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«Es geht eigentlich nicht mehr um Moussavi»
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Im Iran mehren sich die Zeichen, dass sein Rebellen-Image sich trübt: Während seine Anhänger der Staatsmacht die Stirn bieten, zögert Moussavi, sich vom Wahlkämpfer zum Agitator der Massen zu wandeln.
Sein Ruf hat auch damit zu tun, wohin sich der bislang beispiellose Sturmlauf gegen das islamische Regime entwickelt. Seit Moussavi vorige Woche den Protest Zehntausender gegen den vermuteten Wahlbetrug anführte, sind die Demonstrationen erheblich kleiner geworden. Zugleich lassen zunehmende Drohgebärden und der Waffengebrauch der Sicherheitskräfte keinen Zweifel daran, dass die Obrigkeit hart zurückschlägt.
Kein klares Signal
Eine Versammlung von etwa 200 Menschen am Montag wurde mit Tränengas und Warnschüssen rasch aufgelöst. Am Dienstag beliessen es die Demonstranten bei Hupkonzerten, Rufen von den Dächern und Protestplakaten. Es hatte den deutlichen Anschein, als ob die Staatsgewalt die Oberhand gewinnt - zumindest vorerst. Den Protest zu ersticken, würde den Revolutionsgarden wohl noch mehr Auftrieb geben und die reformwilligen Kräfte auf Jahre hinaus unter Druck setzen.
Doch es wäre voreilig, die Oppositionsbewegung für gescheitert zu erklären. Organisatoren erwägen eine weitere Grosskundgebung, möglicherweise am (morgigen) Donnerstag, um der Bewegung wieder Schwung zu verleihen und ihre Entschlossenheit zu demonstrieren. Zudem scheinen sie über Moussavis Forderung nach Neuwahlen hinauszugehen und ihren Zorn gegen das theokratische Machtgefüge insgesamt zu richten. Ein klares Signal Moussavis indes ist bislang ausgeblieben.
Seine zwiespältigen Ansagen diese Woche irritierten viele Anhänger. Er rief sie auf, weiterhin eine Annullierung des Wahlergebnisses zu verlangen, bekundete zugleich aber seine Achtung vor dem islamischen System und bezeichnete gar die für ihr hartes Vorgehen gegen Demonstranten berüchtigten Basij-Milizen als «unsere Brüder». Auf wachsende Distanz zu Moussavi lässt auch schliessen, dass die Kennfarbe seiner «grünen Welle» bei den jüngsten Demonstrationen deutlich seltener zu sehen war. Protestparolen richteten sich weniger gegen das Wahlergebnis denn gegen die Herrschenden insgesamt und - früher unvorstellbar - den geistlichen Führer Ayatollah Ali Khamenei im Besonderen.
«Es reicht!»
Sollte die Bewegung sich in militante Regimegegner und systemkonforme Reformer spalten, hätte das vermutlich weitere Konfrontationen zur Folge; zugleich wären die zersplitterten Kräfte leichter angreifbar. «Es geht eigentlich nicht mehr um Moussavi», findet Ali Nader, Iran-Spezialist der Denkfabrik Rand Corporation. «Das Volk hat seine Unzufriedenheit mit dem System zum Ausdruck gebracht. Man könnte behaupten, dass der Iran den Punkt erreicht hat, an dem das Volk sagt: Es reicht!»
Moussavi und die Demonstranten sind ohnehin eine merkwürdige Kombination: Hier der 67-jährige altgediente Ministerpräsident aus den Anfangsjahren der islamischen Revolution, da die weltoffene Jugend auf der Suche nach einem Hoffnungsträger. Moussavi mangelte es zwar an Charisma und Visionen, doch er war noch ihre beste Chance. «Ein zufälliger Held», charakterisiert ihn Rasool Nafisi, Professor für Iran-Kunde in Virginia. «Er ist wirklich keine ausgewiesene Führungspersönlichkeit für die Reformer oder für die Opposition.»
«Ihr Leben riskiert»
Bei denen, die Moussavi gewählt haben und für ihn auf die Strasse gegangen sind, macht sich allmählich Unmut breit. «Die Leute haben für ihn ihr Leben riskiert, und manche sind gestorben», sagt eine Teilnehmerin der Demonstrationen in Teheran, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte, der Nachrichtenagentur AP am Telefon. «Ob er unser Anführer ist? Ich würde gerne ja sagen. Aber ich weiss wirklich nicht, was ich darauf jetzt antworten soll.» (Brian Murphy/ap)
Erstellt: 24.06.2009, 14:52 Uhr
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