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Ackermann: Gläubiger verzichten auf «etwa 70 Prozent plus X»
Aktualisiert am 02.02.2012 7 Kommentare
Rettungsschirm von einer Billion
Die Staaten der Eurozone müssen den permanenten Rettungsschirm (ESM) nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) deutlich aufstocken. Um eine Ausweitung der Schuldenkrise zu verhindern sei vermutlich eine Billion Euro notwendig, erklärte die OECD in Paris.
Nach derzeitiger Planung soll der Rettungsschirm zum Zeitpunkt seines Inkrafttretens im Sommer einen Umfang von 500 Milliarden Euro haben. Die OECD empfahl der EU weitere Massnahmen zur Rettung des Euros. So müsse unter anderem sichergestellt werden, dass Griechenland einen Schuldenschnitt von mindestens 50 Prozent erhalte. (dapd)
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will die aufkommende Diskussion über ein drittes Hilfspaket für Griechenland im Keim ersticken. «Es braucht keine zusätzlichen Beiträge des öffentlichen Sektors», sagte der CDU-Politiker im Nachrichtensender n-tv. Zuvor hatte es aus Brüsseler Beamtenkreisen geheissen, dass die solventen Euroländer oder die Europäische Zentralbank (EZB) weitere 15 Milliarden Euro zur Rettung Athens zuschiessen müssten.
Der zusätzliche Bedarf gelte, obwohl Banken und Fonds auf mehr als 70 Prozent ihrer Griechenland-Papiere verzichten wollen. Der Verzicht des öffentlichen Sektors sei notwendig, damit die Schuldentragfähigkeit der Hellenen gesichert werde, hiess es aus der EU-Kommission. Mit dem Aufruf ist der Endspurt in den monatelangen Verhandlungen eingeleitet, mit einem Deal wird Anfang kommender Woche gerechnet.
Die öffentlichen Gläubiger seien hinreichend beteiligt, sagte dagegen Schäuble. «Ich kann bisher nicht erkennen, dass unser Anteil an der Bewältigung der Probleme zu gering sei.» Am Freitag will der Finanzminister in Berlin seine Amtskollegen aus den Niederlanden, Finnland und Luxemburg treffen. Alle vier Staaten werden von den drei grossen Ratingagenturen noch immer mit der höchsten Bonitätsstufe bewertet.
Beteiligung des Privatsektors absichern
Damit das Gesamtpaket für die Rettung Griechenlands verabschiedet werden kann, muss am Wochenende zunächst die Beteiligung des Privatsektors wasserdicht gemacht werden. In die Verhandlungen mit Athen will sich auch Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann, der auch Vorsitzender der internationalen Bankenvereinigung IIF ist, einschalten.
Bei der Aufzeichnung eines TV-Interviews sagte Ackermann in Frankfurt am Main, die Gläubiger seien zu einem Verzicht von «etwa 70 Prozent plus X» bereit. Die Zahl ergebe sich aus dem eigentlichen Schuldenschnitt auf bestehende Staatsanleihen und sehr niedrigen Zinsen für die Anschlussfinanzierung des Landes. «Der Ball liegt jetzt im Spielfeld der griechischen Regierung», sagte Ackermann.
Verzicht öffentlicher Kreditgeber ein Thema
«Ich denke, das ist ein teures Angebot von den Investoren, aber es ist weniger teuer, als eine Pleite wäre», sagte Ackermann. Die Ansteckungsgefahr, die von Griechenland auf andere Länder ausgehe, müsse gebannt werden. «Es hängt eigentlich gar nicht mehr so sehr an den privaten Investoren», sagte Ackermann. «Die Frage ist, ob auch andere Beteiligte noch ihren Beitrag leisten würden.»
Damit spielte Ackermann auf den Beitrag der öffentlichen Kreditgeber an. Dazu gehören neben Deutschland und den anderen solventen Euroländern der Internationale Währungsfonds (IWF) und die EZB. Die EZB wird inzwischen als grösste Gläubigerin Griechenlands gehandelt - Experten schätzen ihr Engagement auf bis zu 55 Milliarden Euro.
Bislang ist die Zentralbank nicht bereit, auf Forderungen zu verzichten. Die Währungshüter schliessen dies hinter vorgehaltener Hand aber nicht mehr rundweg aus. Zuerst müsse jedoch der Verzicht der privaten Banken abgeschlossen werden. Ein diskutiertes Modell ist, dass die EZB ihre Anleihen zum Marktpreis an die Griechen zurückgibt und damit einen deutlichen Abschlag im Vergleich zum Kaufpreis hinnimmt. Den Verlust müsste letztlich der europäische Steuerzahler verkraften.
130 Milliarden Euro sind nicht genug
Die Euroländer hatten Athen schon im Oktober ein zweites Rettungspaket von 130 Milliarden Euro zugesagt. Seit drei Wochen ist die Troika aus Experten von EU-Kommission, EZB und IWF in Athen, um die tatsächliche Finanzlücke zu ermitteln. Brüssel und Berlin forderten von der griechischen Regierung selbst weitere Sparanstrengungen, um das Loch zu schliessen.
Nach Ansicht der EU-Kommission ist die Grenze allerdings ausgereizt. Sollten die Euroländer oder die EZB den Fehlbetrag nicht zuschiessen, könnten sich auch öffentliche Banken wie die französische Caisse de Depots an dem Schuldenverzicht der Privatgläubiger beteiligen, sagte ein Beamter.
Ackermann ergänzte, er selbst wolle möglicherweise am Wochenende nach Athen fliegen. Eigentlich war geplant, dass er am Samstag an der Münchner Sicherheitskonferenz teilnimmt. Doch die Zeit rennt davon. Der für die Risikovorsorge der Deutschen Bank zuständige Vorstand Hugo Bänziger sagte, es gebe kaum eine andere Möglichkeit, als sich jetzt zu einigen.
In den vergangenen eineinhalb Jahren sei zu viel politisches Kapital in Europa zerschlagen worden, sagte Bänziger. Er rechnete vor, dass die Schulden der Eurostaaten sich insgesamt auf rund elf Billionen Euro beliefen. Davon liege grob die Hälfte bei Investoren, die von ausserhalb des Euroraums investiert hätten. Wenn diese Käufer streikten oder fernblieben, weil sie dem Euro nicht mehr vertrauten, genüge das, um das System langfristig zu stören. (kpn/dapd)
Erstellt: 02.02.2012, 22:33 Uhr
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7 Kommentare
Der letzte Satz ist leider falsch rausgekommen.. sollte eigentlich heissen "genüge das um das System kurzfristig zu zerstören". Eigentlich eine Frechheit gegen alle Steuerzahler wie man dieses marode auf Sand gebaute Gebilde "Euro" mit allen Mitteln zu schützen sucht und selbstverständlich davon ausgeht dass ALLE, auch ausserhalb dieses Krebsgeschwürs, dazu beizutragen haben. Antworten


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