Ausland

Abdeslam wollte sich im Stade de France in die Luft sprengen

Aktualisiert am 19.03.2016

Der mutmassliche Paris-Attentäter Salah Abdeslam ist festgenommen worden. Am 13. November hätte er einen Selbstmordanschlag verüben sollen – machte aber einen Rückzieher.

1/18 Am Ort des Massakers, im Bataclan soll einer der Terroristen zwischen den Gewehrsalven auf der Bühne Xylophon gespielt haben. (Archiv)

   

  • Überblick  

    • Der Paris-Attentäter Salah Abdeslam ist bei einem Anti-Terroreinsatz in Brüssel angeschossen und lebend gefasst worden.

    • Vier weitere Verdächtige festgenommen.

    • Im Stadtteil Molenbeek hat es zwei Explosionen gegeben.

    • Abdeslam soll eine Schlüsselrolle bei der Ausführung der Pariser Attentate gespielt haben.

    • Im Oktober hatte die Polizei in Ulm Abdeslam überprüft und seine Fingerabdrücke genommen.

    • Der 26-Jährige mietete in Paris Wohnungen und Autos für die Attentäter.

    • Abdeslam wehrt sich gegen die Auslieferung nach Frankreich

  • Erstes Geständnis  

    Der in Brüssel gefasste mutmassliche Paris-Attentäter Salah Abdeslam wollte sich nach Angaben der französischen Staatsanwaltschaft bei den Anschlägen am 13. November ursprünglich in die Luft sprengen. Dies habe der 26-Jährige nach seiner Festnahme am Freitag in Brüssel den belgischen Ermittlern gesagt, teilte der Pariser Staatsanwalt François Molins am Samstag in Paris mit. Abdeslam habe dann aber einen Rückzieher gemacht.

  • Ein Telefonanruf zu viel  

    Gemäss der französischen Tageszeitung «Le Monde» soll ein Telefonanruf die Polizei zum flüchtigen Salah Abdeslam geführt haben. Abdeslam habe einen Freund kontaktiert, damit dieser ihm helfe, ein neues Versteck zu finden, schreibt die Zeitung. Weil dieses Telefonat offensichtlich abgehört und lokalisiert werden konnte, ist es den belgischen Behörden schliesslich gelungen, den europaweit gesuchten Abdeslam in einer Wohnung in Molenbeek festzunehmen.

  • Anklage  

    Gegen den in Brüssel gefassten mutmasslichen Paris-Attentäter Abdeslam ist in Belgien offiziell ein Ermittlungsverfahren wegen Terrorvergehen eingeleitet worden. Dem 26-Jährigen würden «terroristische Morde» sowie die «Teilnahme an Aktivitäten einer terroristischen Gruppe» vorgeworfen, teilte die belgische Staatsanwaltschaft am Samstag mit.

    Abdeslam wurde demnach am Nachmittag einem Untersuchungsrichter vorgeführt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde auch ein gemeinsam mit Abdeslam am Freitag festgenommener Komplize wegen dieser beiden Vergehen offiziell beschuldigt und inhaftiert.

  • Abdeslam wehrt sich gegen Auslieferung  

    Salah Abdeslam will sich nach Angaben seines Anwalts gegen die drohende Auslieferung nach Frankreich wehren. Verteidiger Sven Mary sagte nach einer Anhörung am Sitz der Bundespolizei in Brüssel, sein Mandant kooperiere mit der belgischen Justiz. Demnach wurde er offiziell wegen der Pariser Anschläge beschuldigt und in vorläufige Haft genommen. Frankreich bitte nun um die Auslieferung von Abdeslam, sagte der Anwalt vor Journalisten weiter. «Ich kann Ihnen bereits jetzt ankündigen, dass wir seine Auslieferung nach Frankreich ablehnen werden.»

    Gemäss «Le Soir» bestätigt Abdeslam, dass er am 13. November in Paris war.


  • Erleichterung bei Familie  

    Nach der Festnahme des mutmasslichen Paris-Attentäters Salah Abdeslam in Brüssel hat sich dessen Familie erleichtert gezeigt. Die Anwältin von Salahs Bruder Mohammed sagte im belgischen Fernsehen, ihr Mandant wolle im Namen seiner Familie die Botschaft übermitteln, dass alle ein «Gefühl der Erleichterung» verspürten. In erster Linie fühle die Familie so, weil Abdeslam lebend gefasst wurde, sagte die Anwältin Nathalie Gallant dem Sender RTBF. «Das war eine ihrer Hoffnungen.» Erleichtert sei die Familie aber auch deshalb, weil die Jagd auf den 26-Jährigen nun ein Ende habe. Seit vier Monaten habe das Umfeld des Gesuchten unter einem dauerhaften Druck gestanden.


  • Auslieferungs-Antrag am Wochenende  

    Französische Richter könnten bereits an diesem Wochenende bei der belgischen Staatsanwaltschaft einen Antrag auf Auslieferung des Parisattentäters einreichen. Französische und belgische Anti-Terror-Staatsanwälte wollten am Samstag eine Telefonkonferenz abhalten, bei der unter anderem über Abdeslams Auslieferung gesprochen werden sollte, wie ein Sprecher der belgischen Staatsanwaltschaft, Thierry Werts, sagte.

  • Befragung in Belgien  

    Abdeslam soll von belgischen Ermittlern befragt werden, sobald Ärzte ihn dazu für fit genug befinden. Möglicherweise sind dabei auch französische Behördenvertreter anwesend. Nach Angaben des belgischen Staatsanwalts Eric Van der Sypt (Bild) hat ein Untersuchungsrichter nach der Festnahme 24 Stunden Zeit, um einen Haftbefehl zu erlassen. Doch könne diese Frist um einen weiteren Tag verlängert werden. Anschliessend muss Abdeslam vor einem Gericht erschienen, das darüber entscheiden wird, ob er bis zu einen weiteren Monat in Haft bleibt.

    «Wenn er anfängt zu reden, dann nehme ich an, dass das bedeuten wird, dass er länger in Belgien bleibt», sagte Van der Sypt über Abdeslam. Doch «früher oder später wird er an Frankreich ausgeliefert». Ministerpräsident Michel sagte, dass seine Regierung keine «politischen Einwände» dagegen habe, Abdeslam den Franzosen zu übergeben. Doch wolle man das belgische Justizverfahren respektieren, das «mindestens ein paar Wochen» dauern könne.

  • Bedeutender Schlag gegen IS  

    Für den französischen Innenminister Bernard Cazeneuve ist die Festnahme des mutmasslichen Paris-Attentäters Salah Abdeslam ein Sieg gegen den Terrorismus in Europa. Die Operationen der vergangenen Tage haben «mehrere Individuen von extremer Gefährlichkeit und Entschlossenheit» ausser Gefecht gesetzt, wie Cazeneuve am Samstag nach einer Sitzung des Verteidigungsrates sagte.

    Die Festnahme sei ein bedeutender Schlag gegen die Terrormiliz Islamischer Staat in Europa. Ziel des von Präsident François Hollande nach der Festnahme von Abdeslam in Brüssel einberufenen Verteidigungsrates sei es gewesen, eine erste Bilanz der Anti-Terror-Razzien in Belgien zu ziehen und über weitere Massnahmen in Frankreich und Europa gegen den Terrorismus zu beraten, erklärte er weiter.

    Frankreich warte nun darauf, dass Abdeslam vor der französischen Justiz zur Verantwortung gezogen werde. Hollande hatte Belgien am Freitag gebeten, Abdeslam so schnell wie möglich auszuliefern.

  • Komplizen in Ulm abgeholt?  

    Abdeslam hat offensichtlich im vergangenen Herbst in Ulm mögliche Komplizen abgeholt. Wie der Südwestrundfunk unter Berufung auf polizeiliche Ermittlungen berichtete, fuhr er in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober mit einem auf seinen Namen angemieteten Wagen nach Ulm und offenbar nach nur rund einer Stunde wieder zurück.




    Bei dem Abstecher nach Ulm könnte Abdeslam dem SWR-Bericht zufolge drei Männer, die sich als Syrer ausgegeben hatten, aus einer Flüchtlingsunterkunft abgeholt haben, in deren Nähe er geparkt hatte. Die drei Männer fehlten dort seither.

    Ihre Identität werde vom Bundeskriminalamt (BKA) gemeinsam mit französischen und belgischen Sicherheitsbehörden geprüft, hiess es. Die deutschen Behörden wollten sich demnach nicht zu dem Vorgang äussern.

  • Im Gefängnis radikalisiert  

    Salah Abdeslam ist mit zwei Brüdern in Molenbeek in Brüssel aufgewachsen. Seine Eltern – ein pensionierter Lokführer und eine Hausfrau – stammen ursprünglich aus Marokko. Abdeslam arbeitete als Mechaniker, verlor die Stelle jedoch, weil er zu oft fehlte, wie die «Neue Zürcher Zeitung» berichtet.

    Danach fand er eine Stelle in der Bar seines Bruders Brahim. Diese wurde jedoch wenige Wochen vor den Pariser Anschlägen als Drogenumschlagplatz zugesperrt.

    2011 wurde Abdeslam und Abdelhamid Abaaoud – ein weitere Attentäter von Paris – wegen eines Einbruchs verurteilt. Im Gefängnis habe sich Abdeslam allmählich radikalisiert, wie «Le Monde» berichtet. Sein Bruder sagte jedoch, dass Abdeslam erst ein halbes Jahr vor dem Attentat mit Beten begonnen hat. Auch habe er aufgehört Alkohol zu trinken. Zuvor sei Abdeslam häufig im Ausgang gewesen und habe Cannabis konsumiert.

  • Abdeslam wird verhört  

    Auch der mutmassliche Komplize von Abdeslam ist nicht mehr im Spital. Die beiden Männer waren bei dem Polizeieinsatz angeschossen und über Nacht im Saint-Pierre-Spital medizinisch versorgt worden. Sie dürften nun verhört werden, anschliessend soll über ihre Auslieferung nach Frankreich entschieden werden.

  • Aus Spital entlassen  

    Salah Abdeslam konnte aus dem Spital Saint-Pierre in Brüssel entlassen werden, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Abdeslam wurde bei der Festnahme am Bein verletzt.


  • Abdeslam vor Anschlägen überprüft  

    Am 3. Oktober 2015, Wenige Wochen vor den Terroranschlägen von Paris, hatte die deutsche Polizei Abdeslam und einen weiteren Terrorverdächtigen in Ulm überprüft, teilte die belgische Staatsanwaltschaft mit. Die damals genommenen Fingerabdrücke führten auf Abdeslams Spur.

  • Fünf Personen verhaftet  

    Bei den Polizeiaktionen seien gesamthaft fünf Personen verhaftet worden, erklärt die belgische Staatsanwaltschaft.

    Nebst Abdeslam soll ein weiterer Verhafteter mit den Attentaten in Paris in Verbindung stehen, teilt die belgische Staatsanwaltschaft mit. Die drei anderen Verhafteten seien Angehörige der Familie, bei der sich Abdeslam versteckt habe.

  • Es geht weiter  

    Die Ermittlungen seien damit noch nicht abgeschlossen, es werde noch mehr Festnahmen in dem Fall geben, sagte Hollande. Michel erklärte: «Dieser Abend ist ein Erfolg im Kampf gegen den Terrorismus.»

  • Mohamed Abrini nicht verhaftet  

    Abrini, der Abdeslam nach Paris gefahren haben soll, befindet sich laut einer Reporterin von «Politico» nicht unter den Verhafteten. Mohamed Abrini ist seit den Anschlägen untergetaucht und wird von der Polizei gesucht.

  • Abdeslam war sicher in Paris  

    Es sei sicher, dass der festgenommene Attentäter Abdeslam am 13. November in Paris gewesen ist, sagt Hollande.

  • Belgischer Ministerpräsident  

    Bei einem Grosseinsatz in Brüssel sind am Freitag nach Angaben des belgischen Ministerpräsidenten Charles Michel drei Verdächtige festgenommen worden.

    Darunter befinde sich auch einer der meistgesuchten Attentäter der Pariser Anschläge im November, Salah Abdeslam.

  • Gerechtigkeit  

    Es werde Gerechtigkeit geben und die geschehe in Frankreich durch die Justiz, so Hollande weiter.

  • Wichtiger Schritt  

    Die Festnahme sei ein wichtiger Schritt, sagt Hollande.

  • Gratulation an Behörden  

    Hollande gratuliert den Behörden. Auch die Spezialeinheiten hätten dazu beigetragen. Die Staatsanwaltschaft werde von Belgien die Auslieferung Abdeslams verlangen.

  • Hollande erinnert an Opfer  

    Der französische Präsident François Hollande erinnert an die Opfer der Anschläge von Paris.

  • Wichtiger Sieg  

    Die Pressekonferenz hat begonnen.

    Der Belgische Premierminister Charles Michel spricht von einem wichtigen Sieg für die Demokratie. 100 Hausdurchsuchungen in Belgien fanden statt. Dabei sind 58 Verdächtige verhaftet worden.

  • PK angekündigt  

    Demnächst solle eine Pressekonferenz zu den Festnahmen in Molenbeek stattfinden.


  • Obama gratuliert  

    Der belgische Premierminister publiziert ein Foto auf Twitter, das ihn am Telefon mit US-Präsident Barack Obama zeigt. Dieser hat zur Festnahme von Abdeslam gratuliert.


  • Video zeigt Verhaftung  


  • Polizei wusste seit Tagen von Abdeslam  

    Die Polizei habe schon seit Dienstag gewusst, dass sich Abdeslam noch in Brüssel aufhalte, berichtet der belgische Fernsehsender VTM. Sie hätten dann die Fingerabdrücke gefunden und einen Mann gesehen, der wie Abdeslam ausgesehen habe.

  • Dritter Verdächtiger  

    Laut der belgischen Zeitung HLN hat die Polizei einen dritten Verdächtigen verhaftet.

  • Zwei Explosionen  

    Nach der Festnahme des Terrorverdächtigen Salah Abdeslam hat es im Brüsseler Stadtteil Molenbeek zwei Explosionen gegeben.


  • Molenbeek als Rückzugsort  

    Nach der Panne bei der Verkehrskontrolle an der Grenze zu Belgien war nach Abdeslam international gefahndet worden. Kurz vor der Festnahme hatten Ermittler bekanntgegeben, dass sie bei einer Razzia im Brüsseler Stadtteil Forest nahe Molenbeek in einer Wohnung Fingerabdrücke von Abdeslam gefunden hatten.



    Es sei möglich, dass Abdeslam eine von zwei Personen sei, die aus dem Apartment geflohen seien, sagte der belgische Staatsanwalt Eric Van der Sypt vor seiner Festnahme. Die Razzia in Forest hatte am Dienstag stattgefunden. Die Beamten waren dabei aus einer Wohnung heraus beschossen worden, später fanden sie dort eine Leiche – vermutlich die von Mohamed Belkaid, wie die belgische Staatsanwaltschaft sagte.

    Abdeslam gilt als einer der Drahtzieher der Pariser Anschläge mit 130 Toten. Er soll die Attentäter, die sich vor dem Stade de France in die Luft sprengten, mit einem Auto dorthin gefahren haben. Nach den Anschlägen floh Abdeslam offenbar mit Komplizen nach Belgien.

  • Beamte liessen Abdeslam ziehen  

    Der Name des 26-jährigen Abdeslam war kurz nach den Anschlägen vom 13. November aufgefallen. In derselben Nacht passierte er nahe der französisch-belgischen Grenze eine Kontrolle in einem Auto mit belgischem Kennzeichen, das zuvor nahe einem der Pariser Tatorte gesehen worden war. Die Beamten liessen ihn aber ziehen, weil sie noch keine entsprechenden Anweisungen hatten.

    Abdeslam soll eine Gruppe Bewaffneter während der Anschläge gefahren haben. Sein Bruder Brahim gehörte zu den Selbstmordattentätern, die sich in die Luft sprengten. Er selbst ist ein Freund aus Kindertagen von Abdelhamid Abaaoud, der als Drahtzieher der Anschläge gilt und wenige Tage nach den Attacken bei einem Polizeizugriff ums Leben kam.

  • Festnahme  

    Angaben aus französischen Polizeikreisen der mutmassliche Komplize der Attentäter von Paris, Salah Abdeslam, festgenommen worden. Der Einsatz fand im Brüsseler Stadtteil Molenbeek statt, in dem mehrere der Attentäter der Pariser Anschläge vom November gelebt haben sollen.

    Zuvor waren in einer Wohnung im Brüsseler Vorort Forest Abdeslams Fingerabdrücke gefunden worden. Französische Polizeikreise liessen verlauten, dass der mutmassliche Terrorist bei der Festnahme am Bein verletzt wurde. Ein weiterer Verdächtiger habe sich noch verschanzt, hiess es.

    Auch der stellvertretende Bürgermeister des Brüsseler Stadtteils Molenbeek bestätigte die Festnahme. Dem 26-jährigen sei dabei ins Bein geschossen worden, sagte Ahmed El Khannouss der Nachrichtenagentur AP. Ein weiterer Verdächtiger halte sich noch in einem Haus verschanzt, sagte El Khannouss weiter.

Erstellt: 19.03.2016, 17:47 Uhr

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