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Auch Wiener Sängerknaben von Misshandlungen betroffen
Von Bernhard Odehnal. Aktualisiert am 12.03.2010 4 Kommentare
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Die Ratlosigkeit ist ihnen anzusehen: Wann immer österreichische Bischöfe dieser Tage in TV-Debatten auftreten – und das tun sie oft – blicken sie hilflos zum Himmel. Von «Bedauern» und «Entsetzen» sprechen sie und dass sich in den vergangenen Jahren vieles verbessert habe.
Tatsächlich liegen die meisten Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche oft Jahrzehnte zurück. Für das Strafrecht sind sie verjährt. Das ändert aber nichts am moralischen Problem der Kirche: 15 Jahre nachdem Kardinal Hans Hermann Groër des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen überführt wurde, muss die Führung der Katholiken zugeben, dass sie weder ihre Vergangenheit aufgearbeitet noch die Probleme mit der Sexualität ihres Personals in den Griff bekommen hat.
Immer wieder neue Enthüllungen
Die Welle der Enthüllungen ebbt nicht ab: Nachdem vergangene Woche Missbrauchsfälle in Salzburger und Vorarlberger Klöstern bekannt wurden, berichtete die Wochenzeitung «Falter» am Mittwoch von einem Pfarrer, der in einem steirischen Ort Anfang der Achtzigerjahre 20 Jugendliche sexuell missbraucht hatte. Obwohl Beschwerden der Opfer und ihrer Eltern bis zum Bischof gelangten, wurde der Täter lediglich ins benachbarte Bundesland versetzt, wo er in der Jugendarbeit tätig blieb. Erst diese Woche legte er sein Amt nieder. Gestern erzählte ein ehemaliger Schüler des Stifts Kremsmünster im Radio, wie er im Internat von drei Patres zu sexuellen Handlungen gezwungen worden sei.
Eine weitere Enthüllung trifft die Kulturnation Österreich ins Mark: Im «Standard» berichten zwei ehemalige Schüler der Wiener Sängerknaben von sexuellen Misshandlungen und Folter durch die Erzieher im Internat. Die Sängerknaben verstehen sich als musikalische Botschafter Österreichs, die vier Chöre touren durch die ganze Welt. Die Vorwürfe betreffen die Zeit von 1966 bis 1987.
Kirchenaustritte häufen sich
Die Verunsicherung unter geistlichen Würdenträgern ist enorm. Der Prior jenes Salzburger Klosters, dessen Abt wegen Missbrauchsvorwürfen zurücktreten musste, meinte: «Ich traue mittlerweile jedem alles zu.» Katholische Laienorganisationen sprechen vom «Super-GAU». Noch sind 5,5 Millionen der 8,3 Millionen Österreicher Mitglieder der katholischen Kirche. Doch die Kurve der Austrittszahlen weist steil nach oben. 1995, als der Fall Groër bekannt wurde, verliessen 33 000 Österreicher die Kirche, 2009 waren es 53 000. Das war noch, bevor die jüngsten Fälle bekannt wurden.
Zu Beginn einer Tagung der Diözese Wien rief Kardinal Christoph Schönborn dazu auf, offen nach den Ursachen für Missbrauch zu fragen. Das Zölibat will Schönborn aber keinesfalls hinterfragen, denn er stellt die Missbrauchsfälle in Zusammenhang mit der ‹sexuellen Revolution› der 68er-Generation». (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 12.03.2010, 10:56 Uhr
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4 Kommentare
Die sexuelle Revolution der 68er war die Befreiung von der unterdrückerischen sexuellen Dogmen der Kirchen. Kardinal Christoph Schönborn scheint mir keine Ahnung zu haben, was die Kirche damit in der Vergangenheit angerichtet hat. Für mich sind seine Äusserungen reine Ablenkung. Diese Kirche hat die Berechtigung verloren sich in die Angelegenheit der Sexualität ihrer Schäfchen einzumischen. Antworten
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Heinz Dübendorfer
In Nachrichten und TV-Diskussionsrunden über diejetzige Welle von bekennenden Opfern wird vorwiegend die Vergangenheit in Licht gerückt. Ich habe während eines Ehrverletzungsprozesses, der mich 20000 CHF (!) gekostet hat, weil ich zu jenen gehörte, die "hingesehen und reagiert" haben, gut 40 Bücher zum Thema gelesen, viele von Opfern. Das Heute ist nicht besser als das Gestern - im Gegenteil! Antworten