Ausland

Beängstigendes aus Österreichs Koranschulen

Von Rudolf Gruber, Wien. Aktualisiert am 06.02.2009

Eine Studie über islamische Religionslehrer zeigt, dass viele von ihnen in hohem Masse demokratiefeindlich und in religiösen Belangen fanatisch sind. Der Staat hat seine Kontrollfunktion seit Jahren schwer vernachlässigt.

Sie seien ihren christlichen Schulkameraden überlegen, wird ihnen eingetrichtert: Koranschüler.

Sie seien ihren christlichen Schulkameraden überlegen, wird ihnen eingetrichtert: Koranschüler.

Das Islamische Religionspädogische Institut an der Universität Wien hat 2007 eine Studie durchgeführt, die für Österreich völlig neu ist. Muhanad Khorchide, der Leiter des Projekts und Autor der Studie, ist selbst Imam. Das Ergebnis der Umfrage bei rund der Hälfte der 400 Koranlehrer in Österreich – deren Namen nicht veröffentlicht werden – ist alarmierend.

Knapp 23 Prozent nehmen eine «fanatische Haltung» gegenüber dem westlichen Rechtsstaat ein, wobei die Ablehnung mit zunehmendem Alter ansteigt. 22 Prozent lehnen die Demokratie gänzlich ab, weil sie mit dem Islam nicht vereinbar sei. Das heisst: Jeder fünfte Koranlehrer in Österreich ist gegen die Trennung von Staat und Religion.

Von den Befragten lehnen 15 Prozent die österreichische Verfassung ab, weil sie im Widerspruch zum Islam stehe, und 28 Prozent sehen einen Widerspruch darin, gleichzeitig Muslim und Europäer zu sein. 27 Prozent lehnen auch die Menschenrechtscharta ab, weil sie mit dem Islam nicht vereinbar sei, und 44 Prozent trichtern ihren Schülern ein, dass sie ihren christlichen Schulkameraden überlegen seien.

Staat zahlt alle Religionslehrer

Anas Shakfeh, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IG), die rund 90 Prozent der in Österreich lebenden 350 000 Muslime repräsentiert, zeigte sich zwar betroffen, versuchte aber, den Einfluss der radikalen Imame auf die derzeit rund 50 000 Koranschüler in Österreich herunterzuspielen. In einem Fernsehinterview sagte er, dass jeder Lehrer, dem der Versuch einer Fanatisierung nachgewiesen werde, mit sofortiger Entlassung zu rechnen habe.

Religionslehrer aller Glaubensrichtungen werden in Österreich vom Staat finanziert, anders als in den meisten anderen Ländern Europas. Damit glaubt der Staat, sich eine gewisse Kontrolle zu sichern. Die Auswahl der Lehrer, der Unterrichtsinhalte und die Organisation bleiben im Sinne der Religionsfreiheit jedoch den jeweiligen Glaubensgemeinschaften überlassen.

Laut der neuen Studie weiss der Staat kaum, was tatsächlich im muslimischen Religionsunterricht gelehrt und gepredigt wird. Zudem haben 40 Prozent der islamischen Religionslehrer keine pädagogische Ausbildung – und sie können auch kein theologisches Studium vorweisen. Eine entsprechende Ausbildung gibt es in Österreich erst seit 1998.

Bislang ein Vorbild

Bildungsministerin Claudia Schmied fordert jetzt einen umfassenden Tätigkeitsbericht der Fachinspektoren: Darin müsse nachgewiesen werden, ob der islamische Religionsunterricht «mit den Zielen der staatsbürgerlichen Erziehung» übereinstimme. Von IG-Präsident Shakfeh will Schmied wissen, welche Konsequenzen er aus der Studie ziehen wolle.

Österreich galt bislang, was die Beziehung zu den muslimischen Gemeinden angeht, in ganz Europa als vorbildlich. Mit Fanatismus und Radikalität ausgetragene Konflikte wie in Deutschland oder den Niederlanden gibt es nicht. Der Grundstein für das relativ entspannte Zusammenleben wurde bereits zur Kaiserzeit gelegt: Seit 1912 ist der Islam eine staatlich anerkannte Religion, durch die Annexion Bosnien-Herzegowinas 1908 waren rund eine Million Muslime in die Donaumonarchie eingebürgert worden. (Der Bund)

Erstellt: 06.02.2009, 09:39 Uhr


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