Ausland

Althaus kehrt zurück – nach Skiunfall, Trauerfall und Kritik

Aktualisiert am 16.04.2009

Fast 16 Wochen nach seinem schweren Skiunfall, bei dem eine Frau ums Leben gekommen war, nimmt Dieter Althaus seine Arbeit als Ministerpräsident wieder auf – belastet mit scharfer Kritik und einem familiären Verlust.

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Der deutsche Spitzenpolitiker Dieter Althaus (CDU) wurde wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.
Bild: Keystone

   
Vom umjubelten Sieger zum belasteten Regierungschef: Althaus nach seiner Wiederwahl am 15. November 2008...

Vom umjubelten Sieger zum belasteten Regierungschef: Althaus nach seiner Wiederwahl am 15. November 2008... (Bild: Keystone)

... und beim Verlassen einer Klinik in Allensbach am 18. März 2009.

... und beim Verlassen einer Klinik in Allensbach am 18. März 2009. (Bild: Keystone)

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Der kommende Montag, 20. April, ist der erste Arbeitstag des thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus in diesem Jahr. Noch nie zuvor hatte der verspätete Dienstantritt eines Regierungschefs ein derartiges überregionales Interesse und einen so hohen Erwartungsdruck ausgelöst. Eine neugierige Öffentlichkeit möchte erfahren, wie sich ein wegen fahrlässiger Tötung rechtskräftig verurteilter Regierungschef bei seiner ersten Pressekonferenz gibt. Wird er vollständig wiederhergestellt sein? Hat er die Kraft, die drängenden Probleme anzupacken?

Althaus war am Neujahrstag auf einer Skipiste in Österreich mit einer 41-jährigen Frau zusammengestossen, die an den Folgen des Unfalls starb. Der 50 Jahre alte CDU-Politiker selbst erlitt eine schwere Kopfverletzung. Experten gehen davon aus, dass bei mittleren bis schweren Schädel-Hirn-Traumata in der Regel erst nach einem halben bis einem Jahr genau gesagt werden könne, welche Langzeitfolgen die Verletzungen haben würden.

«Ich habe ihn mir nicht so flott vorgestellt»

Knapp 16 Wochen nach dem gravierenden Ereignis will Althaus nun das Ruder in der Erfurter Staatskanzlei und in der CDU Thüringen wieder in die Hände nehmen. Die Probleme drängen: Nicht allein die Autobauer bei Opel in Eisenach, sondern auch viele kleine und mittelständische Betriebe, deren Existenz gefährdet ist, erwarten in der weltumspannenden Finanzkrise Hilfe von der Politik. Und schliesslich steht ein «Superwahljahr» bevor.

«Ich halte Dieter Althaus für fit und gewappnet für den Landtagswahlkampf», sagte der thüringische CDU-Landesgeschäftsführer und Wahlkampfleiter Andreas Minschke der AP. Er sei mit ihm vor zwei Wochen gewandert und habe mehrere Stunden mit ihm geredet. «Ich habe ihn mir nicht so flott vorgestellt», schildert Minschke seinen Eindruck. Bei dem Gespräch sei es unter anderem um die Vorbereitung des Landesparteitages am 2. Mai gegangen.

Umgang mit den Massenmedien kritisiert

In Thüringen hat die Art und Weise, in der Althaus seine Rückkehr über eine Boulevardzeitung inszenierte, Kritik ausgelöst. Nach seinem Sturz auf der Skipiste war die Berichterstattung überwiegend von menschlichem Mitempfinden gekennzeichnet. Auch die Oppositionspolitiker hielten sich zurück, um dem Gestürzten nicht noch weitere Treffer zu verpassen. Diese hatte das Schicksal ohnedies weiterhin für Althaus parat: Sein Vater starb.

Ein sichtlich schwer gezeichneter Sohn nahm an der Trauerfeier im thüringischen Heiligenstadt teil. Doch während Fotografen mit aufgespannten Regenschirmen an ihrer Arbeit gehindert wurden, erschien später in der «Bild»-Zeitung ein offenbar gestelltes Foto des Ministerpräsidenten mit seiner Frau Katharina am Grab des Vaters.

«Bild»-Zeitung offenbar instrumentalisiert

Bei dem überraschend anberaumtem Gerichtstermin am 3. März im österreichischen Irdning war neben derselben Zeitung kein sonstiger Vertreter der deutschen Presse zugegen. Und während Althaus auf dem CDU-Parteitag in Abwesenheit zum Spitzenkandidaten gekürt wurde und ins thüringische Waltershausen eine Grussbotschaft per SMS sendete, gab er der «Bild»-Zeitung nahezu zeitgleich ein Exklusiv-Interview.

Mit dieser als fragwürdig kritisierten Inszenierung sorgte Althaus nicht nur bei seinen Parteifreunden für Stirnrunzeln, sondern auch bei den Journalisten in Thüringen, die sich ganz bewusst zurückgehalten hatten und dem Rat der Ärzte «Althaus braucht Ruhe zu seiner Genesung» gefolgt waren.

Keine Gnade von der Opposition

Auch die Opposition, die dem Rekonvaleszenten eine Schonzeit gewährt hatte, gab ihre Zurückhaltung auf. Der Spitzenkandidat der Linken, Bodo Ramelow, nannte es im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP «einen völlig inakzeptablen Vorgang, dass die Boulevardzeitung als amtliches Verlautbarungsblatt der Familie Althaus» benutzt worden sei.

«Was Dieter Althaus dort praktiziert hat, ist für mich auch ein Zeichen für ein, wie ich finde, gestörtes Demokratieverständnis», sagte Ramelow. Unabhängige Medien seien die vierte Säule in einer Demokratie. Man könne sie nicht instrumentell so benutzen, wie man es gern hätte.

Opel-Krise als das drängendste Problem

«Um Opel hat sich bisher die Landesregierung nicht in dem Masse gekümmert, wie es notwendig wäre», kritisierte Ramelow. «Ich erwarte ein Eingreifen des Chefs am Beispiel Opel, aber gleichzeitig braucht die gewerbliche Wirtschaft in Thüringen dringend Unterstützung im Bereich Eigenkapital.» Angesichts der Weltfinanzmarktkrise müsse man in Thüringen neue, eigene Wege gehen, damit kleine und mittelständische Betriebe diese schwierige Phase überstehen.

Für SPD-Landeschef Christoph Matschie hat Althaus jede Menge Dauerbaustellen vor sich. Mit seinen Äusserungen seit der Rückkehr aus der Reha-Klinik in Allensbach habe er ein «politisches Desaster» angerichtet. «Zu keinem aktuellen Problem hat er eine befriedigende Antwort gegeben», sagte Matschie. (raa/ap)

Erstellt: 16.04.2009, 13:30 Uhr


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