Ausland
Alle Welt spricht von Obama ausser Kuba
Von Oscar Alba. Aktualisiert am 11.11.2008 10 Kommentare
Seit Tagen dreht sich die Welt um Barack Obama. Ausser in Kuba. Die kleine Insel neben den grossen Vereinigten Staaten von Amerika tut so, als wär nichts gewesen. Am Tag nach der historischen Wahl in den USA lieferten Kubas staatliche Zeitungen, Radios und Fernsehkanäle ihrem Volk folgende Schlagzeile und Hauptnachricht: Heute vor 50 Jahren wurde in der Sierra Miestra eine weitere Guerillafront im glorreichen Kampf für die Revolution gegründet. Obamas glorreicher Sieg war eine Notiz unter vielen anderen.
Die Welt kommentiert und gratuliert, das offizielle Kuba schweigt. Sogar Fidel Castro. Er und seine treuen Ideologen und Meinungsführer hatten in den letzten Monaten immer wieder über die USA, deren Kuba-Politik und die Präsidentschaftskandidaten geschrieben. Am Tag der Wahl erschien Fidels letzter Text zu diesem Thema. Er schrieb, Obama sei «ohne Zweifel klüger, gebildeter und ausgeglichener» als McCain. Der Republikaner hingegen sei «alt, kriegerisch, ungebildet und wenig intelligent». Jetzt ist der Klügere gewählt, und die gespenstische Ruhe in Kuba erweckt den Eindruck, als wäre der weniger Intelligente Fidel und seinen Getreuen lieber gewesen.
McCain wäre der perfekte Feind gewesen, und der Kampf gegen den Feind ist den Castros vertraut. Darin sind sie bis heute ungeschlagen. Seit 50 Jahren. Zehn US-Präsidenten haben sich an Kuba die Zähne ausgebissen. Jetzt kommt Obama, und die alten Kämpfer auf der Karibikinsel wissen nicht, was auf sie zukommt. Was tun, wenn der nun plötzlich freundlich die Hand ausstreckt?
Darauf hoffen viele Menschen in Kuba. Dass Obama Schluss macht mit dem ewigen Krieg und dem Wirtschaftsembargo, unter dem das Land leidet und mit dem die kubanische Führung so oft von eigenen Fehlern und Problemen ablenkt. Dass es der neue, junge Mann in Washington schafft, die alten Kommunisten in Havanna zu knacken. Wohl noch nie waren im kubanischen Volk die Erwartungen an einen neuen amerikanischen Präsidenten so gross.
Die Wahlnacht und die vergangenen Tage haben viele Kubanerinnen und Kubaner bei Nachbarn vor Radios und Fernsehgeräten verbracht, die per Satellit illegal Nachrichtensender aus den USA empfangen können. Da und dort wurde privat hinter verschlossenen Türen und in Residenzen von ausländischen Diplomaten und Geschäftsleuten mit Rum und Mojito auf den Wahlsieg des Demokraten angestossen. An einem Kulturabend der nationalen Schriftsteller- und Künstlervereinigung in Havanna sprach man nur von einem: Obama. «Alle hoffen», so ein Musiker, «dass der erste schwarze Präsident der USA eine gescheitere Kuba-Politik betreibt als alle seine weissen Vorgänger.»
Auf der Insel ist niemand erstaunt über das Schweigen der Revolutionäre. Freundliche Worte an die Vereinigten Staaten und ihre Präsidenten hat es seit Jahrzehnten keine mehr gegeben. Am Wochenende hat sich Fidel Castro wieder mit einer seiner geschriebenen und in den Staatsmedien veröffentlichen «Reflexionen» gemeldet. Aber kein Wort über Obama, sondern nur über Paloma - nach Gustav und Ike der dritte Hurrikane, der über Kuba fegt und den Menschen das Leben noch schwerer macht, als es ohnehin schon ist. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.11.2008, 16:13 Uhr
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10 Kommentare
Tja, was will nun Fidel seinen Mannen erzählen? Vorerst nichts. Man muss nun schauen was kommt. Obama ist ein Amerikaner und somit erstmal Feind. Und dann wäre noch ein Ölfeld im Norden Kubas. So und jetzt abwarten. Hoffentlich tun die zwei Politiker das richtige. Ich bete für die beiden und einen Neuanfang. Es lebe die Revolution! Antworten
Die USA sollte das Verhältnis zu Kuba wie auch zu anderen mittel- und südamerkianischen Staaten verbessern. Die angespannte Lage treibt viele Länder in kommunistisch geführte Regierungen wie Venezuela, Bolivien etc., was sich weder für dessen Bevölkerung noch für die wirtschaftliche Zusammenarbeit ausbezahlt. Antworten





