Armenische Diaspora sträubt sich gegen Vertrag mit der Türkei

Aktualisiert am 08.10.2009

Die historische Einigung zwischen der Türkei und Armenien unter Schweizer Vermittlung steht kurz bevor. Doch von der armenischen Seite kommt Widerstand.

«Stoppt die Verhandlungen»: Exil-Armenier protestieren im Libanon.

«Stoppt die Verhandlungen»: Exil-Armenier protestieren im Libanon.
Bild: Reuters

Kurz vor der geplanten Unterzeichnung der unter Schweizer Vermittlung erzielten Einigung zwischen der Türkei und Armenien wächst der Widerstand in der armenischen Diaspora. Die Schweiz hat alle Vorbereitungen für die Zeremonie getroffen, es fehlt aber die Zustimmung aus Eriwan.

Der türkische Aussenminister Ahmet Davutoglu sagte am Donnerstag in Ankara, er sei sicher, dass Armenien und die Türkei das historische Abkommen unterzeichnen würden und ihre Beziehungen nach jahrzehntelanger Feindschaft normalisierten.

Einigung immer noch auf der Kippe?

Nach übereinstimmenden Informationen von türkischer, armenischer und russischer Seite ist die Unterzeichnung am Samstagnachmittag in Zürich geplant. Doch es fehlt offenbar das grüne Licht aus Armenien.

Bei seinen Konsulationen mit der Diaspora in den USA, in Frankreich, in Libanon und in Russland wehte dem armenischen Präsidenten Serzh Sarkissian in den vergangenen Tagen ein eisiger Wind entgegen. Zahlreiche armenische Organisationen, darunter auch die GSA, forderten Änderungen an den Protokollen.

Zwar habe die Schweiz geschafft, was bislang niemandem gelang - zwei historische Gegner an einen Tisch zu bringen, sagte Shahinian: «Doch die Schweiz war zu eilig beim Abschluss. Die Protokolle sind nicht ausgereift. Hier wurde nicht die beste Lösung gefunden».

Sarkissian unter Druck

Angesichts des Widerstands der Diaspora machte die US-Regierung bis zuletzt Druck auf Armenien, die historische Annäherung zu besiegeln. Bereits am nächsten Dienstag läuft die Frist dafür ab.

Die Parteien hatten sich am 31. August darauf geeinigt, dass binnen sechs Wochen zwei Protokolle unterzeichnet werden sollen - über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen und die Öffnung der Grenze sowie über die Aufarbeitung der Ereignisse des Ersten Weltkrieges durch Historiker.

Doch die armenische Diaspora und die Opposition in Eriwan befürchten, dass mit der Einigung eine politische Anerkennung des Genozids an den Armeniern 1915 unter den Teppich gekehrt und zu einer Angelegenheit unter Historikern degradiert wird.

Differenzen um Berg-Karabach

Daneben kompliziert der Konflikt um Berg-Karabach die Annäherung. Sarkissian wollte sich noch am Donnerstagabend mit seinem aserischen Amtskollegen Haydar Aliyev in der US-Botschaft in Kischinau (Moldawien) treffen, um Differenzen in der Frage auszuräumen.

Anfang der 1990er Jahre hatte das armenische Militär das überwiegend von Landsleuten bewohnte, zu Aserbaidschan gehörende Gebiet in einem der blutigsten Kriege der nachsowjetischen Zeit erobert und zehntausende Menschen vertrieben.

Während die armenische Diaspora um das Selbstbestimmungsrecht der Enklave fürchtet, laufen türkische Nationalisten Sturm gegen die Aussöhnung mit dem ehemaligen Feind. Aserbaidschan besteht seinerseits darauf, dass Ankara ein Abkommen mit Eriwan vom Rückzug der armenischen Truppen aus Berg-Karabach abhängig macht. (oku/sda)

Erstellt: 08.10.2009, 20:40 Uhr

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