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Wie Ahmadinejad die Frauen unterdrückt
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Der Widerstand vieler Iranerinnen gegen die Vorschriften der sittenstrengen Gottesmänner zeigte sich jahrelang in Kleinigkeiten: einem keck verrutschten Kopftuch, leuchtend lackierten Fingernägeln oder modischer Kleidung, die unter dem sackartigen Übergewand hervorlugt.
Solche Aufmüpfigkeiten werden inzwischen überlagert durch andere Bilder. Sie zeigen, wie Frauen bei den Wahlprotesten mit den Männern marschieren, wie Frauen mit vierschrötigen Milizionären rangeln, wie eine junge Frau namens Neda tödlich getroffen zu Boden sinkt: Frauen sind bei den Demonstrationen der Oppositionsbewegung ganz vorn dabei.
«Sie werden wirklich unterdrückt»
Es ist fraglich, ob sie diese Position wieder aufzugeben bereit sind, die den Hardlinern der Regierung noch Kopfschmerzen bereiten dürfte. «Iranische Frauen sind durchsetzungsstark, und sie wollen ihre Freiheit», sagt eine Teheranerin, die nach eigenen Worten an den Demonstrationen teilgenommen hat. Wie alle für diesen Bericht befragten Frauen im Iran möchte sie ihren Namen nicht genannt haben, um keinen Ärger zu bekommen. «Sie werden wirklich unterdrückt, und sie müssen darüber reden.»
Die Wahl schafft einen Anlass, dem Frust Luft zu machen. Neben dem vermuteten Wahlbetrug haben viele der 35 Millionen Iranerinnen noch ganz anderen Grund zum Zorn. Ihnen graut es vor einer zweiten Amtszeit des Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad, der schon 2005 mit dem Versprechen angetreten war, «islamischen Werten» wieder Geltung zu verschaffen. «Die Wurzel der derzeitigen Unruhen ist die Unzufriedenheit und Enttäuschung der Leute über ihre Misere, die bereits vor der Wahl herrschte», glaubt Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi. «Weil Frauen in der Gesellschaft am unzufriedensten sind, ist ihre Präsenz am deutlichsten.»
«Märtyrerin der Demokratie
Zu den Prominentesten, die dabei verhaftet wurden, zählte die Tochter des Ex-Präsidenten Hashemi Rafsanjani. Und zur Ikone der Protestbewegung wurde Neda Agha-Soltan, erschossen am Rand einer Demonstration. «Sie repräsentiert die Jugend, die mit so viel Hoffnung und Idealismus da hin gegangen sind», sagt Siba Mir-Hosseini, die an der Londoner Universität über die Lage der Frauen im Iran forscht. «In gewisser Weise ist sie der erste weibliche Märtyrer. Sie ist eine Märtyrerin der Demokratie.»
Wie die Regierung auf diese Entwicklungen reagiert und ob sie die Politik überhaupt beeinflussen, bleibt abzuwarten. Frühere reformfreundlichere Regierungen hatten es stillschweigend geduldet, wenn die Kopftücher immer lässiger getragen wurden, und mehr Freiheiten gewährt als beispielsweise im konservativen Saudiarabien. Frauen dürfen zwar nicht für das Präsidentenamt oder religiöse Positionen kandidieren, sind aber im Parlament und anderen öffentlichen Ämtern vertreten und stellen rund zwei Drittel der Studentenschaft.
Moussavis Ehefrau macht Mut
2006 startete eine Gruppe von Frauen eine Unterschriftenkampagne für Gleichberechtigung. Vor der Präsidentschaftswahl setzte sich ein breites Frauenbündnis dafür ein, dass die Bewerber in ihren Wahlprogrammen die Frauenförderung berücksichtigen. Die Kandidatur Moussavis mit seiner progressiven Haltung in Frauenfragen und seinen - für den Iran höchst ungewöhnlichen - gemeinsamen Auftritten mit seiner Frau Sahra Rahnaward machte ihnen Mut.
Rahnaward, die 2006 von Hardlinern aus ihrem Amt als Kanzlerin der Al-Sahra-Universität gedrängt worden war, machte mit ihrem Mann zusammen Wahlkampf, trat in Wahlkampfspots auf und wurde selbst von politischen Gegnern aufs Korn genommen. «Zum ersten Mal konnte man in einem Präsidentschaftswahlkampf einen Mann gemeinsam mit seiner Frau auftreten sehen», erklärt Mir Hosseini. «Bei vielen dieser Auftritte hielten sie Händchen - das war ein grosser Tabubruch.»
Kleidervorschrift «grösste Beleidigung»
Unter Ahmadinejad dagegen wurden Vorschriften erlassen, die es Frauen erschweren, länger zu arbeiten oder Überstunden zu machen, und die viele in Teilzeitjobs drängten. Voriges Jahr präsentierte seine Regierung einen Gesetzentwurf mit dem Ziel, Männern die Vielehe zu erleichtern. Über 60 Mitwirkende der Unterschriftenkampagne für Frauenrechte wurden verhaftet.
Nicht zu vergessen die Kleiderfrage. Unter Ahmadinejad sind die Regeln strikt einzuhalten, Frauen haben das Haar vollständig zu bedecken und locker sitzende, lange Übergewänder zu tragen. Für modische Keckheiten droht Verhaftung. «Das ist die grösste Beleidigung für eine Frau, dass irgendjemand ihr vorschreiben darf, was sie anziehen soll», empört sich die 34-Jährige aus Teheran. «Heutzutage können sich viele Menschen ganz leicht in der Welt umschauen, wie man in anderen Ländern friedlich und ohne Zwang lebt. Wir kennen unsere Grundrechte als Menschen und besonders als Frauen.» (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.06.2009, 15:22 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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