Ausland

Abhörskandal in England: Zeitung belauschte Prominente

Aktualisiert am 09.07.2009

Während Jahren hat eine Privatfirma im Auftrag von «News of the World» rund 3000 bekannte Schauspieler und Politiker abgehört. Das Blatt wird sehr viele Millionen bereit stellen müssen.

Ermittlungen laufen: Paul Stephenson, oberster Polizeichef, untersucht auch ob Schauspielerin Gwyneth Paltrow belauscht worden ist.

Ermittlungen laufen: Paul Stephenson, oberster Polizeichef, untersucht auch ob Schauspielerin Gwyneth Paltrow belauscht worden ist. (Bild: Keystone)

Abhörskandal News of the World

Der oberste Polizeichef Paul Stephenson ordnete am Donnerstag Ermittlungen gegen die Boulevardzeitung «News of the World» an. Deren Reporter sollen eine Privatfirma damit beauftragt haben, Telefongespräche von Prominenten gezielt abzuhören und die Inhalte für Sensationsberichte zur Verfügung zu stellen. Unter den Opfern sollen sich unter anderen die Schauspieler Jude Law und Gwyneth Paltrow sowie ranghohe Politiker aus allen Parteien befinden.

Einem Bericht des linksliberalen «Guardian» zufolge hat die «News of the World» einigen Betroffenen schon mehr als eine Million Pfund (1,2 Millionen Euro) in aussergerichtlichen Einigungsverfahren gezahlt. Insgesamt seien über mehrere Jahre hinweg etwa 3000 Prominente abgehört worden. Die Polizei wollte sich angesichts des laufenden Ermittlungsverfahrens nicht zu Einzelheiten äussern.

Chefredaktor will von nichts gewusst haben

Die Affäre sorgte bereits im Sommer 2006 für Schlagzeilen, als das Büro von Prinz Charles Beschwerde gegen einen möglichen Lauschangriff auf den britischen Thronfolger einlegte. Damals wurde der «News-of-the-World»-Ressortchef für Berichte über das Königshaus, Clive Goodman, festgenommen und ein Jahr später zu vier Monaten Haft verurteilt. Goodman hat damals betont, er habe auf eigene Faust und ohne das Mitwissen anderer Redakteure gehandelt. Dies zog der «Guardian» jedoch in Zweifel.

Damaliger Chefredakteur der «News of the World», die dem Medienunternehmer Rupert Murdoch gehört, war Andy Coulson. Er trat seinerzeit zurück, obwohl er stets betonte, nichts von der Abhöraffäre gewusst zu haben. Heute ist er der Pressesprecher des Chefs der oppositionellen Konservativen Partei, David Cameron. Dieser erklärte am Donnerstag, Coulson habe für ihn stets grossartige Arbeit geleistet. (sam/ap)

Erstellt: 09.07.2009, 14:07 Uhr


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