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17 AKW machen Überstunden
Aktualisiert am 05.09.2010 9 Kommentare
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Nach monatelangem Gerangel haben sich Union und FDP auf eine Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke geeinigt. Je nach Baujahr sollen die Reaktoren unterschiedlich lange weiterlaufen, wie Regierungskreise am Sonntagabend berichteten. Im Gegenzug müssen die grossen Energiekonzerne wie geplant ab 2011 die Brennelementesteuer von 2,3 Milliarden Euro jährlich zahlen – allerdings nur befristet auf einige Jahre. Ergänzend wird ein neuer «Sonderbeitrag» zur Förderung erneuerbarer Energien fällig, auf den sich die Atomkonzerne vertraglich festlegen sollen.
Details der Einigung wollten Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) gegen Mittenacht vorstellen. Kanzlerin Angela Merkel will sich erst Montagvormittag äussern. Die CDU-Chefin hatte selbst zehn bis 15 Jahre längere Laufzeiten ins Gespräch gebracht - über die derzeit geltende Frist bis etwa 2021 hinaus.
Mehrere hundert Atomkraftgegner
Die längeren Laufzeiten sollen nach Baujahr der Atomkraftwerke gestaffelt werden. Dabei will die Regierung die 17 deutschen Atommeiler in zwei Gruppen unterteilen.
Mehrere hundert Atomkraftgegner begleiteten die mehrstündigen Beratungen im Kanzleramt mit lautstarkem Protest. SPD, Grüne und Linke kritisierten, die schwarz-gelbe Koalition betreibe Lobbyismus zugunsten der Stromkonzerne, nur um deren Profite zu sichern.
Regierungskreisen zufolge hat ein gemeinsames verfassungsrechtliches Gutachten des Innen- und Justizministeriums ergeben, dass die Laufzeiten problemlos um zehn Jahre verlängert werden könnten, ohne den Bundesrat beteiligen zu müssen. Auch Fristen bis zu 16 Jahren seien noch denkbar. In der Länderkammer hat die schwarz-gelbe Regierungskoalition keine Mehrheit mehr, deshalb will sie die Laufzeitverlängerung im Alleingang beschliessen.
Den Atomausstieg hatte die rot-grüne Bundesregierung im Jahr 2000 mit den Energieversorgern vereinbart und 2002 gesetzlich verankert. Das Ausstiegsgesetz sieht für jeden der damals noch 19 produzierenden Atommeiler sowie für den bereits 1988 abgeschalteten Reaktor Mülheim-Kärlich eine Strommenge vor, die noch produziert werden darf, bevor die Betriebserlaubnis erlischt. Daraus ergaben sich durchschnittliche Laufzeiten von 32 Jahren. Das letzte deutsche Atomkraftwerk sollte auf dieser Berechnungsgrundlage etwa 2021 vom Netz gehen.
Stade und Obrigheim abgeschaltet
Die Meiler in Stade und Obrigheim wurden nach dem Atomkonsens planmässig 2003 und 2005 abgeschaltet. Somit sind nun noch 17 Atomkraftwerke in fünf Bundesländern am Netz. Wegen Wartungsarbeiten oder Pannen wie in Krümmel oder Biblis waren viele Reaktoren aber zum Teil längere Zeit nicht in Betrieb. Deshalb wurden die Reststrommengen nicht so schnell produziert, wie noch 2002 angenommen, und das theoretische Enddatum 2021 hat sich bereits nach hinten verschoben.
Nach dem Atomgesetz wären die nächsten Kandidaten für die Abschaltung die hessischen Reaktoren Biblis A und B und Neckarwestheim 1. Danach folgen Brunsbüttel, Isar 1, Unterweser und Philippsburg 1. Der Pannenreaktor Krümmel könnte theoretisch noch bis 2018 laufen.
Union und FDP haben sich im Koalitionsvertrag zu längeren Atomlaufzeiten bekannt. Sie sehen die Kernkraft als «Brückentechnologie» bis zum verstärkten Einsatz von erneuerbaren Energien. (bru/dapd (Torsten Holtz)/)
Erstellt: 05.09.2010, 22:21 Uhr
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9 Kommentare
Zur Gefährlichkeit von Kernkraftwerken sei gesagt, wieviel Tote haben wir in der Schweiz und in Deutschland zu beklagen die den Kraftwerken direkt zuzuordnen sind???? Keine soviel ich weiss in 40 Jahren. Warum wird das arbeiten im Haushalt, das arbeiten im Beruf, Sport, Autofahren, Zugfahren nicht verboten???? Antworten
@ Benedikt Jorns: Komma verrutscht, oder? Mit 18 Prozent für das Jahr 2008 lägen Sie für D richtig. Siehe Bundesamt für Statistik! Für das Jahr 2009 bzw. 2010 dürften der Anteil in D ehr noch höher sein! Wahrscheinlich sind die restlichen von Ihnen veröffentlichten Daten dann auch etwas anzuzweifeln. Antworten
Nun ja, kennen wir alle Fakten? Wie auch immer, wo bleibt da, bei diesem Entscheid, die Rechtssicherheit, das Vertrauen in Regierungsbeschlüsse. Niemand mehr kann kann sich auf Regierungsentscheidungen verlassen, niemand! Keine juristischen und keine natürlichen Personen. Alles wird dem finanziellen Profit (offensichtlich) geopfert. Erst wenn der letzte Fisch...dass man Geld nicht essen kann. Antworten
Frau Merkel lässt sich bewusst über den Tisch ziehen. Die 4 Energieriesen verdienen sich "dumm und dusslig" mit abgeschriebenen A-Werken - und der Stromkunde zahlt dem Kartell mehrfach überhöhte Energiepreise. - Ein Endlager ist immer noch nicht in Sicht - genau wie in der Schweiz. Arme Kinder und Kindeskinder, ihr müsst "diese Suppe" einmal auslöffeln. - Und das wollen Erwachsene sein! Antworten
Nun hat die Realität Deutschland eingeholt. Trotz bewundernswerter und massiver Förderung der erneuerbaren Energien (Wind und Sonne) kann jeder Primarschüler ausrechnen, dass trotz gebetsmühlenartigem Vorbeten von Hoffnungstechnologien die Kernenergie noch lange nicht ersetzt werden kann. Wann wird man das auch in der Nordwestschweiz realisieren? Antworten
Die beschlossene Regel bewirkt, dass ausgerechnet die pannenanfälligsten AKWs am längsten am Netz bleiben. Mehr Sicherheit böte eine Gesamt-Strommenge, welche auf alle AKWs verteilt wird, wobei bei Pannen das unsichere AKW Stromkontingente an die sichereren AKWs abzutreten hätte. Antworten
In Deutschland deckten die Fotovoltaik und die Windkraft 2009 zusammen trotz starker Subventionierung nur 1.8% des Gesamtenergiebedarfs bzw. 8.64% des benötigten Stroms ab. Die Energieversorgung der Zukunft braucht alle drei: Energieeffizienz, erneuerbare Energie und Kernenergie. Auch für diese gibt’s praktisch unbegrenzt Brennstoff (Uran-235, Uran-238, Thorium-232, Deuterium und Tritium). Antworten
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Andreas Egli
@B. Zugger: Wenn Sie schon das Bundesamt für Statistik (D) anführen, sollten Sie wenigstens auch die dort genannten Zahlen verwenden. Für 2008 machten alle alternative Energieträger in Deutschland 8,7% der gesamten Primärenergie aus. Anzumerken bleibt, dass die Schweiz mit der Wasserkraft hier einen besseren Wert erreicht, mangels Küstenwinde dafür bei der Windenergie nicht dasselbe Potential hat. Antworten