Ausland

27 «Barbaren» stehen heute in Paris vor Gericht

Von Rudolf Balmer, Paris. Aktualisiert am 29.04.2009

Im Glauben, alle Juden seien reich, haben Mitglieder einer Bande einen jungen jüdischen Telefonverkäufer entführt, um Geld von seinen Eltern zu erpressen.

Trauer: In Paris ging die Bevölkerung für Ilan Halimi auf die Strasse.

Trauer: In Paris ging die Bevölkerung für Ilan Halimi auf die Strasse.
Bild: Keystone

Youssouf Fofana wollte in seinem Quartier «Pierre-Plate» in Bagneux, einem Vorort im Süden von Paris, ein «Caïd» sein, ein respektierter und gefürchteter Gangsterboss wie im Film. Im Verlauf der Verhandlungen, die heute in Paris beginnen, versuchen die Geschworenen zu verstehen, wie aus dem kleinen geltungssüchtigen Vorstadtkriminellen das monströse «Hirn der Barbaren» werden konnte. So bezeichnete sich der damals 25-jährige Fofana selber, als er seinen Plan umsetzte, durch Entführung und Erpressung eines Juden schnell viel Geld zu machen.

Lockvögel

Wie so manche Vorstadtjugendliche glaubte der in Paris geborene, aber aus der Elfenbeinküste stammende Fofana an das rassistische Klischee, dass «die Juden» Geld hätten und bereit wären, für die Freilassung zu bezahlen. Für dieses Szenario hatte er mehrere Mädchen als Lockvögel gefunden. Mehr als ein Mal scheiterte aber die Umsetzung. Für den 23-jährigen Telefonhändler Ilan Halimi entpuppte sich das Rendezvous am 21. Januar 2006 mit einer Frau schnell als tödliche Falle der «Gang der Barbaren ».

Fofana hatte dieses Mal alles vorbereitet und die nötigen Helfer mit der Aussicht auf schnellen Gewinn angeworben. Halimi wurde mit Klebebändern gefesselt und geknebelt. Ein leere Wohnung in der Siedlung «Pierre-Plate» diente als Gefängnis. Die 17- bis 32-jährigen Mitglieder der Bande lösten sich ab, um Halimi zu bewachen und mit diversen Folterungen zum Sprechen zu bringen. Mit einem hatten Fofana und seine Komplizen nicht gerechnet: Dass Halimis Eltern keineswegs so vermögend waren, um die Lösegeldforderungen zu erfüllen.

Ilan Halimi war während 24 Tagen so schwer misshandelt worden, dass er halbtot war, als die «Barbaren» beschlossen, sich ihrer nutzlos geworden Geisel zu entledigen. Am 13. Februar liessen sie ihn an einem Bahngleis nackt, mit zahlreichen Schnitt- und Brandverletzungen liegen. Er starb noch während des Transports ins Krankenhaus.

Alle gefasst

Sehr schnell wurden die meisten Mitglieder der «Gang der Barbaren» festgenommen. Fofana lehnte bisher die Zusammenarbeit mit allen Anwälten ab. Nach Ansicht seines aus dem Kongo stammenden Ex-Anwalts Pascal Missamou habe Fofana «weder eine afrikanische noch eine islamische Kultur», sondern sei ein «Produkt der französischen Vorstadtgesellschaft», mitsamt deren antisemitischen Ressentiments.

Da einer der Angeklagten zur Tatzeit minderjährig war, findet der Prozess hinter verschlossenen Türen statt. Dies bedauert Ruth Halimi, die Mutter des Ermordeten. Sie hätte eine öffentliche Verhandlung gewünscht. (Basler Zeitung)

Erstellt: 29.04.2009, 08:54 Uhr

Ausland

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.