Ausland
Wiederaufbau auf amerikanisch: Honigfabrik statt Schule
Aktualisiert am 31.08.2010 16 Kommentare
«Unsere Kampfphase ist zu Ende»
Das Ende des Kampfeinsatzes im Irak ist nach den Worten von US-Präsident Barack Obama kein Grund zum Feiern. «Unsere Kampfphase ist zu Ende», sagte Obama vor US-Soldaten am Stützpunkt Fort Bliss in Texas.
Aber «es gibt noch viel zu tun, bis der Irak ein echter Partner wird», fügte er hinzu. Seine Rede am Dienstagabend, in der er das offizielle Ende des US-Kampfeinsatzes im Irak verkünden werde, sei daher «keine Siegesparade und keine Glückwunschansprache», sagte Obama vor 170 Soldaten.
Ähnlich wie Obama hatte sich am Dienstag auch US- Verteidigungsminister Robert Gates geäussert, der ebenfalls von «Siegesparaden oder Selbstgratulationen» abriet.
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Das Ergebnis einer Prüfung zahlreicher Projekte durch ein amerikanisches Kontrollgremium ist vernichtend. Insgesamt wurden über zehn Prozent - fünf Milliarden Dollar Steuergeld - verschwendet. Und in Anbetracht von rund 300 Einzelprüfberichten, die für den Generalinspektor für den irakischen Wiederaufbau angefertigt wurden, ist diese Summe wahrscheinlich noch untertrieben.
Einige Projekte sind Totalausfälle, während bei anderen die Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen. Nördlich von Bagdad steht ein Gefängnis leer, das für 40 Millionen Dollar errichtet wurde. Im Süden des Landes kann eine 165 Millionen Dollar teure Kinderklinik ihren Betrieb nicht aufnehmen. Und obwohl in Falludscha mit 100 Millionen Dollar das Dreifache des ursprünglich geplanten Betrags für eine Kläranlage ausgegeben wurde, laufen die Abwässer noch immer durch die Strassen.
Der für die Golfregion zuständige Kommandeur des Pionierkorps des US-Heeres, Oberst Jon Christensen, berichtete von über 4800 Projekten, die seit dem Einmarsch der Amerikaner 2003 fertiggestellt worden seien und 233 weiteren, die nun schnellstmöglich zu Ende gebracht würden. 595 Projekte hätten, meist wegen Sicherheitsbedenken, aufgegeben werden müssen. Christensen räumt ein, dass Fehler gemacht worden seien. Aber «es gibt Grenzen dessen, was wir leisten können», sagte er. Letztlich komme es darauf an, was die Iraker daraus machten.
Bauruinen verwittern
Und die sind nicht immer glücklich mit den amerikanischen Wohltaten. Zahlreiche Projekte waren nicht mit denjenigen abgesprochen, die sie nachher nutzen sollten. «Anfangs haben wir nicht so eng mit den Leuten zusammengearbeitet, dass wir mitbekamen, was ihre Bedürfnisse waren», sagte Christensen. Mittlerweile sei die Zusammenarbeit sehr eng.
Schaimaa Mohammed Amin, die Vorsitzende des Wiederaufbau- und Entwicklungskomitees der Provinz Dijala, weiss von einem Beispiel aus ihrer Region zu berichten: So wurde eine Honigfabrik gebaut und in Betrieb genommen, obwohl eine Schule und Infrastrukturprojekte viel nötiger gewesen wären. Ablehnen konnten die Iraker solche und andere in ihren Augen ungeeignete Bauten kaum. «Wir wurden fast gezwungen sie anzunehmen», sagte Amin. Am Ende müssen sie für die Fertigstellung von Gebäuden zahlen, die sie gar nicht wollten.
Manchmal weigern sich Ministerien aber auch, Baustellen zu übernehmen. Dann werden die mit Steuergeld errichteten Bauruinen sich selbst überlassen. Sie verwittern langsam, bis sie der Wüstensand wegträgt. (bru/dapd (Kim Gamel ))
Erstellt: 31.08.2010, 22:14 Uhr










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