Ausland
Asbest-Opfer: Schmidheiny zahlt Millionen-Entschädigung
Schmidheiny, früher Besitzer zahlreicher Eternit-Fabriken in der Schweiz und rund um den Globus, muss sich möglicherweise ab dem 6. April in Turin vor Gericht verantworten wegen der Asbest-Opfer in den italienischen Fabriken. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm und einem anderen Grossaktionär mehrfach fahrlässige Tötung und Verletzung der Schutzvorschriften gegen Berufskrankheiten vor.
2619 Tote
Sie werden für die meist tödlichen Krankheiten von 2619 früheren Mitarbeitern in fünf italienischen Eternit-Fabriken verantwortlich gemacht. Die grösste davon stand in Casale Monferato im Piemont. Ein Gericht muss nun entscheiden, ob es zum Prozess kommt.
Die Entschädigungsofferte Schmidheinys sei zustandegekommen «unter Berücksichtigung der grossen Zahl von Opfern in Casale Monferato, weil sie Asbest ausgesetzt waren», zitiert am Donnerstag die italienische Nachrichtenagentur ANSA ein Communiqué der Becon AG mit Sitz in Glarus.
«Geste der Solidarität»
Die Beteiligungsgesellschaft ist gemäss Handelsregister im alleinigen Besitz von Stephan Schmidheiny. Es handle sich dabei um eine «Geste der Solidarität», hiess es weiter. Die Gesellschaft hatte bislang vorgeschlagen, nur ehemalige Eternit-Arbeiter zu entschädigen.
Unter den 3000 Zivilparteien des Verfahrens in Turin sind auch viele Einwohner der Kleinstadt, die an durch Asbest hervorgerufenen Krankheiten leiden oder Angehörige verstorbener Einwohner.
Brustfellkrebses
Im Communiqué erklärte sich Becon gemäss ANSA bereit, den Betroffenen eine Summe zu bezahlen, die höher liegt als die Kosten für die Behandlung und die Vorbeugung eines vor allem durch Asbest ausgelösten Brustfellkrebses, des Mesothelioms.
Sollten die Bewohner von Casale Monferato die Offerte akzeptieren, müsse Schmidheiny eine Summe im zweistelligen Millionenbereich zahlen, schätzt ANSA.
Gefahren vertuscht
Gemäss den Zivilparteien im Turiner Verfahren starben rund 2000 Menschen in Italien an durch Asbest ausgelöste Krankheiten, die auf Eternit-Werke zurückzuführen sind. Rund 800 Menschen sind erkrankt.
Die Staatsanwaltschaft wirft Schmidheiny und dem Mitbesitzer, einem belgischen Baron, vor, schon lange von den Gefahren des Asbests gewusst, aber nichts zum Schutz der Betroffenen unternommen zu haben.
Kein Schuldeingeständnis
Becon weist diesen Vorwurf zurück: Es sei «offensichtlich», dass in der Zeit, als Schmidheiny Hauptaktionär von Eternit Italien war, "die (Asbest)-Exposition beendet" wurde. Diese sei die «Hauptursache, wenn nicht gar die einzige Ursache, für die Verseuchung von Casale Monferato» gewesen und damit für das «schädliche Resultat» für die Bewohner verantwortlich.
Schmidheiny hatte 1976 entschieden, auf Asbest in der Eternit-Produktion zu verzichten. Erst 1994 war diese jedoch asbestfrei. Der 61-jährige Schmidheiny ist schon seit Jahren nicht mehr Besitzer der heutigen Eternit. (cpm/sda)
Erstellt: 05.03.2009, 21:32 Uhr





