Ausland
Jagd auf die Bienendiebe
Japans Bienendiebe gehen wieder um: Am Sonntag stahlen sie in Hirosaki im Nordwesten der Hauptinsel Honshu eine Kiste mit 15'000 Tieren. Deren Wert wird auf 180'000 Yen geschätzt, umgerechnet gut 2000 Franken. Die Bienen hatten kurz zuvor die Kirschbäume von Iwaki bei Hirosaki befruchtet. Diese Bäume tragen Früchte, anders als die meisten Kirschbäume Japans, die nur zur Zier gepflanzt werden.
Die 20 Kilogramm schwere Kiste verschwand im Morgengrauen, die Polizei ermittelt, hat aber bisher keine Spur. Sie hält die Diebe für Fachleute. Dieses Frühjahr wurden bereits über 60 Bienendiebstähle gemeldet, insgesamt sind fast 300 Bienenstöcke mit über zwei Millionen Tieren verschwunden, zusammen waren sie fast 150'000 Franken wert. Im Februar und März geschahen die Diebstähle auf der Insel Okinawa im Süden, im April in der Präfektur Shizuoka westlich von Tokio. Und jetzt im Norden.
Arbeitsmigranten
Japans Bienen sind moderne Nomaden. Wie ihre Artgenossen in den meisten Ländern, in denen intensive Landwirtschaft betrieben wird, reisen sie als unfreiwillige Arbeitsmigranten der Pollensaison nach. Dazu werden sie von Präfektur zu Präfektur gekarrt, um eingesetzt zu werden, wo gerade Blüten befruchtet werden müssen. In der heissen Zeit übersommern sie im milden Klima der Nordinsel Hokkaido.
Bienensterben in Japan
Im April verschwanden zahlreiche Bienenschwärme in Shizuoka nach Einsätzen in Erdbeerplantagen, viele in Treibhäusern. Sie waren zur Weiterbeförderung bereits verpackt. Zuweilen liessen die Diebe sogar die Bienenstöcke zurück. Es war ihnen offenbar gelungen, die Insekten in Behälter zu locken. Japan verliert, wie die meisten Länder, viele Bienen an die «Colony Collapse Disorder», das bisher ungeklärte Bienensterben. Als dessen mögliche Ursachen untersucht man Pestizide, genveränderte Pflanzen, den Mobilfunk oder eine Kombination von Faktoren. Sicherlich entspricht das Reisen im Lastwagen durchs ganze Land auch nicht der Natur einer Biene.
Das Bienensterben trägt dazu bei, dass die Preise für Bienen und die Bestäubungsprämien massiv gestiegen sind. Zudem hat das Landwirtschaftsministerium in Tokio wegen der Bienenmilbenseuche zeitweise jede Einfuhr von Bienen verboten. Hinzu kommt, dass es in diesem Frühjahr lange kalt war. Und in Japan gibt es nur wenige Imker, das Angebot ist also beschränkt. Der grösste Teil des in Japan konsumierten Honigs wird importiert.
Importbienen bevorzugt
Die meisten japanischen Bienen sind eigentlich Europäer, Apis mellifera, die allerdings aus Australien nach Japan kommen. Die asiatische Honigbiene, die in Japan wild vorkommt, wird hier kaum gezüchtet. Sie sei der europäischen Rasse unterlegen, heisst es. Letztere produziere mehr Honig und vermehre sich schneller. Und die europäischen Bienen werden offenbar eher gestohlen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 18.05.2010, 22:30 Uhr
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