort sagt: Wenn Du einem Hungernden helfen willst, dann gib ihm keinen Fisch, sondern zeige ihm wie er fischen kann. Antworten


Michael Meienhofer

02.09.2010, 20:23 Uhr
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Warum haben die Amerikaner hier Krieg geführt? Ganz einfach, um neue Bauaufträge zu erhalten. Einmal ausgeführt, interessiert sich niemand mehr bei Uncle Sam, was mit dem Zeug geschieht. Der ganzen Welt wird aber vorgelogen, einen wichtigen Kampf gegen Al Kaida und seine Verbündete zu führen. Auch diese Lügen werden bald einmal ihr Ende finden, nämlich dann, wen bei Uncle Sam die Lichter ausgehen Antworten


Robert Marek

01.09.2010, 11:54 Uhr
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@fred büchi: die chinesen machen gar nichts besser, nur "kalt-schnäuziger". die neu-kolonialisierung afrikas durch länder, wie china und korea ist im vollen gange und dies - einmal mehr - zum schaden der einheimischen. Antworten


Fritz Hurni

01.09.2010, 10:53 Uhr
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Die amerikanischen Unternehmen, die dort unten bauen durften und somit dieses Geld verdient haben, freut's ... die lachen sich ins Fäustchen. Antworten


Robert Marek

01.09.2010, 08:02 Uhr
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Ungefähr so verhält es sich auch mit der Entwicklungshilfe. Wir pumpen Milliarden in die sog. dritte Welt und erstellen teure Infrastrukturen, die niemand wollte und die niemand nachhaltig nutzen kann. Antworten


Fred Büchi

01.09.2010, 07:42 Uhr
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Da passt wirklich alles zusammen, grosse Röhre und kaum sinnvolle Leistungen. Die Chinesen machen das alles deutlich besser, wofür es in Afrika genügend Beispiele gibt. Das US-Jahrhundert geht zu Ende, die Geschichte wird darüber richten. Antworten


Ulrich Raumer

01.09.2010, 06:58 Uhr
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Ist ein bisschen wie mit Stuttgart 21 oder der angedachten Städtevignette, es wird einfach was geplant ohne Rücksicht auf Konsequenz und Bedürfnisse. 10% verschwendete Mittel sind gar nicht so schlimm, aber wahrscheinlich sind es deutlich mehr. Schlimmer, die Verluste auf beiden Seiten und die Kosten auch für die Weltwirtschaft für diesen unnötigen Krieg werden gar nicht mitgerechnet. Shame on you Antworten


Rolf Schumacher

01.09.2010, 05:59 Uhr
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Der Wiederaufbau diente vor allem der US-amerikanischen Wirtschaft. Dick Cheneys Halliburton hat bereits in den ersten Monaten des "Wiederaufbaus" zig Milliarden blanko vom US-Staat erhalten. Die britische Hilsforganisation Christian Aid hat 2004 bei der Prüfung der Buchhaltung festgestellt, dass 20 Milliarden abgezweigt wurden. Nach diesem Eklat, hat die USA keine Prüfer mehr zugelassen. Antworten


Hans Iseli

01.09.2010, 05:32 Uhr
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Echte Gutmenschen, die Amerikaner, wie wir: Viel Geld ausgeben, welches der Steuerzahler ungefragt blechen muss, für fast nichts oder sogar Kontraproduktives. Hauptsache, wir fühlen uns gut und verdienen selber als Helfer eine goldene Nase. Mir als bereits ziemlich abgebrühter Bewohner eines Drittweltlandes bleibt nur noch resigniertes Kopfschütteln. Antworten


Hanspeter Lechner

01.09.2010, 04:28 Uhr
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Dies zeigt einmal mehr, wie verlogen dieser Krieg der Amerikaner war bzw. ist: zuerst wurde alte Munition entsorgt (und der Bush-Clan konnte neue liefern ...), und dann wurde beim Wiederaufbau nochmals kräftig Kasse gemacht. Vermutlich war es für die "Busch-Männer" lukrativer, eine Honig-Fabrik zu erstellen als eine wirklich benötigte Schule. - Ein legitimer Krieg? Nein, big business - as usual. Antworten


Rainer Burri

01.09.2010, 04:13 Uhr
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Da werde ich den Verdacht nicht los, dass die am Bau beteiligten (US?) Firmen die Iraker im Regen stehen lassen, da sie ja wohl das Geld bereits verdient haben. Da mag wohl auch die Korruption mitgespielt haben. Krieg ist eben ein MiIliardenbusiness, das sich lohnt. Antworten


Peter Meier

01.09.2010, 01:10 Uhr
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Das meiste baute Halliburton im Irak, dessen Ex-Chef hiess Dick Cheney, späterer Vize-Präsident der USA, dem Drahtzieher des Irakkrieges. Das Tolle kommt aber erst noch: Die Iraker durften, mit ihrem Öl, auch noch alles selber bezahlen. Chemiewaffen wurden natürlich keine gefunden. Ich wette meinen Lohn, dass Dick Cheney noch Drahtzieher von ganz anderen Dingen war... Antworten


Roman Bolliger

31.08.2010, 22:42 Uhr
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Zwar sind diese Leistungen für das Image der USA schlecht. Den finanziellen Profiteuren ist das egal, Hauptsache die Kasse stimmt. So haben sich amerikanische Firmen wie Halliburton kuckucksgleich ins amerikanische Steuernest gesetzt und sich vom Steuerzahler ernährt. Das ist der Moralstoff, aus dem amerikanische Träume sind. Ein Alptraum. Antworten


Werner Leu

31.08.2010, 22:33 Uhr
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Amerkia, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Antworten



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