Ausland

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Tokio

Einen Monat nach dem Erdbeben kehrt Ruhe in den Alltag der Hauptstadt ein. Doch noch immer bestehen Engpässe in der Versorgung mit Nahrungsmitteln wie Milch, Gemüse, Sojaprodukten und Wasser. Privatpersonen und Firmen sind angehalten, Strom zu sparen. Anfangs April kam es in Tokio zur ersten grösseren Demonstration gegen Atomkraftwerke seit der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe. Rund 300 Menschen marschierten mit Plakaten durch die Innenstadt. Auch in Nagoya in Zentraljapan demonstrierten rund 300 Menschen gegen das AKW in ihrer Region.

Fukushima I

Die Lage ist ernst: Das vom Beben beschädigte Atomkraftwerk Fukushima I.

Allgemeine Lage: Die japanische Regierung stuft das Atomunglück von Fukushima nun offiziell als ebenso schwer wie das Reaktorunglück in Tschernobyl ein. Die Menge der Radioaktivität, die aus dem Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi ausgetreten sei, entspreche etwa zehn Prozent der Menge, die in Tschernobyl freigesetzt worden sei. Immer wahrscheinlicher wird, dass eine Hülle über die sechs Reaktorgebäude gebaut und dann versiegelt wird. Das Austreten von Radioaktivität aus der Anlage zu stoppen, werde voraussichtlich drei Monate in Anspruch nehmen, teilte Tepco Mitte April in Tokio mit. Für das Abkühlen der Reaktoren veranschlagte der Konzern sechs bis neun Monate.

Block 1: Neue Luftbilder vom Unfallreaktor zeigen, dass im Reaktorblock 1, in dem es am 12. März eine Wasserstoffexplosion gab, nur noch ein Eisengerippe übrig geblieben ist. Das Dach und die Aussenmauern sind komplett eingestürzt.

Block 2: In einem Kabelschacht des Turbinengebäudes von Reaktor 2 war am 2. April ein Spalt entdeckt worden, aus dem hochradioaktives Wasser ins Meer lief. Nach anfänglichen Fehlversuchen konnte das Leck mit 6000 Litern Flüssigglas abgedichtet werden. Partielle Kernschmelze, Wasserstoffexplosion am 14. März um 13.25 Uhr.

Block 3: Die Aussenmauern sind komplett zerstört. In Raktorblock 3 war es zur grössten Wasserstoffexplosion gekommen. Im Block lagern auch plutoniumhaltige Brennelemente, die als besonders gefährlich gelten.

Block 4: War wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet. Am 15. März um 8.54 Uhr brach im Abklingbecken für verbrauchte Brennelemente ein Brand aus, der gelöscht werden konnte.

Fukushima II

Auch für dieses Kraftwerk erklärte die japanische Regierung den nuklearen Notfall, nachdem die Temperatur in den vier Reaktorblöcken auf 100 Grad Celsius gestiegen war. Eine Evakuierungszone von erst drei, dann zehn Kilometer wurde angeordnet. Seit dem 15. März ist das Kraftwerk vollständig heruntergefahren.

Heruntergefahren: Auch für Fukushima II wurde nuklearer Notstand erklärt, die Lage ist jedoch unter Kontrolle.

Onagawa

Die Behörden haben für das AKW Onagawa Entwarnung gegeben. Der Grad der Radioaktivität sei wieder auf ein normales Niveau gesunken, teilte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) gestützt auf Angaben der Behörden mit.

Laut Behörden unter Kontrolle: Reaktoren von Onagawa.

  • Im Kernkraftwerk in der Provinz Miyagi im Nordosten des Landes hatte es nach dem schweren Erdbeben vom Freitag gebrannt. Aufgrund überhöhter Werte an Radioaktivität wurde die niedrigste Stufe des nuklearen Notstandes ausgerufen.

Tokai

Bei einem Nachbeben am 14. April ist in einem weiteren japanischen Atomkraftwerk das Kühlsystem zum Teil ausgefallen. Wie der Betreiber des Kernkraftwerks Tokai südlich des AKW Fukushima I mitteilte, war die Reparatur des Kühlsystems im Gange. Nach dem Ausfall einer Kühlpumpe musste der Reaktor zeitweise mit einer Zusatzpumpe gekühlt werden. Das Kraftwerk Tokai liegt rund 120 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio.

In Tokai steht der erste kommerzielle Atomreaktor Japans. Es handelt sich bei dem Meiler um einen Siedewasserreaktor, der wie die Meiler in Fukushima direkt am Meer liegt.

Epizentrum

Das schwerste Erdbeben erreichte eine Stärke von 9.0 auf der Richterskala und ereignete sich am Freitag, 11. März, um 14.46 Uhr Ortszeit. Das Epizentrum liegt vor der nordöstlichen Pazifikküste Japans. Seither kam es zu etlichen Nachbeben, die teilweise Stärken von über 6 errreichten und auch in Tokio zu spüren waren.

Das Beben löste eine Flutwelle aus, ein zehn Meter hoher Tsunami drang schier unaufhaltsam ins Landesinnere vor und riss dabei alles mit sich fort, was nicht fest im Boden verankert war. Die Katastrophe forderte vermutlich mehr als 20'000 Menschenleben, eine halbe Milion Menschen leben in Notunterkünften.

Keine Chance für die Bewohner: Eine bis zu zehn Meter hohe Flutwelle überrollt die Küstengebiete der japanischen Hauptinsel Honshu.

Evakuierungszone

Die Evakuierungszone wird ausgeweitet: Weitere 28'000 Mneschen, die ausserhalb der 20-Kilometer-Zone um Fukushima I und der 10-Kilometer-Zone um Fukushima II leben, müssen ihre Häuser verlassen. Allerdings sind die Notaufnahmestellen bereits überfüllt, die Menschen werden in andere Präfekturen verlegt. Die Städte und Dörfer im Umkreis von 20 Kilometern des Atomkraftwerks sind nun praktisch menschenleer. Die Evakuierungszone könnte aus Sicht des japanischen Ministerpräsidenten Naoto Kan für die nächsten 20 Jahre unbewohnbar bleiben. Der Betreiber des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima muss den evakuierten Bewohnern eine Entschädigung im Umfang von einer Million Yen pro Familie zahlen (knapp 11'000 Franken) zahlen. Das teilte das japanische Handelsministerium mit.

Polizisten patrouillieren mit Schutzmasken in der Evakuierungszone.

Eine evakuierte Frau wird in Koriyama City in der Präfektur Fukushima auf Verstrahlung untersucht.

Gefahrenzone

Ministerpräsident Naoto Kan hatte am Dienstag die Einwohner der Zone von 20 und 30 Kilometer um das AKW dazu aufgerufen, ihre Häuser nicht zu verlassen. Inzwischen werden auch sie evakuiert. Die IAEA hat bis zu 60 Kilometern Distanz zu Fukushima Strahlenwerte gemessen, die den mittleren Werten in der Sperrzone von Tschernobyl entsprechen. Die US-Regierung legte ihren Bürgern, die im Umkreis von 80 Kilometern um Fukushima I und II leben, nahe, die Gegend zu verlassen. In Lebensmitteln aus der Region um das AKW Fukushima wurden erhöhte Strahlungswerte nachgewiesen, im Trinkwasser erhöhte Jod-Werte. Sie seien gesundheitlich «unbedenklich», sagt die japanische Regierung. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichnet die verseuchung allerdings als «ernst».

«Die Strahlung ist beträchtlich gestiegen»: Premierminister Naoto Kan.

Druck in Reaktoren 1 und 2 steigt

Aktualisiert am 20.03.2011 76 Kommentare

Die japanische Regierung versucht mit einem Stromkabel, die Reaktoren in Fukushima I zu kühlen. Während der Druck in Reaktor 3 offenbar abnimmt, steigen die Werte in den anderen Blöcken.

1/24 Die Reaktoren liegen grösstenteils noch offen: Mike Weightman der Untersuchungsleiter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) im AKW-Fukushima. (27. Mai 2011)
Bild: Keystone

   

  • 22:20 Uhr  

    Rega holt Schweizer Rettungskraft heim

    In Japan ist eine Rettungskraft des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH) so schwer erkrankt, dass es mit einem Abulanz-Jet der Rettungsflugwacht Rega in die Schweiz zurück geflogen werden muss. Das REDOG-Mitglied erkrankte während des Einsatzes.

    Die gesundheitlichen Probleme stünden jedoch nicht in Zusammenhang mit den Ereignissen in Japan, erklärte die Rega am Freitagabend in einer Medienmitteilung weiter. Der Jet sei am Freitagabend um 22 Uhr von Zürich in Richtung Japan gestartet. Ob es sich bei der erkrankten Rettungskraft um einen Mann oder eine Frau handelte, wurde nicht mitgeteilt. (sda)

  • 22 Uhr  

    Druck in Reaktoren 1 und 2 steigt

    Nach dem massiven Wasserwerfereinsatz im Block 3 des Atomkraftwerks Fukushima 1 ist der Druck in der Reaktorkammer etwas gesunken. Dies geht aus dem jüngsten Bericht der japanischen Atomsicherheitsbehörde (NISA) hervor.

    In den Blöcken 1 und 2 aber, die nach dem Erdbeben vor einer Woche automatisch abgeschaltet wurden, zeigen die am Samstagmorgen (Ortszeit) veröffentlichten Werte eine leicht steigende Tendenz.

    Neue Stromleitung soll ab morgen kühlen

    An Stelle der Notkühlung von Block 3 mit Wasserwerfern will die Betreibergesellschaft Tepco am Samstag versuchen, die reguläre Kühlung für die Reaktorblöcke 1 und 2 wieder in Gang zu setzen. Am Sonntag könnten dann die Blöcke 3 und 4 folgen, wie Hidehiko Nishiyama von der Atomsicherheitsbehörde (NISA) nach einer Meldung der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo mitteilte.

    Dazu wurde eine Starkstromleitung zum Atomkraftwerk Fukushima gelegt. Unklar ist aber, inwieweit die Technik der Kühlsysteme nach den Explosionen in den Reaktorblöcken 1 bis 3 und dem Brand im Reaktor 4 noch funktionsfähig ist. (sda)

  • 20:50 Uhr  

    Hersteller verteidigt sich

    Der US-Hersteller der japanischen Krisenreaktoren hat den Vorwurf von Konstruktionsmängeln zurückgewiesen. Die Reaktoren des Typs Mark 1 entsprächen allen Vorschriften und hätten «in den vergangenen 40 Jahren gut funktioniert», erklärte der im US-Bundesstaat Connecticut ansässige Konzern General Electric (GE).

    Das in den 1960er Jahren entwickelte Reaktormodell sei in den 80er Jahren überholt worden, um es den neuen Bestimmungen anzupassen. «Alle Änderungen, die von den Regulierungsbehörden verlangt wurden, sind umgesetzt worden», erklärte GE.

    Fünf der sechs Reaktoren im japanischen Krisen-AKW Fukushima sind Mark-1-Reaktoren von GE. Einige der Reaktoren wurden durch das Erdbeben, den Tsunami und durch mehrere anschließende Explosionen stark beschädigt. General Electric bezeichnete es als «verfrüht», Aussagen über den genauen Verlauf des Reaktorunglücks zu machen.

    Das Mark-1-Modell war in den 1960er und 1970er Jahren eines der weltweit beliebtesten Reaktormodelle. In den USA wurden 23 davon gebaut, in anderen Ländern 32. Kritiker der Atomkraft hatten damals gewarnt, das Modell Mark 1 könne möglicherweise nicht einer starken Druckentwicklung standhalten, wie sie bei einem Ausfall der Kühlsysteme zu erwarten sei. (Grafik via Nerdcore).

  • 19:20 Uhr – Überblick  

    Stufe 5 von 7

    Japan hat den Störfall im AKW Fukushima 1 hoch gestuft. Heute hob die Atombehörde Japans hob den Schweregrad des Unglücks von 4 auf 5 auf der bis 7 reichenden Havarie-Skala an. Dies bedeutet, dass sie nicht mehr nur von einem lokalen Problem ausgeht.

    Mit der Anhebung hat Fukushima nun die gleiche Stufe wie das Atomunglück von Harrisburg in den USA, wo es 1979 zu einer teilweisen Kernschmelze kam. Tschernobyl hatte die höchste Stufe 7 erreicht.

    Mittel wie in Tschernobyl

    Die Betreiberfirma Tepco denkt inzwischen laut darüber nach, das AKW unter einem Berg aus Sand und Beton zu begraben - wie in Tschernobyl, wo sich am 26. April 1986 die bislang schlimmste Reaktor-Katastrophe ereignete. Dies sei aber ein letzter Ausweg, hiess es.

    In Tschernobyl hatte sich der Sand zunächst wegen der Hitze in Glas verwandelt. Der Aufbau des Sarkophags aus Beton gelang erst nach Monaten. Er ist heute rissig und droht einzustürzen.

    140 Feuerwehrleute im Einsatz

    Techniker, Soldaten und Feuerwehrleute versuchen unter Einsatz ihres Lebens eine Katastrophe noch abzuwenden. Die Einsatzkräfte kämpften auch heute gegen die drohenden oder bereits begonnen Kernschmelzen in sieben Anlagen - drei Reaktoren und vier Abklingbecken. Mit Wasserwerfern bespritzten 140 Feuerwehrleute den mit hoch giftigem Plutonium bestückten Reaktor 3. Wie die Regierung erklärte, waren die Kühlversuche erfolgreich.

    IAEA: Lage stabil

    Nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA hat sich die Lage stabilisiert. Wie der IAEA-Experte Graham Andrew in Wien sagte, bleibe die Situation aber sehr ernst. IAEA-Direktor Yukiya Amano hatte zuvor in Tokio die Verantwortlichen für ihre Informationspolitik kritisiert.

    Die Regierung gestand inzwischen Fehler ein. Premier Naoto Kan versuchte zugleich, Mut zu machen: «Japan als Land wird die Katastrophe überwinden und sich erholen.»

    Kühlung ist das A und O

    Neben den Feuerwehrleuten und Soldaten kämpften auch 120 Atomarbeiter in der Anlage gegen die Radioaktivität. Die Helfer können draussen wegen hoher Strahlenwerte nur kurz eingesetzt werden, sonst riskieren sie eine tödliche Dosis.

    Nach Ansicht des deutschen Atomkraftexperten Michael Sailer reicht es, wenn einer der sieben Reaktoren ausser Kontrolle gerät. In einem solchen Fall sei der Einsatz von Menschen vor Ort wegen der Strahlung unmöglich.

    Die Folge: Fukushima 1 gerate völlig ausser Kontrolle. Auch Amano betonte die «extreme Wichtigkeit» der Kühlung und sprach von einem «Wettlauf gegen die Zeit».

    Strom ab Samstag?

    Tepco meldete, dass die Reaktoren 1 und 2 ab Samstag durch eine Notleitung wieder mit Strom versorgt werden. Ob die Kühlung wieder in Gang gebracht werden kann, blieb offen.

    Meteorologen warnten, dass der Wind, der bislang meist in Richtung Pazifik blies, Anfang kommender Woche in Richtung der 35- Millionen-Metropole Tokio drehen wird. Weiter wird mit Regen gerechnet.

    Bislang fast 7000 Tote

    Immerhin soll es ab morgen wärmer werden, was den etwa 400'000 direkt vom Erdbeben und Tsunami Betroffenen zu Gute kommen würde. Heute - exakt eine Woche nach dem Beben - gedachten die Japaner in einer Schweigeminute den Opfern. Nach jüngsten Angaben der Polizei starben mindestens 6911 Menschen; die Zahl der Vermissten wurde mit 10'700 angegeben.

    Die Folgen der Naturkatastrophe setzten den Überlebenden weiter zu. Gemäss Medienberichten starben bereits mindestens 25 zumeist ältere Flüchtlinge.

    Wegen Schneestürmen, der Benzinknappheit und zerstörten Verkehrswegen blieb die Versorgung schwierig. Allerdings wurde am Freitag der Flughafen der Stadt Sendai freigegeben, nachdem das Rollfeld hatte geräumt werden können.

    Japan-Schock für Weltwirtschaft?

    Heute wurden die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft deutlicher. So sagte der Fluggesellschaften-Verband IATA für die Luftfahrt einen «grösseren Abschwung» voraus. Zudem müssen unter anderem die Autobauer GM und Renault ihre Produktion zurückfahren, weil Teile aus Japan fehlen.

    Dagegen wurde der Höhenflug des Yen vorerst gestoppt. Die G7- Staaten intervenierten gemeinsam auf den Finanzmärkten, um die japanische Wirtschaft zu stützen. Es war das erste Mal seit elf Jahren, dass die führenden Wirtschaftsnationen gemeinsam am Devisenmarkt einschritten. (sda)

  • 19 Uhr  

    Sie finden hier eine Übersicht über die gesundheitlichen Folgen von Strahlen: Strahlungswerte

  • 18:40 Uhr  

    Aktuelle Strahlenwerte

    Das japanische Ministerium für Erziehung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie hat die neusten Zahlen zur Strahlenbelastung in verschiedenen Grossstädten Japans herausgegeben. Wie die Zeitung «Yomiuri Shimbun» schreibt, sind die Belastungen in der Präfektur Fukushima höher als normal, aber immer noch im grünen Bereich. In den umliegenden Präfekturen wie auch in Tokio wurden am Nachmittag des 18. März Belastungen unter 0,1 Millisievert pro Stunde gemessen.


  • 18:30 Uhr  

    Leicht erhöhte Strahlenwerte in Kalifornien

    Die aus dem beschädigten Atomkraftwerk Fukushima austretende radioaktive Strahlung hat die Westküste der USA erreicht. Dass teilte ein Diplomat mit Zugang zu Messwerten der Vereinten Nationen heute der Nachrichtenagentur AP mit.

    Die Werte seien jedoch minimal und stellten keine gesundheitliche Gefahr für den Menschen dar. Die in Kalifornien festgestellte Strahlung liege «etwa um das Milliardenfache unterhalb dessen, was als bedrohlich eingestuft werde», sagte der Diplomat. (dapd)

  • 17:35 Uhr  

    Welle war offenbar 23 Meter hoch

    Die Tsunami-Welle, die vor einer Woche die Nordost-Küste Japans verwüstete, war einer Untersuchung zufolge mindestens 23 Meter hoch. Dies ergab eine Studie des Forschungsinstituts der japanischen Hafenbehörde unter Auswertung von eigenen Messungen und GPS-Daten.

    Die Tageszeitung «Yomiuri» berichtete weiter, konkret sei die Wellenhöhe in Ofunato in der Präfektur Iwate gemessen worden, wo das Wasser ganze Siedlungen mitriss.

    Der Tsunami hatte sich nach dem Erdbeben der Stärke 9,0 ereignet, das Japan am Freitag vergangener Woche erschütterte. Die höchste jemals registrierte Tsunami-Welle in Japan gab es alten Aufzeichnungen zufolge 1896 mit 38 Metern. (sda)

    1/10 Die Schäden in Japan sind enorm

       

  • 17:20 Uhr  

    Steigende Opferzahlen

    In Japan sind bei dem Beben und dem folgenden Tsunami vor einer Woche mindestens 6911 Menschen ums Leben gekommen. Das meldete der Fernsehsender NHK heute unter Berufung auf die Polizei. Nach diesen Angaben werden noch immer mehr als 17'000 Menschen vermisst.

    Andere Quellen sprachen von über 10'000 vermissten Menschen. Damit hat das Erbeben mehr Opfer gefordert, als das Kobe-Beben 1995. Dabei waren mehr als 6400 Menschen ums Leben gekommen.

    Die Lage der Überlebenden besserte sich nur langsam. Es fehlte weiter vielerorts an Essen und Medikamenten. Zu schaffen machte den 380'000 direkt betroffenen Menschen auch die Kälte. Vor allem bei Älteren und Kranken schwinden in den den oft ungeheizten Notunterkünften die Kräfte. Mehr als 20 Menschen starben bereits.

    In der Provinz Miyagi sind die Notunterkünfte inzwischen so voll, dass die Behörden Flüchtlinge aufforderten, in benachbarte Provinzen auszuweichen. (sda)

  • 15.29 Uhr  

    EU richtet Luftbrücke ein

    15 Zivilschutzexperten würden sich auf den Weg nach Tokio machen, um die Verteilung von Hilfsgütern zu organisieren, sagte EU-Kommissionssprecher Raphael Brigandi. Wie viele Flugzeuge an der Luftbrücke beteiligt sind, wurde zunächst nicht bekannt. Die Regierung in Tokio hatte die EU am vergangenen Wochenende um Beistand gebeten.

    Bislang haben neun Mitgliedsstaaten Angebote gemacht, so könnten bereits 100'000 Bettlaken, 1300 Feldbetten, aber auch Stromgeneratoren und anderes Gerät nach Japan geflogen werden, sagte Brigandi.

    In den kommenden Tagen wollten die EU-Experten mit den lokalen Partnern und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz einen zentralen Umschlagplatz für die Verteilung der Hilfsgüter in Japan aufbauen. (sda)

  • 15.06 Uhr  

    Tepco-Vize weint vor der Presse

    Der stellvertretende Chef des AKW-Betreibers Tepco, Akio Komor, ist heute vor den Medien in Tränen ausgebrochen (siehe Bild).

  • 14.56 Uhr – Übersicht  

    Sarkophag ist die letzte Lösung

    Zur Verhinderung eines dramatischen Austritts radioaktiver Strahlen könnte das gesamte havarierte japanische Atomkraftwerk Fukushima unter einem Berg aus Sand und Beton begraben werden. Dies sei ein letzter Ausweg, teilten Ingenieure der Betreiberfirma mit.

    Derzeit werde aber alles daran gesetzt, einen Super-GAU durch die Kühlung der Reaktoren noch zu verhindern. Die japanische Atombehörde stufte den Störfall der Reaktoren eins, zwei und drei unterdessen auf die Kategorie fünf hoch. In Tschernobyl war die höchste Stufe sieben erreicht worden.

    Die Ankündigung des Unternehmens, das gesamte Kraftwerk möglicherweise zu begraben, könnte ein Hinweis darauf sein, dass Tepco ein Fehlschlagen aller Rettungsversuche in Betracht zieht.

    Die Techniker arbeiteten aber noch mit Hochdruck daran, eine Starkstromleitung zu zwei der sechs Reaktoren zu verlegen. Mit der neuen Energieversorgung könnten die Wasserpumpen zur Kühlung der überhitzten Brennstäbe vielleicht wieder gestartet werden. Der Strom zu den Unglücksreaktoren eins und zwei könnte bis morgen wieder fliessen, erklärte die Atomaufsicht. Einen Tag später könnten auch die Reaktoren drei und vier wieder mit Elektrizität versorgt sein. Allerdings war unklar, ob die Wasserpumpen nicht durch das Erdbeben, den Tsunami und die späteren Explosionen im AKW beschädigt wurden. (sda/dapd)

  • 14.47 Uhr  

    WHO gibt Entwarnung

    Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO steigt die Strahlenbelastung in Tokio zwar weiter an, sei aber noch nicht gesundheitsgefährdend. Es gebe also keinen Grund, Einreisen nach Japan zu stoppen. (dapd)

  • 14.37 Uhr  

    Die Dreifach-Katastrophe – eine kurze Reportage

    Drei Katastrophen erschüttern Japan: Erst eines der schwersten Erdbeben überhaupt, dann ein reissender Tsunami und zuletzt der drohende Super-Gau am AKW Fukushima

    (Video: Reuters)

  • 14.35 Uhr  

    Japanische Medien berichten nüchtern

    Die japanischen Medien haben ihre Berichterstattung fast vollständig auf die Naturkatastrophe und den Kampf gegen den atomaren Super-GAU in Fukushima ausgerichtet. Das staatliche Fernsehen NHK bringt seit einer Woche nur noch Nachrichten.

    Livestream: Der englischsprachige japanische Sender NHK.


    Live video chat by Ustream


    Im Fokus stehen Reportagen aus den Katastrophengebieten im Nordosten des Landes, Hilfsmassnahmen, die Lage der obdachlosen Menschen in den Notunterkünften und die Versuche, eine Kernschmelze im Krisen-Atommeiler mit allen Mitteln zu verhindern. Private TV-Sender wie Fuji Terebi oder Tokyo Broadcasting (TBS) haben ihr Unterhaltungsprogramm zugunsten der Nachrichten eingeschränkt.

    Für Fernsehen wie Printmedien gilt: Sie alle berichten umfassend und kritisch – mit Erklärungen, Analysen und Grafiken. Auch Fachleute kommen zu Wort. In den Tageszeitungen wird kritisch kommentiert, vor allem mit Blick auf die Informationspolitik des AKW- Betreibers Tepco.

    Der Ton der seriösen Presse ist sachlich und nüchtern, aber auch die ganz düsteren Szenarien werden nicht ausgeklammert.

  • 13:20 Uhr  

    Seoul holt Landsleute heim

    Südkorea will seine Landsleute in Japan notfalls mit Militärflugzeugen und Kriegsschiffen heimholen, sollte sich die Atomreaktorkrise im Nachbarland weiter verschärfen.

    Falls sich die Lage verschlechtere und eine Notevakuierung nötig scheine, werde die Regierung «alle Mittel» ergreifen, um die Ausreise der Landsleute zu ermöglichen, sagte Vizeaussenminister Min Dong Seok am Freitag vor Reportern in Seoul. Dazu gehöre die Bereitstellung von Charterflugzeugen, Militärtransportmaschinen, Küstenwach- und Marineschiffen.

    Die Regierung in Seoul rief zugleich die Südkoreaner in Japan auf, sich so weit wie möglich von dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima 1 an der Ostküste zu entfernen. Nach Angaben des Aussenministeriums in Seoul sind mehr als 900'000 Koreaner in Japan. (dapd)

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  • 13:12 Uhr  

    Erhöhte Strahlung 30 Kilometer vor Unglücks-AKW

    Noch mehr als 30 Kilometer vom Katastrophen-AKW Fukushima entfernt ist eine deutlich erhöhte Strahlenbelastung festgestellt worden. Die Strahlung nordwestlich der havarierten Anlage lag bei 170 Microsievert am Donnerstag und 150 Microsievert am Freitag.

    Die höchste Belastung lag dabei in einer Zone, die bisher nicht evakuiert worden ist, wie das japanische Wissenschaftsministerium mitteilte. Die Menschen hier wurden lediglich aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben.

    Gesundheitsrisiko für betroffene Menschen

    Nach Expertenmeinung nehmen Menschen bei der gemessenen Belastung innerhalb von sechs bis sieben Stunden so viel Strahlung auf, wie sonst innerhalb eines Jahres gerade noch verträglich wäre.

    Die Strahlung direkt am Reaktor ist um ein Vielfaches höher: Erst am Donnerstag hatten die Betreiber nach eigenen Angaben wieder 400 Millisievert am Block 3 gemessen. Ein Millisievert sind 1000 Mikrosievert. (sda)

  • 12.40 Uhr  

    «Die grösste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg»

    Premierminister Naoto Kan (siehe Bild) sagte in einer Fernsehansprache: «Japan ist in der grössten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Wir bekommen weltweite Unterstützung. Wir haben keine Zeit, pessimistisch zu sein.»

  • 12.36 Uhr  

    Mizuho Bank schaltet alle Bankomaten ab

    Laut der Zeitung «Yomiuri Shimbun» setzt die Mizuho Bank, eine der grössten Banken in Japan, ihre 3300 Bankomate in ganz Japan über das Wochenende ausser Betrieb.

    Der Grund dafür sind Probleme im Computersystem, die sich seit dem 15. März häufen. Um diese zu beheben, müssen die Bankomate vom 19 bis 21. März heruntergefahren werden. Dafür werden die Schalter der über 440 Filialen im ganzen Land übers Wochenende und am Montag geöffnet sein. Was die genauen Ursachen für die Systemprobleme sind, ist für die Mizuho Bank bis jetzt unklar.

    Heute hätten laut Mizuho Bank 620'000 Löhne in der Höhe von 125 Milliarden Yen nicht ausbezahlt werden sollen. Zusammen mit den 500'000 weiteren Löhne, die sich bis zum 17. März aufgestaut haben, sind es insgesamt 775 Milliarden Yen (8,8 Milliarden Franken). (avs)

  • 12.09 Uhr  

    Initiative für Atomausstieg

    Die Grünen wollen den Verzicht auf die Atomkraft in der Schweiz notfalls über eine Initiative erreichen. Die Parteispitze will im Sommer eine Volksinitiative lancieren, wenn bis dahin das Parlament den Atomausstieg nicht beschlossen hat. (sda)

  • 11.42 Uhr  

    Swiss-Maschinen nicht voll ausgelastet

    Die Flugzeuge der Swiss aus Tokio nach Zürich sind nicht voll ausgelastet. Nicht alle Passagiere, für die das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) vorsorglich einen Platz reserviert habe, bestiegen das Flugzeug, sagte Swiss Sprecher Jean-Claude Donzel.

    Im System seien zwar alle 228 Plätze reserviert, sagte Donzel auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. «Das Flugzeug hebt trotzdem nicht voll besetzt ab.» Es seien etwa 60 von 228 Sitzplätzen leer geblieben.

    Die Gründe dafür kenne die Swiss nicht. Es sei möglich, dass es einigen Personen noch nicht gelungen sei, den Flughafen in Tokio überhaupt zu erreichen, sagte Donzel. Die Swiss habe die Preise für Tickets von Tokio nach Zürich nicht erhöht. Die Fluggesellschaft verkauft ab Tokio explizit Einweg-Tickets.

    Das EDA hat bis und mit Sonntag alle verfügbaren Swiss-Sitze gebucht und für Sonntag einen zusätzlichen Charter-Flug geplant, um wegen der drohenden Gefahr eines Super-GAU im japanischen Atomkraftwerk Fukushima Schweizer Bürger in die Heimat zu transportieren. Wie viele Schweizerinnen und Schweizer Japan bereits verlassen haben, ist nicht genau bekannt. (sda)

  • 11.06 Uhr  

    Explosionsgefahr in Reaktor 4

    Offenbar wurde über dem Reaktor 4 des AKW Fukushima Wasserstoff festgestellt. Das meldet «Spiegel online» und beruft sich auf die Vertretung der japanischen Atomwirtschaft JAIF (Japan Atomic Industrial Forum).

    Die gleiche Situation hat in den Reaktoren 1, 2 und 3 der zu mehreren Explosionen.

  • 11.02 Uhr  

    Wettlauf gegen die Zeit

    In der havarierten Atomanlage bleibt die Lage kritisch. Im Reaktor 1 ist der Wasserpegel nach Angaben der japanischen Atomaufsicht NISA inzwischen derart niedrig, dass er von den Messgeräten nicht mehr eindeutig erfasst wird, wie eine Nisa- Sprecherin der Nachrichtenagentur dapd sagte.

    Auch in den Reaktoren 2 und 3 habe sich die Lage nicht verbessert. Dort lägen die Brennstäbe auf 1,40 Meter beziehungsweise bis zu 2,30 Meter frei. Die Gefahr einer Kernschmelze bleibt damit akut. Feuerwehrfahrzeuge des Militärs spritzen weiterhin ununterbrochen tausende Liter Wasser auf die beschädigten Reaktoren, um die Kernbrennstäbe zu kühlen, denen eine Überhitzung droht.

    Japan befindet sich nach den Worten des Chefs der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Yukiya Amano, im Kampf gegen einen Super-GAU in einem Wettlauf gegen die Zeit. Dies sagte Amano nach einem Treffen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Naoto Kan.

    Notstromleitung gelegt

    Trotz der hohen Strahlenbelastung wurde eine erste Notstromleitung in das AKW gezogen. Damit sollen ungeachtet der extremen Zerstörung in den Meilern an einigen Stellen die Kühlkreisläufe wieder gestartet werden. Der AKW-Betreiber Tepco hofft, die Reaktoren 1 und 2 am Samstag mit Strom versorgen zu können.

    Für Sonntag sei auch ein Anschluss der Reaktoren 3 und 4 an das Stromnetz geplant, teilte ein Sprecher der japanischen Atomsicherheitsbehörde Nisa mit. Über den Zustand der Technik in den teilweise völlig zerstörten Reaktorhallen gab es keine genauen Angaben.

    Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA kritisierte die bisherige Informationspolitik Japans zum Fukushima-Drama. Japans Ministerpräsident Naoto Kan sicherte IAEA-Chef Yukiya Amano bei einem Treffen in Tokio zu, die internationale Öffentlichkeit besser über die Entwicklungen zu informieren. Mitarbeiter der IAEA sind erstmals auf dem Weg zum Unglücksmeiler. (sda)

  • 10.33 Uhr  

    Verstärkung für die Helden

    Sie werden die «Fukushima 50» genannt – jetzt bekommen die Männer, die im havarierten Atomkraftwerk in Japan gegen den Super-GAU kämpfen, Verstärkung. Mehr als 120 Männer seien inzwischen am Ort des Geschehens im Einsatz, sagte ein Sprecher der Betreiberfirma.

    Im Verstärkungstrupp seien auch Spezialisten anderer Atomkonzerne, sagte der Sprecher von Tepco der Nachrichtenagentur dpa. Japanische Medien berichteten, es seien rund 140 Feuerwehrleute auf dem Weg zum Kraftwerk, um die Armee zu unterstützen. (sda)

  • 10:19 Uhr  

    Schwere des AKW-Unfalls heraufgestuft

    Die japanische Atomenergiebehörde hat das Reaktorunglück von Fukushima von 4 auf 5 in der 7-stelligen Skala hochgestuft. Stufe 4 beschreibt einen Vorfall mit lokalen Konsequenzen, Stufe 5 ein Unfall mit weitergehenden Folgen.

    Grosse Gefahr in drei Reaktoren

    In der havarierten Nuklearanlage bleibt die Lage kritisch. Im Reaktor 1 ist der Wasserpegel nach Angaben der japanischen Atomaufsicht (Nisa) inzwischen derart niedrig, dass er von den Messgeräten nicht mehr eindeutig erfasst wird, wie eine Nisa-Sprecherin der Nachrichtenagentur dapd sagte.

    Auch in den Reaktoren 2 und 3 habe sich die Lage nicht verbessert. Dort lägen die Brennstäbe auf 1,40 Meter beziehungsweise bis zu 2,30 Meter frei. Die Gefahr einer Kernschmelze bleibt damit akut. Feuerwehrfahrzeuge des Militärs spritzen weiterhin ununterbrochen tausende Liter Wasser auf die beschädigten Reaktoren, um die Kernbrennstäbe zu kühlen, denen eine Überhitzung droht. (DAPD)

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  • 9.36 Uhr – Übersicht  

    Die Hoffnung ruht auf dem Stromkabel

    Der AKW-Betreiber Tepco hofft, die Reaktoren 1 und 2 im Unglücks-AKW von Fukushima morgen mit der wiederhergestellten Stromverbindung versorgen zu können. Das berichtete der Sender NHK.

    In einem Gebäude neben Block 1 sei bereits ein Stromverteiler installiert worden, meldete NHK weiter unter Berufung auf Tepco. Nun werde an einer Verbindung zum Transformator am Block 2 gearbeitet.

    Am havarierten Atomkraftwerk Eins sind seit dem Erdbeben vor einer Woche die Kühlsysteme dreier Reaktoren defekt. Der Strom wird für die Kühlung benötigt, da sonst eine komplette Kernschmelze droht. Über den Zustand der Technik in den teilweise völlig zerstörten Reaktorhallen gab es keine genauen Angaben.

    Unter Beton begraben

    Die Betreibergesellschaft des Unglücksreaktors erwägt erstmals öffentlich, das Kraftwerk unter einer Schicht aus Sand und Beton zu begraben. «Es ist nicht unmöglich, die Reaktoren mit Beton zu überziehen», teilte Tokyo Electric Power mit. Zunächst solle aber versucht werden, den Reaktor abzukühlen.

    Nach der Katastrophe in Tschernobyl wurde ebenfalls mit Sand und Beton eine Deckschicht geschaffen. Vielleicht sei es die einzige Möglichkeit, eine katastrophale Ausbreitung von Strahlung zu verhindern, sagten japanische Ingenieure.

    Die Strahlungsbelastung aus dem schwerbeschädigten Atomkraftwerk bleibt nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) räumlich begrenzt. «Zu diesem Zeitpunkt gibt es weiterhin keinen Hinweis darauf, dass sich die Strahlung über die Zone um die Reaktoren hinaus ausbreitet», sagte der WHO-Vertreter in China, Michael O'Leary. (sda)

  • 8.36 Uhr  

    Zeitung: Angestellte müssen bleiben

    Die japanische Regierung hat den Betreibern des stark beschädigten Atomkraftwerks Fukushima 1 einem Bericht zufolge verboten, seine Mitarbeiter von der Anlage abzuziehen. Wie die Zeitung «Mainichi Shimbun» berichtet, äusserte der Energieversorger Tepco am Montag gegenüber der Regierung Sorge über die Sicherheit seiner Angestellten. Demnach kam das Unternehmen zu dem Schluss, dass es «schwierig» sein werde, das Kraftwerk nach den Explosionen und Bränden an den Reaktoren wieder unter Kontrolle zu bringen.

    Regierungschef Naoto Kan habe aber die Bitte, die Mitarbeiter abziehen zu dürfen, zurückgewiesen. «Eine Abberufung ist unmöglich», zitierte die Zeitung Kan. «Es geht nicht darum, ob Tepco kollabiert, es geht darum, ob Japan zusammenbricht», soll er demnach entgegnet haben. Ein namentlich nicht genannter Vertreter der Betreibergesellschaft sagte dem Blatt, dies bedeute, die Arbeiter sollten sich der Strahlung aussetzen und «sterben».

    In der Anlage Fukushima 1 waren bis zu dem Erdbeben vor einer Woche bis zu 5000 Menschen tätig. Offiziell hat Tepco bisher nicht erklärt, wie viele Arbeiter noch auf dem Gelände des Kraftwerks sind. Berichten zufolge sollen es etwa 70 sein. (AFP)

  • 8.28 Uhr  

    Infografik: Strahlungswerte

    Hier geht es zur Grafik

  • 8.46 Uhr  

    Lage hat sich nicht verbessert

    In Japan haben die Menschen mit einer Schweigeminute der Opfer des Erdbebens und des Tsunamis vor einer Woche gedacht. Unterdessen arbeiten Techniker an der Verlegung eines Starkstromkabels, um den drohenden Super-GAU im Atomkraftwerk Fukushima I zu verhindern.

    (Video: Reuters)

  • 8.23 Uhr  

    Einen Menschen opfern, um Millionen zu retten?

    Bis zu 180 Techniker setzen ihr Leben aufs Spiel, um das Atomkraftwerk unter Kontrolle zu bekommen. Darf man Menschen in den sicheren Tod schicken, wenn das Millionen andere retten würde? Der Moralphilosoph Nikolaus Knoepffler beantwortet die Frage in der «SüddeutschenZeitung».

    Dem Utilitarismus zufolge, der maximales Glück für möglichst viele Menschen anstrebt, wäre es zwingend, ein Menschenleben für viele andere zu opfern. Nach dieser philosophischen Theorie könnte man die Techniker sogar zur Arbeit im Fukushima I zwingen.

    Nach Immanuel Kant hingegen, darf man kein einziges Menschenleben opfern, selbst wenn man damit die ganze Welt retten könnte. Der einzige Ausweg: Die Menschen müssten sich für die risikoreiche Arbeit freiwillig melden. (bru)

  • 7:51 Uhr  

    Deutschland: Drastische Standards geplant

    Die Bundesregierung will die Sicherheitsnormen für die deutschen Atomkraftwerke laut einem Medienbericht so deutlich erhöhen, dass dies zum Aus für alle Akw führen könnte. Der neue Katalog fordert den Angaben zufolge unter anderem hochwasser- und erdbebensichere Atomkraftwerke. Auch Flugzeugabstürze dürfen demnach keine Gefahr mehr darstellen; Notstromdieselaggregate, Rohrleitungen und Notstandssysteme müssten verbunkert werden. (dapd)

  • 7.50 Uhr  

    Video zeigt Zerstörung in Fukushima I

    Die Betreiberfirma Tepco hat gestern Bilder veröffentlicht, welche die Schäden an Reaktor 3 zeigen.

    (Video: Reuters)

  • 7:48 Uhr  

    WHO: Strahlenrisiko ausserhalb Fukushimas gering

    Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation bleibt das Risiko der Strahlenbelastung nach dem Reaktorunglück in Japan lokal begrenzt. Es gebe «keine Hinweise auf eine signifikante Verbreitung von radioaktivem Material» abseits der unmittelbaren Umgebung des Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi, sagte der Leiter der WHO in China, Michael O'Leary.

    Ausserhalb einer Zone von 30 Kilometern rund um das Kraftwerk besteht nach Auffassung von Gesundheitsexperten nur ein geringes Risiko. Dennoch überwachen China und andere asiatische Länder das Strahlungsniveau nun gründlicher als zuvor.

  • 7:01 Uhr  

    Indien für weltweite Sicherheitsprüfungen

    Angesichts der drohenden Reaktorkatastrophe in Japan unterstützt Indien eine weltweite Überprüfung der Sicherheit von Atomenergie. Die Ereignisse in Fukushima «sollten uns dazu veranlassen, die Strategien für nukleare Sicherheit zu überdenken», sagte der indische Ministerpräsident Manmohan Singh in Neu-Delhi. Für die 20 indischen Atomkraftwerke hatte Singh bereits zuvor eine Sicherheitsüberprüfung angeordnet. (dapd)

  • 6:31 Uhr  

    Vorbereitungen für Bewässerung des Reaktors

    Militärhelikopter und Feuerwehrwagen sind einsatzbereit, um weiterhin Wasser auf das Akw 250 Kilometer nordöstlich von Tokio zu sprühen. Regierungssprecher Yukio Edano sagte auf einer Pressekonferenz in Tokio, gestern sei Wasser auf Reaktor 3 abgeworfen worden. Es bestehe kein Zweifel daran, dass dort Wasser ins Kühlbecken gelangt sei, es sei aber unklar, wieviel. «Wir werden weitermachen und heute Nachmittag wieder Wasser auf den Reaktor schütten», sagte er, «Reaktor 3 ist unsere oberste Priorität.»

    In den dortigen Brennelementen befindet sich hochgefährliches Plutonium. Ein Sprecher der Akw-Betreiberfirma Tepco äusserte sich optimistisch über die bisherigen Versuche, die Reaktoren zu kühlen. «Als wir Wasser ausgeschüttet haben, haben wir Dampf aus der Anlage entweichen sehen. Wir denken, das Wasser hat die Hitze verringert. Wir denken, es gab eine gewisse Wirkung.»

    Eine Stromleitung zum Atomkraftwerk Fukushima 1 ist nach Angaben von Tepco fast fertiggestellt. Wenn das Akw wieder mit Strom versorgt werden kann, sollen elektrische Pumpen in Gang gesetzt werden, mit denen Wasser in die Kühlbecken gepumpt werden soll. (dapd)

  • 6:06 Uhr  

    Weisser Rauch aus beschädigtem Reaktor

    Aus einem der beschädigten Reaktoren im japanischen Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi steigt weisser Rauch auf. Das teilte die japanische Attomaufsichtsbehörde am Freitag mit. Es handele sich um Block 2, sagte ein Sprecher. Die Ursache sei nicht bekannt. (dapd)

Erstellt: 18.03.2011, 06:15 Uhr

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76 Kommentare

Astrid Meier

18.03.2011, 11:46 Uhr
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@Joe Amberg: Sehr wahr. Und, das gilt für unser Finanzsystem auch... Antworten


Guido Bleiker

18.03.2011, 10:53 Uhr
Melden

In wenigen Monaten wird man bereits wieder mit Stromlücke, Arbeitsplatzverlust, grünen Fantasten, und Energieautonomieverlust drohen. Und weil wir so schön manipulierbar und egoistisch sind (ich weiss, dass das niemand gerne hört – ist dennoch so und ich nehme mich davon nicht aus), spuren wir ein und hoffen, dass auch die nächste Krise oder Katastrophe an einem anderen Ort stattfinden wird. Antworten